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RATN 2019: Das Gef├╝hl im Augenblick, ich glaube das ist Gl├╝ck

Ich entschied mich schnell f├╝r die Nachtfahrt. Den Beinen ging es gut. Ich war motiviert das Rennen zu Ende zu fahren und hatte auf Regen irgendwie so gar keine Lust. Zumindest nicht bei den Temperaturen. Bei einem warmen Sommerregen h├Ątte ich sicher meinen Spa├č gehabt. Aber bei 5-10 Grad mit durchn├Ąssten Sachen fahren ist nicht sch├Ân.

Maren tat sich mit der Entscheidung deutlich schwerer. In ihrem Kopf kreiste die noch viel zu gro├če Kilometerzahl. Da ich mich quasi entschieden hatte, sagte ich ihr, dass sie nun unseren weiteren Weg festlegen m├╝sse und dass ich, egal wie sie sich entscheiden w├╝rde, mitziehen w├╝rde. Unbeabsichtigterweise setzte ich sie damit noch mehr unter Druck. Sorry daf├╝r, aber ehrlich gesagt sah ich auch keinen anderen Weg. Wir brauchten eine L├Âsung, die wir beide mittragen wollten.

Nach einigen stillen Minuten entschied sich Maren dann f├╝r die Nachtfahrt und wir schmiedeten einen Plan. Wir wollten uns unterwegs etwas Zus├Ątzliches zum Anziehen kaufen, damit wir mit der erwarteten niedrigen Temperatur klar kommen w├╝rden. Au├čerdem wollten wir Lebensmittel einkaufen und in den Rucks├Ącken transportieren, denn es gibt in den Niederlanden keine Nachttankstellen. Und wir wollten uns die Zeit nehmen, um in einem Restaurant zu essen und dort gleichzeitig unsere Akkus laden.

Ein paar Kilometer sp├Ąter aber das n├Ąchste Malheur. Maren verlor eine ihrer Trinkflaschen und als sie sie wieder aufheben wollte, bemerkte sie, dass ihr Halter am Sattel gebrochen war. Zus├Ątzlich zu den eh schon vorhandenen Zweifeln war das f├╝r Maren ein weiterer Schlag ins Gesicht. Ich versuchte die Situation so schnell wie m├Âglich zu entsch├Ąrfen. Ich packte eine meiner beiden Werkzeugboxen in den Rucksack. In den dann freien Flaschenhalter kam Marens Trinkflasche und den gebrochenen Halter band ich oben auf meiner Satteltasche fest. Es konnte weiter gehen. Im Wiegetritt konnte dann allerdings nur noch einer von uns beiden fahren. Aber die Berge lagen ja zum Gl├╝ck hinter uns.

Im n├Ąchsten gr├Â├čeren Ort fuhren wir an einem Einkaufzentrum vorbei. Maren verschwand dort in einem Klamottenladen und ich wartete in der Passage. Bzw. ich wolle es. Denn kaum stand ich da, wurde ich vom Sicherheitspersonal rausgeschmissen. Drau├čen sollte es doch prima Fahrradst├Ąnder geben. Ich war etwas sauer. Jeder dreckige Kinderwagen darf ├╝berall hin, aber die sauberen Rennr├Ąder, die ein halbes Verm├Âgen kosten, sollten drau├čen unbewacht im Dreck stehen. Aber egal: In dem Laden gab es eh nichts.

Gleich nebenan war ein weiterer Laden und dort wurde Maren f├╝ndig. Sie kaufte 2 Oberteile. Eins in Pink und eins in Grau. Als sie wieder aus dem Laden kam, wollte sie mir das in Pink geben und ich griff ohne zu z├Âgern zu. Ich hatte ja im Vorfeld eh gesagt, dass ich ab Tag 3 mit Marens Nagellack fahren werde. Aber schlussendlich war dann doch das Graue f├╝r mich. War aber trotzdem aus der Frauenabteilung. Ich fand es irre witzig, dass ich auf dem Zielfoto ein Frauenoberteil tragen w├╝rde.

