Viel Meer Flüsse 05 – Mont Ventoux wo bist du? Regen in Südfrankreich

Viel Meer Flüsse 05 – Mont Ventoux wo bist du? Regen in Südfrankreich

Wie befürchtet wurde der Tag ein mehr oder weniger kompletter Regentag und trotzdem entschied ich mich Rad zu fahren. Den ganzen Tag im Hotelzimmer sitzen wollte ich nicht. So interessant war das französische TV dann doch wieder nicht. Mein Plan war es, bis kurz vors Mittelmeer zu radeln. 180 Kilometer. Das nächste Hotel war bereits gebucht. Allerdings so, das ich es von unterwegs hätte jederzeit stornieren können. Für den Fall das das Radeln im Regen doch nicht so funktionieren sollte. Schlussendlich war die Wahl des Hotels eine taktische Entscheidung, denn direkt am Mittelmeer waren die Hotels in der Hochsaison teuer. So hatte ich ein preiswertes Hotel und am Tag drauf würde ich am Abend das Meer schon wieder verlassen haben.

Da es eh am regnen war, hatte ich auch die Zeit um Frühstück im Hotel zu essen. Und während ich so da saß, schaute ich aus dem Fenster. Es sah schön aus, wie die Regentropfen in den Pfützen tanzten. Ein wenig Optimismus brauchte ich für den Start. Ich redete mir den Regen schön: „Ach das wird toll. Und außerdem Südfrankreich bei Sonnenschein kenne ich doch schon.“

Im Zimmer zog ich dann meine roten Velotoze über. Die hatte ich bisher nie gebraucht, sie waren allerdings schon mit in Holland und bei der einen oder anderen langen Radtour am Start. Für das Anziehen brauchte ich knapp 10 Minuten. Es fühlte sich ein wenig so an, als wenn ich versuchte mir Luftballons über die Schuhe zu ziehen. Und außerdem stellte ich fest, das die roten Ballons an den Füßen dann rosa aussahen. Egal, ich hoffte darauf, das meine Füße trocken bleiben würden.

Und Abfahrt. Die ersten Minuten im Regen kosteten etwas an Überwindung. Als ich dann wieder am Fluss war wurde es aber doch direkt schön. Eigentlich wie immer. Der Radweg war voller „Rollmuscheln“. Ich war gedanklich im Familienurlaub am Strand. Dort sind meine Kinder nämlich immer darauf aus, die gedrehten Muscheln zu finden, die eigentlich gar keine Muscheln sind. Es sind Schnecken. Wie auch immer, meine Kinder hätten dort in Frankreich ihren Spaß gehabt. Ich dagegen wich den Schneckenhäusern so gut wie möglich aus. Wollte definitiv nicht im Regen auch noch einen Schlauch wechseln.

Regenwolken in den Bergen an der Rhone.jpg

Mein Weg führte mich die ganze Zeit fast immer an der Rhone entlang. Eigentlich ganz schön. Auch im Regen. Es sah toll aus, wie die Wolken direkt in den kleinen Bergen hingen. Ich fühlte mich gut. Meine Füße und mein Oberkörper waren trocken. Die Hose allerdings komplett nass, so wie auch die Handschuhe. Die konnte ich ab und zu gegeneinander auswringen. Das Wasser hätte gereicht um meine Trinkflaschen beständig zu befüllen.

Die Rhone im Regen.jpg

Sehr unterhaltsam war für mich die Überquerung eines kleinen Baches. Mein Weg teilte sich und ich hatte zwei Möglichkeiten. Es gab einen Weg nach unten, der durch etwa knöcheltiefes fließendes Wasser führte und einen Weg nach oben über eine Metallbrücke. Ich entschied mich für die Brücke. Aber da ich schlechte Erfahrungen gesammelt hatte, stieg ich ab und schob mein Rad. Nur nicht noch einmal stürzen.

Kurz darauf die nächste Brücke. Allerdings viel viel größer. Eine Hängebrücke, so mitten im nichts. Ich fuhr vorsichtig drüber und stellte mich unter den zweiten Pylon. Ein perfekter Ort für eine Pause. Ich trank eine Dose Cola, die vom Vortag übrig war und aß einen meiner Pfirsiche. Damit waren meine Essensvorräte so gut wie aufgebraucht. Ein zweiter Pfirsich war noch da. Mehr nicht.

So eine Brücke ... nur für einen Radweg!?.jpg

Auf der Brücke. Lieber schieben..jpg

Während ich dort so stand fuhren 2 weitere Radreisende an mir vorbei. Natürlich mit kompletter Regenmontur. Unsere Wege sollten sich den Tag über mehrfach kreuzen und jedes mal lächelten wir uns an und grüßten nett. Wohlwissend das außer uns dreien niemand unterwegs war. Denn die ganzen anderen Radwanderer blieben in ihren Zelten. Überall neben dem Radweg standen ihre Zelte. Irgendwie war es auch interessant zu sehen, wo sie alle ihre Zelte aufschlugen. Normalerweise bekommt man das sonst ja nicht zu Gesicht.

