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Viel Meer Flüsse 01 – Berlin – Straßburg – Meine Frankreich Reise beginnt

Viel Meer Flüsse 01 – Berlin – Straßburg – Meine Frankreich Reise beginnt

    Die „große Tour“ für dieses Jahr stand bis zuletzt auf wackeligen Füßen. Bereits letztes Jahr zu Weihnachten beschloss ich nach Frankreich zu fahren. Ich wollte dort eine große Schleife fahren, fast ausschließlich an Flüssen und Kanälen entlang. Terminlich hatte ich mir, ja schon fast traditionsbedingt, Pfingsten ausgesucht. Aber auch eine August Variante in Erwägung gezogen, sozusagen als Corona Backup. Nun ja Pfingsten waren die Grenze nicht passierbar und im Juli überrollte uns die Delta Variante. So stand dann auch der Backup Termin auf der Kippe.

    Da ich die Bahnfahrkarte nach Karlsruhe und zurück bereits gekauft hatte, plante ich eine Woche vor Abfahrt eine „Notfallvariante“ bei der ich in Deutschland geblieben wäre. Ich steckte da unwahrscheinlich viel Arbeit rein. Die Woche war richtig stressig. Und nebenher zermarterte ich mir den Kopf: „Fahre ich Frankreich, fahre ich nicht, fahre ich …“ Es war ein ständiges auf und nieder. 2 Tage vor der Abfahrt zog ich dann allerdings einen Schlussstrich. Ich wollte, wie geplant, nach Frankreich.

    Abfahrt

    Nachdem ich vom letzten Arbeitstag nach Hause gekommen war, machte ich mich sofort daran mein Rad zu packen. Durch den Alternativplan hatte ich nur wenig Zeit dafür. So kramte ich fix die Sachen zusammen, die mir so einfielen. Zum Glück war das nicht meine erste große Radreise, so das ich auf Erfahrungen zurückgreifen konnte.

    Am Folgetag, gegen 7 Uhr, machte ich mich dann auf den Weg zum Bahnhof. Ich wollte die Strecke mit dem Rad zurücklegen. In den ersten Momenten fühlte es sich wie eine normale Bäckerrunde an. Aber das Rad fährt sich total ungewohnt. Ich war schon lange nicht mehr mit einem bepackten Rad unterwegs. Und trotzdem rief meine Frau mir bei der Abfahrt noch hinterher: „14 Tage ohne Gepäck. Du bist verrückt.“ Ich grübelte noch einige Zeit darüber nach. Hatte ich alles wichtige eingesteckt? Aber es war nun ja eh zu spät.

    Bahnfahrt

    Über die Bahnfahrt nach Karlsruhe gibt es nicht all zu viel zu berichten. Außer das ich ziemlich aufgeregt war. Es war das erste Mal, das ich in einem ICE reiste. Bammel hatte ich vor dem Umstieg in Frankfurt. Meine Sorge: Verspätung, verpasster Anschlusszug. Es klappte aber alles. Im ICE ab Frankfurt nach Karlsruhe war ich allerdings etwas verwundert, da dieser mehrere Male an kleinen Bahnhöfen hielt. Der erste Zug nach Frankfurt fuhr dagegen fast ohne Zwischenhalt durch.

    Radfahrt

    In Karlsruhe stieg ich direkt aufs Rad. Das Hotel hatte ich bereits von Berlin aus gebucht. Bis nach Straßburg wollte ich kommen. Knapp 100km Strecke standen auf dem Plan. Durch einen Fehler hatte ich mich selbst unter Zeitdruck gesetzt. Die Rezeption vom Hotel war nur bis 19 Uhr offen. Dies hatte ich erst in der Buchungsbestätigung gesehen. Es bestand zwar die Möglichkeit zum Late-CheckIn per Hotelsafe, aber ich musste ja noch klären, wo mein Rad stehen sollte. Eigentlich kein so schöner Start, da ich recht häufig, die ungefähre Ankunftszeit überschlug. Im Kopf schwirrten ständig irgendwelche Zahlen umher.

    Ich fuhr in Richtung Nordwesten. Karlsruhe war schnell verlassen. Das erste kleine Ziel war der Rhein. Da ich mich nicht von einer Fähre abhängig machen wollte, nahm ich die erste Brücke, die ich auf der Karte fand. Eine sehr hässliche Brücke. Der Radweg direkt neben einer stark befahrenden Autobahn. Bei der Planung hatte ich mir das irgendwie schöner vorgestellt. Aber ich war ja eh mit meinen Zahlen beschäftigt.