Auch den Einkauf im Supermarkt erledigten wir gleich mit. W├Ąhrend Maren am Einkaufen war, checkte ich auf der Karte die gr├Â├čeren Ortschaften, die noch vor uns lagen. Ich war auf der Suche nach einem Restaurant, welches m├Âglichst lange offen hatte. Wir wollten n├Ąmlich das verbleibende Tageslicht so gut wie m├Âglich zum Radfahren nutzen. Ich fand in Roermond 2 Restaurants und einen Schnellimbiss, die jeweils bis 23 Uhr ge├Âffnet hatten. Das sollte passen.

Als wir dann weiter fuhren hatte ich nur die verbleibenden Kilometer bis zum Essen im Sinn. Ich wollte unbedingt in eines der beiden Restaurants. Ich hatte die Bef├╝rchtung, dass sie zwar lange genug auf hatten, aber eventuell eine Stunde vorher K├╝chenschluss haben w├╝rden. Wir beeilten uns also. Die vor uns liegende Nachtfahrt hatte ich komplett ausgeblendet. F├╝r mich war das Ziel Restaurant vergleichbar mit den Hotels an den Vortagen.

Wir erreichten Roermond p├╝nktlich. Entschieden uns dann allerdings daf├╝r, ganz wo anders zu essen. Der Laden sah, wie einer der vielen D├Âner L├Ąden in Berlin aus. Es lief Fu├čball im TV. Maren ging als erstes in den Laden um zu fragen, wie lange sie auf h├Ątten und ob wir unsere Akkus laden k├Ânnten. Dabei fiel ihr nicht ein, was Steckdose auf Englisch hie├č. Also lief sie hinter den Tresen, um auf eine Steckdose zu zeigen. Von drau├čen sah es so aus, als ob sie dort ihr Essen selbst kochen wollte.

Wir konnten unsere Akkus laden und der Laden war auch noch lange genug ge├Âffnet. Also blieben wir dort. Maren bestellte sich eine Pizza und ich entschied mich f├╝r Rippchen und einen Salat. Als ich dann mein Essen bekam war ich total begeistert. So gute Rippchen hatte ich noch nie. Im Nachhinein habe ich noch einmal bei Google Maps geschaut, wo wir dort eigentlich genau gewesen waren und dort in den Bewertungen gelesen, dass es dort die wohl besten Rippchen der Region gibt. Mittlerweile spiele ich auch mit dem Gedanken, ob man nicht mal von Berlin aus dort zum Rippchen essen hin radelt.

W├Ąhrend des Essens schrieb ich mit meiner Frau in einem Gruppenchat, den wir eigens f├╝r RATN angelegt hatten. Sie hatte auf der Trackingseite bereits entdeckt, wo wir a├čen und wollte wissen, ob wir direkt im Hotel nebenan ├╝bernachten werden oder ob wir weiter fahren wollten. Ich teilte ihr mit, dass wir bis zum Ziel weiterfahren werden. Anschlie├čend war im Gruppenchat die H├Âlle los. Alle unsere Freunde w├╝nschten uns viel Gl├╝ck und machten uns Mut. Einzig meine Frau hatte Angst, dass uns in der Nacht etwas passieren k├Ânnte. Ich versuchte sie so gut ich konnte zu beruhigen, was jedoch nicht so recht klappte. Es war aber auch nicht das erste Mal, dass ich in der Nacht Radfahren wollte.

Gegen 23 Uhr machten wir uns dann auf den Weg. Auf die letzten verbleibenden 160 Kilometer. Pl├Âtzlich h├Ârte sich die Zahl auch nicht mehr so riesig an. Auch f├╝r Maren war nun alles okay.