Der Regen wurde stärker und meine Luftballon-Überschuhe hielten dem Wasser auch nicht mehr stand. Wobei ich mir allerdings nicht sicher war, ob Regenwasser irgendwo hineinlief oder ob es einfach mein Schweiß war. War aber auch egal. In meinen Schuhen hätte man Fische züchten können. Über meine Regenjacke war ich allerdings froh. Die war nämlich trocken.

Es war Zeit für die nächste Pause. Einfach im Regen stehen bleiben wollte ich verständlicher Weise aber nicht. Also musste ich recht lange suchen. Ich fand eine alte verlassene Gartenhütte. Perfekt. So dachte ich zumindest. Ich schaute aufs Regenradar und stellte fest, das es nach einer halben Stunde eine kleine Regenlücke geben sollte. Diese wollte ich abwarten. Aß den letzten Pfirsich und versuchte meine Eltern anzurufen. Und dann wurde mir kalt. So kalt das ich nach nur 10 Minuten einfach im Regen weiterfuhr. Das war zwar nass, aber wenigstens nicht kalt.

Rhone.jpg

Nach einer weiteren Stunde im Regen (das mit der Regenlücke war wohl nichts) war der nächste Teiltrack zu Ende. Ich hielt kurz an um den nächsten Streckenabschnitt im Fahrradcomputer zu laden. Mittlerweile war ich in der Provence. Fast dort, wo ich 2 Jahre zuvor mit der Familie im Urlaub war. Und eigentlich hätte ich dort meinen Lieblingsberg den Mont Ventoux sehen müssen. Aber nichts. Die Regenwolken versperrten den Blick.

Aber immerhin der Regen hatte aufgehört. Ich war allerdings noch leicht feucht und nutzte den Moment um ein paar Fotos von meinem Rad zu machen. Als ich mich umdrehte sah ich lauter „Fotografieren verboten“-Schilder. Ups. Ich stand neben einem weiteren Atomkraftwerk.

Mein Rad an der Rhone.jpg

Das nächste Miniziel, welches ich erreichte, war genau die Stelle in der Nähe von Avignon, an der ich bereits vor 2 Jahren Rad gefahren war. Damit waren meine Strecken miteinander verbunden. Für den kleinen Monk in mir war das sehr wichtig und irgendwie war ich auch stolz drauf, die Gegend wiederzuerkennen, auch wenn das Wetter diesmal viel schlechter war.

Aber so langsam trockneten meine Klamotten und es war auch nicht mehr weit bis zum Hotel. Nur noch einen kleinen Berg hoch und wieder runter. Ich freute mich, denn ich hatte die Hoffnung, das Hotel nicht all zu durchnässt und schmutzig zu erreichen. Aber dann sah ich, wie am Himmel wieder dunkle Wolken aufzogen. Ich hatte noch die Hoffnung das sie an mir vorbei ziehen würden. Aber nein. Das Regengebiet nahm ich voll mit. Und das natürlich genau während der Abfahrt. Innerhalb weniger Sekunden war ich wieder total durchnässt. Mir war kalt. Nach einigen Minuten war dann wieder alles vorbei. Mir blieben noch circa 25 Kilometer um wieder ein wenig trocken zu werden.

Im Hotel dann die große Überraschung: Das Fahrrad konnte ich mit in mein Zimmer nehmen. Nach dem Tag. Nass und dreckig. Störte hier niemanden. Wobei ich auch nicht sicher sagen kann, ob ich oder das Rad schlimmer ausgesehen hatten. Die zweite Überraschung: Mein Zimmer. Es war riesig. Behindertengerecht ausgestattet. Das heißt, ich hatte eine riesige Dusche, in der sich auch Rollstuhlfahrer duschen konnten. Da musste ich natürlich nicht lange überlegen: Mein Rad ging mit mir zusammen duschen.

Der Versuch die Schuhe zu trocknen.jpg

Vorher ging ich allerdings noch in den Supermarkt. Dort stellte ich mich beim Kauf eines gebratenen Hähnchens richtig dämlich an. Die Hähnchen lagen fertig gegart in einer Theke zum warmhalten. Ich versuchte mir vom Fleischer eines geben zu lassen. Er antwortete mir auf französisch und schaute zum Personal an der Fischtheke. Also fragte ich dort ebenfalls, wobei ich nicht verstand, warum das Hähnchen zum Fisch zählen sollte. Auch dort bekam ich wieder eine französische Antwort, die ich nicht verstand. Also fragte ich noch einmal den Fleischer und dann kapierte ich es endlich. Die Hähnchen lagen dort einfach zum selbst wegnehmen. Für mich lagen sie hinter einer Glasscheibe, aber dort war einfach keine. Hatte ich nicht gesehen. Oh mann…

Ansonsten kaufte ich mir das übliche Zeug. Eine Cola, eine kleine Flasche Wein und ein paar Vorräte für den folgenden Tag. Frühstück sollte es wieder im Hotel geben. Als ich dann wieder in meinem Zimmer war, war ich einfach nur glücklich. Glücklich die 180km im Regen geschafft zu haben. Hatte ich vorher so noch nicht gemacht und war am Ende auch gar nicht so schlimm. Aber ohne die beiden Pfirsiche vom Vortag …

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