    Mein erster Blick auf den Rhein.jpg

    Nach der Brücke folgte ich dem Rhein in Richtung Süden. Nicht mehr neben der Autobahn, sondern auf schönen Radwegen. Diese führten durch die Auen des Rheins. Die Spuren des letzten Hochwassers konnte ich noch erkennen. Die Stämme der Bäume, die Sträucher, ja selbst das Schilf war im unteren Bereich richtig verschlammt. In meinem Kopf schwirrten schon wieder Zahlen umher. Jetzt allerdings nicht mehr meine Strecke und meine Ankunftszeit. Ich versuchte auszurechnen, wie viel Wasser wohl auf eine solche Aue passt.

    Am Rheinufer.jpg

    Ich erreichte mein zweites Miniziel. Frankreich. Der östlichste Punkt von Frankreich. Aber auch hier war ich wieder ein klein wenig enttäuscht. Für mich ging es auf einen Radweg nach Frankreich. Kein Grenzübergang. Ja nicht einmal ein richtiges Schild stand dort. Dafür hielt ich dann, ein paar hundert Meter später, kurz an einer Informationstafel über das Radwegnetz im Elsass, an.

    Schild kurz nach dem Grenzübergang.jpg

    Ich hatte genug von den Zahlen in meinem Kopf und rief beim Hotel in Straßburg an. Gleich am ersten Tag, das erste Telefonat auf Englisch. Eigentlich wollte ich dies ja vermeiden, aber man wächst ja mit seinen Aufgaben. Ich teilte der netten Dame mit, das ich es möglicherweise nicht bis 19 Uhr schaffen würde und fragte wohin ich mit meinem Rad sollte. Sie schickte mir den Code für den Hotelsafe, in dem mein Schlüssel lag per Mail und mein Rad durfte ich mit aufs Zimmer nehmen. Perfekt. Der Druck war weg.

    Ich ließ es nun richtig ruhig angehen. Genoss das schöne Wetter und den tollen Blick auf den Schwarzwald. Ich war nun zwar nicht mehr direkt am Rhein und auch nicht mehr in den Rheinauen unterwegs, aber mir fiel eine unwahrscheinlich große Anzahl von Störchen auf. Ehrlich gesagt hatte ich noch nie so viele Störche auf einen Haufen gesehen. An mehreren Stellen standen Gruppen von 20-30 Tiere auf den Feldern neben der Straße.

    Störche.jpg

    Mein Rad an der Ill.jpg

    Kurz darauf erreichte ich auch bereits Straßburg. Eine tolle Stadt mit sehr schöner Radinfrastruktur. Radfahren machte mir dort richtig Spaß. Mein Hotel lag im Süden der Stadt. Ich musste also einmal quer hindurch fahren und trotzdem stand ich genau 5 Minuten vor 19 Uhr vor dem Hotel.

    Hotel

    So lernte ich die nette Dame, mit der ich telefoniert hatte, doch noch persönlich kennen. Da mein Schlüssel bereits im Tresor lag, war der Checkin völlig unkompliziert. Ich konnte quasi fast direkt auf mein Zimmer. Ein recht einfaches Zimmer, mit kleiner Küchenzeile. Alles sauber. Ich war damit sehr zufrieden.

    Ohne Umwege machte ich mich auf den Weg in den naheliegenden kleinen Supermarkt. Dort wollte ich mir etwas zum Abendessen kaufen. War aber etwas voreilig und schaute nicht nach wie die Küche in meinem Zimmer ausgestattet war. An Fertigessen aus der Dose traute ich mich nicht heran. Hatte ja keine Ahnung, ob es in meinem Zimmer einen Dosenöffner gab. Beim Wein war ich mutiger. Eine kleine Flasche. Korkenzieher wird schon da sein. Falsch gedacht. Ich hatte einen Dosenöffner, aber keinen Korkenzieher.

    Da saß ich nun mit meiner Flasche Wein. Bewaffnet mit Messer und Multitool. Gedanklich legte ich mir schon Ausreden zurecht: „Sorry meine Tour ist nach nicht einmal 100 Kilometer durch das Öffnen einer Weinflasche vorzeitig beendet. Ich habe mir mit einem Messer ins Bein gestochen.“ Schlussendlich schaffte ich es aber doch ohne Unfall den Korken in die Flasche zu drücken. Der Kampf dauerte auch nur knapp 10 Minuten.

    Hotelverpflegung :-).jpg

    Zu meiner Überraschung stellte ich fest, das ich noch einen deutschen Sender im TV hatte. RTL. Es lief „Alle gegen Jauch“. Eine absolut bescheuerte Sendung. Ich schaute sie trotzdem und trank dabei meinen hart erkämpften französischen Wein.

    Blick aus dem Hotelzimmer.jpg

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