Eine Nachtfahrt ist eigentlich immer etwas ganz besonderes, da man dies in der Regel nicht so h├Ąufig macht. Auch wenn man deutlich weniger Licht zur Verf├╝gung hat, so kann man in der Nacht einiges entdecken. Am offensichtlichsten sind da nat├╝rlich die beleuchteten St├Ądte. Vor allem die Sehensw├╝rdigkeiten (Kirchen, T├╝rme, Burgen, Schl├Âsser) sind in der Nacht oft h├╝bsch anzusehen. Zwischen den Ortschaften kann man den Sternenhimmel bewundern. Die Milchstra├če, die vielen Sterne und nat├╝rlich auch den Mond. Und auch ohne Augen kann man in der Dunkelheit sehen. Zum Beispiel kann man Temperaturunterschiede f├╝hlen, wenn man sich gerade in der N├Ąhe eines Gew├Ąssers befindet. St├Ądte sind dagegen immer etwas w├Ąrmer.

Nach etwa 30 Kilometern machten wir eine erste kleine Pause hinter einem Autohaus. Wir a├čen und tranken etwas von unseren Sachen, die Maren im Supermarkt gekauft hatte. Wir veranstalteten quasi unser erstes Zimmerpicknick ohne Zimmer.

Meiner Frau schickte ich eine kurze Statusmeldung und bekam als Antwort einen Screenshot von der Tracking Seite zugeschickt. Darauf war zu sehen, dass Patrick nur wenige Meter weiter sein Nachtlager aufgeschlagen hatte. Wir konnten uns so gar nicht vorstellen bei den Temperaturen drau├čen zu schlafen.

Wir machen Pause, Patrick schl├Ąft

Ein weiterer Screenshot zeigte uns, dass sich etwa 10 Kilometer vor uns das Team befand, welches wir am Vortag nach dem Kabel gefragt hatten. Wir hatten irgendwie Lust sie einzuholen. Der Abstand war allerdings doch recht gro├č.

Als wir wieder weiter fuhren war uns beiden dann so richtig kalt. Es war noch viel unangenehmer als vor der Pause. Wir machten das einzig sinnvolle in der Situation. Wir fuhren einfach schneller. Da eh keine Autos mehr unterwegs waren ignorierten wir die Radwege. Dadurch wurde es dann schnell w├Ąrmer. Viel w├Ąrmer. Ich fand meinen Flow wieder. Ziel war es nun doch, das andere Team einzuholen.

Was wir allerdings nicht wussten war, dass die Position auf der Karte etwa 2 Stunden alt gewesen war. Sie zeigte die letzte bekannte Position des Teams, bevor ihr Tracker ausfiel. Sie hatten ja kein Kabel. Damit waren sie in Wirklichkeit etwa 50 Kilometer vor uns. Unm├Âglich einzuholen.

Wieder etwa 30 Kilometer sp├Ąter machten wir eine n├Ąchste Pause. A├čen erneut etwas. Und wieder war es nach der Pause bitterkalt. Ab dem Zeitpunkt wollten wir dann keine weiteren Pausen mehr machen, aber ohne ging es leider auch nicht. Wir waren einfach zu ersch├Âpft um den Rest der Strecke durch zu fahren. Und au├čerdem musste das oben rein gef├╝llte Wasser auch wieder entsorgt werden. Wir mussten wohl oder ├╝bel ab und zu frieren.

Langsam machte sich zus├Ątzlich auch die M├╝digkeit breit. Sie wiederum sorgte f├╝r zus├Ątzliche K├Ąlte. Ein Teufelskreis. Die letzten Kilometer zum Ziel wollten einfach nicht weniger werden. Einziger Trost war, das es langsam wieder hell wurde und damit auch wieder w├Ąrmer. Wir machen eine letzte Pause. Auch wenn ich nicht sonderlich gut aussehe, ein wenig eitel bin ich dann doch. Ich zog meine Warnweste aus. Diese wollte ich auf keinn Fall auf dem Zielfoto haben. Da war es wieder mein Problem mit der Farbe Rot. Die gelbe Weste passte einfach nicht zum Rest.

