35 unterschätzte Kilometer

35 unterschätzte Kilometer

Frühlingszeit heißt Klassikerzeit. Zumindest bei den Picos. Sven ist da unser Experte. Er hat sich die Mühe gemacht eine ganze Reihe von Tracks zusammenzustellen, die alle mehr oder weniger auf alten Ein-Tages-Radrennen basieren. Sven: Danke dafür. Normalerweise werden die Tracks dann in der Gruppe zusammen unter die Räder genommen. Ging in diesem Jahr natürlich nicht. Also jeder für sich allein oder eben in Kleinstgruppen. Eben so wie die aktuellen Regeln es zuließen.

Zu meinem ersten Frühjahrsklassiker im Picos-Trikot verabredete ich mich mit Anne und Stefan. Dwars door Oderland (Berlin – Bad Freienwalde – Berlin) stand auf dem Plan. Ich wusste, das circa 35 Kilometer Kopfsteinpflaster auf mich warteten. Machte mir darüber aber nicht wirklich Gedanken. Bisher hatte ich nie Probleme mit Pflaster und eigentlich ließen sich die Passagen auch fast immer umfahren. Gehweg, Seitenstreifen oder was auch immer. Ich freute mich auf einen schönen Tag.

 Dwars door Oderland.jpg

Der Startpunkt lag direkt auf dem Kienberg in Marzahn. Für mich eigentlich recht ungünstig, da ich dort erst einmal mit dem Rad irgendwie hinkommen musste. Aber was solls … ein paar Zusatzkilometer. Ich holte Anne und Stefan direkt zu Hause ab und besucht gleich den ersten Ort, den ich noch nicht kannte. Ihr Wohnzimmer. 😀 Zusammen rollten wir dann zum Kienberg.

Auch dort war ich ehrlich gesagt noch nie. Zumindest mit dem Fahrrad. Einmal war ich bereits oben auf der Aussichtsplattform. Zu Fuß, während der internationalen Gartenschau mit gebrochenem Schlüsselbein. Lang ist es her.

Oben auf dem Kienberg machten wir die erste kleine Pause. Einmal die Aussicht über Berlin genießen. Wir trafen auf einen weiteren Radfahrer, der uns auch direkt ansprach und fragte, ob wir die Los Picos Runde fahren wollten. Stefan erklärte kurz das wir zu Los Picos gehören und fragte den Radfahrer, ob er denn gerne Kopfsteinpflaster fährt. Da er nicht wirklich ja sagte, bin ich mir mit dem Wissen von heute sicher, das er nie wieder einen Los Picos Track fahren wird. Das Pflaster muss man echt mögen …

Wir wünschten dem Radfahrer viel Spaß und fuhren als erstes den Kienberg wieder hinunter. Raus aus der Stadt. Knapp hinter der Stadtgrenze dann schon die nächste Pause. Stefan entdecke auf einem Feld ein weißes Reh, welches er gerne fotografieren wollte. Viel spannender fand ich allerdings den Panda, der durchs Unterholz streifte. Aber da beides scheue Tiere waren und relativ weit weg, gibt es leider kein Foto zum Zeigen.

Irgendwo in Brandenburg.jpg

Es folgten erste kleine Kopfsteinpflasterpassagen. Die mit den eckigen Steinen, die sich noch fast wie Asphalt fahren lassen. Ich scherzte, ob das nun bereits die 35km waren. Kurz darauf gab es aber bereits die ersten Verluste zu beklagen. Bei Annes neuem Rad löste sich der Sattel und rutschte nach unten. Bikefitter Stefan korrigierte dieses Problem aber gekonnt. Mit Stop&Go-Methode. Höhe eingestellt, 50 Meter Probe gefahren, zu Hoch, neue Höhe eingestellt, wieder 50 Meter Probe gefahren. Nach einer Handvoll Versuche geht es wieder richtig weiter. Währenddessen bemerke ich, das sich einer meiner Flaschenhalter gelöst hatte. Also schraubte ich ihn wieder fest, Zeit war ja genug.