Als ich dann das Ortsschild von Amerongen sehen konnte, tauchten auf meinen Schultern ein Engelchen und ein Teufelchen auf. Der Teufel fragte mich, ob ich mir jetzt nicht das Ortsschild holen sollte. Rafal hatte mir schlie├člich eingebl├Ąut, das die letzten Ortsschilder der Tour die wichtigsten seien. Der Engel erinnerte mich daran, dass wir eigentlich abgemacht hatten, gemeinsam und gleichzeitig in den Ort zu rollen. Und w├Ąhrend ich mich mit dem Engelchen und Teufelchen unterhielt, passierte genau das, was man in jedem guten Film an der Stelle erwarten w├╝rde. Es ├╝berholte uns eine Oma mit ihrem E-Bike und holte sich das Ortsschild.

Kurz darauf erreichten wir das Ziel. Der Platz vor dem Cafe war total leer. Niemand war zu sehen. Als wir dichter kamen, sahen wir wie eine Person mit Fotoapparat vor die T├╝r kam. Ich f├╝hlte mich leer. Konnte gar nicht verarbeiten, dass dies das Ziel unserer Tour sein sollte. Innerlich stellte ich mir den Platz vor einer Woche vor: all die Radfahrer, die Aufregung, das wilde Treiben. Alles war weg. Ich drehte noch 2 kleine einsame Runden auf dem Platz, stieg dann vom Rad und umarmte Maren. Wir hatten es geschafft.

W├Ąhrend dessen machte die Fotografin Fotos von uns. Sie bot uns ein Zielbier oder einen Kaffee an. Wir entschieden uns f├╝r das Bier. Anschlie├čen sa├čen wir mit der Fotografin am Tisch und unterhielten uns. Naja Maren unterhielt sich. Ich war irgendwie immer noch damit besch├Ąftigt meine Gedanken zu sortieren.

Nach und nach kamen andere Fahrer ins Cafe. Es waren die Fahrer, die in der Nacht das Ziel erreichten. Sie hatten sich wohl in dem Raum, in dem vor einer Woche das B├╝ffet aufgebaut war, f├╝r ein paar Stunden ausgeruht. Sebastian war da und auch das Team, welches wir nach dem USB-Kabel gefragt hatten.

Als ich auf dem Weg zum WC war sprach Jack mich an: „Ihr ward am ersten Tag ganz sch├Ân schnell unterwegs. Habt aber auch sehr viele Pausen gemacht.“ Ich sagte ihm, dass wir die ganze Zeit so gefahren seien. Unser Ziel war es Spa├č zu haben und ich denke, dass es uns ganz gut gelungen ist. Die Tour war toll. Direkt im Cafe war f├╝r mich klar, dass ich so etwas noch einmal machen m├Âchte.

Wir buchten uns wieder ein Zimmer in dem Hotel, in dem wir bereits die Nacht vor dem Start verbracht hatten und fragten nach, ob wir auch gleich ins Zimmer k├Ânnten. Man versprach uns, dass dies ab 10 Uhr m├Âglich sein sollte. Wir machten uns auf dem Weg. Kauften unterwegs noch einmal f├╝r ein letztes und zur Feier des Tages besonders ├╝ppiges Zimmerpicknick ein.

Im Hotel gab es dann die b├Âse ├ťberraschung. Der vorherige Gast hatte noch nicht ausgecheckt. Wir durften allerdings in eine Art Gemeinschaftsk├╝che. Dort wollten wir essen. Maren packte erst einmal alles was sie eingekauft hatte auf den Tisch. Eine nette Dame vom Hotel brachte uns noch einen Wasserkocher und eine kleine Kaffeemaschine. Als sie den Berg Essen auf dem Tisch sah verdrehte sie die Augen.

Als ich ein klein wenig gegessen hatte, rief ich dann meine Frau an. Berichtete ihr, dass wir nun im Ziel seien und dass wir gleich schlafen gehen wollten. W├Ąhrend dessen a├č Maren munter weiter. Mit jeder weiteren Frage meiner Frau wuchs meine Angst vom Essen nichts mehr ab zubekommen. Maren am├╝sierte sich dar├╝ber .