Schiffshebewerk Finowfurt.jpg

Über die weitere Strecke gibt es nur wenig zu berichten. Es geht unspektakulär über Landstraßen, vorbei am Schiffshebewerk Niederfinow. Größtenteils auf Asphalt und auch schon von anderen Touren bekannt. Aber dann kurz nach dem Schiffshebewerk bogen wir links ab. Berg auf, aber noch auf gutem Untergrund. Dieser wechselt dann: Berg mit Kopfsteinpflaster. Und zumindest das Pflaster sollte uns die nächsten 10 km erhalten bleiben. Teils war der Weg verschlammt. Die Waldarbeiter waren mit ihren Holzerntemaschinen fleißig.

Eines der Kopfsteinpflaster-Passagen.jpg

Kurz vor dem Kloster Chorin dann die nächsten Verluste. Mir rissen beide Kabelbinder mit der ich meine Lenkertasche am Lenker befestigt hatte. Zum Glück war ich aber vorbereitet und hatte Reserve dabei. Auch Annes Sattel löste sich auf dem Pflaster wieder. Mittlerweile war sie aber so genervt, das sie sich mit einer ungefähr stimmigen Sitzhöhe zufrieden gab, da sich der Sattel wahrscheinlich eh wieder lösen würde.

Kloster Chorin.jpg

Auflieger auf Kopfsteinpflaster? Bringen nur bedingt Vorteile.jpg

In Bad Freienwalde folgte der „Bäckergate“-Skandal. Stefan war nicht nur der Bikefitter der Tour, sondern auch der Reiseleiter und für die Pausenpunkte zuständig. An dem einzig geöffneten Bäcker der Stadt fuhren wir aber vorbei, da Stefan der Meinung war, das gleich noch einer kommen würde. Kam aber nicht. So kamen wir unfreiwillig zu einer Stadtrundfahrt und fuhren schlussendlich doch wieder zurück. Die Stimmung lag am Boden. In der Pause kam noch dazu, das meine Frau Probleme mit Paypal hatte, aber ich ihr von unterwegs aus nicht wirklich helfen konnte.

Nach der Pause wurde es dann aber wieder schöner. Ein schmaler Weg im Wald, mäßiger Untergrund, leicht Bergauf… ich fühlte mich wie im Harz. Nur eben mitten in Brandenburg. Mir gefiel’s. Fühlte sich irgendwie wie im Urlaub an. Jedenfalls viel weiter von zu Hause entfernt, als es wirklich war.

Das obligatorische Handschuhbild.jpg

Aber die 35 Kilometer hatten wir immer noch nicht geschafft. Nochmal Kopfsteinpflaster. Auch wieder ansteigend. Ohne Ausweichmöglichkeiten. Und dazu auch noch leicht feucht. Es war jedenfalls so schwer zu fahren, das mein Hinterrad sich ein paar mal durchdrehte. Kein Grip. Ich fühlte mich unsicher und schlapp und muss an dieser Stelle ehrlich zugeben, das mich das Pflaster ganz schön belastete. Ich hatte es definitiv unterschätzt.

Es war aber nicht mehr weit bis Berlin und eigentlich stand kein weiteres Kopfsteinpflaster mehr auf dem Plan. Ein weiterer Feldweg kam dann allerdings doch noch. Meine Stimmung war mittlerweile aber wieder so gut, das mir das dann auch ziemlich egal war.

Anne und Stefan beschlossen, nicht wieder zurück zum Kienberg zu fahren. Sie wollten auf direktem Weg nach Hause. Ich hatte nichts dagegen und fuhr dann über Erkner. Irgendwie war ich auch froh, das ich nicht noch einmal durch Köpenick fahren musste.

Mein Fazit zur Tour ist durchaus positiv. Der Track zeigte mir, wie schön doch die eigene Heimat ist und wie viele unentdeckte Fleckchen auf mich warten. Allerdings nur, wenn man die Zeit findet den Blick nicht auf das nächste Schlagloch zu richten. Danke Sven für den schönen Track und danke Anne, danke Stefan für den schönen Tag.

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