Dann konnten wir endlich ins Zimmer. Schnell duschen und dann nur noch schlafen. Am Abend gingen wir noch einmal zum Essen in ein Restaurant und danach direkt wieder schlafen.

Am n├Ąchsten Morgen fragte ich Maren wieder: „Und was machen wir heute?“ – Ihre Antwort war vorauszusehen. „Eine kleine Radtour!“ Also stiegen wir auf unsere R├Ąder und radelten in Richtung Heimat.

Strava – Ich: https://www.strava.com/activities/2350699199

Strava – Maren: https://www.strava.com/activities/2350705936

RATN 2019: Weil ich es will, tanze T├Ąler ├╝ber Berge!

Am Morgen lief ich ganz vorsichtig und im Schongang durchs Haus, weil ich Schmerzen in den Knien erwartete. Aber da war nichts. Es ging meinen Knien zum Gl├╝ck wirklich wieder besser. Ich fragte Maren, was wir denn heute sch├Ânes machen w├╝rden. Sie antwortete: „Eine kleine Radtour?“ Ich war guter Dinge. Hatte richtig Lust auf den n├Ąchsten Abschnitt.

Trotzdem lie├čen wir es ruhig angehen und gingen erst einmal zum Fr├╝hst├╝ck in ein benachbartes Haus. Der Tisch war nur f├╝r uns beide gedeckt und dazu ein kleines B├╝ffet aufgebaut. Au├čerdem stand an jedem Platz eine kleine Schale Quark. Nach dem Dilemma mit dem Vla traute ich mich da allerdings nicht ran. Maren lie├č meine Portion allerdings nicht verkommen.

Irgendwie tat es gut, nach so langer Zeit mal wieder richtig Fr├╝hst├╝ck zu essen. Wir kamen dadurch zwar etwas sp├Ąter los, aber die erste Pause konnte so eigentlich ganz ausfallen. Nur gep├Ącktechnisch hatten wir ein Problem: Durch den Rotwein vom Vorabend hatten wir unsere gekauften Getr├Ąnke nicht anger├╝hrt. So wanderten die Cola und Bierdosen in meine Lenkertasche. Zus├Ątzliches Gewicht f├╝r die Berge. Wahrscheinlich war das auch gut so, damit das Vorderrad auch in den steilen Passagen nicht den Kontakt zum Boden verlieren w├╝rde. Es warteten so richtig fiese Rampen auf uns.

Wir fuhren nicht wieder durch den Wald. Es war nun zwar hell, aber noch einmal hatten wir darauf keine Lust. Wir kehrten auf asphaltiertem Weg zum Track zur├╝ck. Allerdings verpassten wir so etwa 2 Kilometer. Irgendwie war es uns zu bl├Âde, 2 Kilometer hin und her zu fahren, um die L├╝cke korrekt zu schlie├čen. F├╝r uns war dadurch nun zumindest ein Teil des „USB-Kabel-Umwegs“ wieder ausgeglichen.

An dem Teil der Strecke war auch nichts Besonderes. Es ging ├╝ber Radwege oder kleine landwirtschaftlich genutzte Stra├čen in Richtung Osten. Wir fuhren sogar ein kurzes St├╝ck in Belgien. Alles sah irgendwie gleich aus. Ein Dorf glich dem n├Ąchsten. Dazwischen die gleichen Felder. Das einzige was mir auffiel, war dass die Autofahrer hier im S├╝den irgendwie rasanter unterwegs waren. Nicht so gem├╝tlich wie in den letzten Tagen.

Unsere erste Pause machten wir wieder auf so einer kleinen Br├╝cke, die direkt neben dem Weg lag. Wie zwei Tage zuvor setzte ich mich auch wieder auf den Boden. Diesmal gab es Kekse und Cola. Ich fand es wieder mega sch├Ân dort. Nur ein paar Schritte von der Br├╝cke entfernt hatte man einen wundersch├Ânen Blick auf das letzte Dorf, welches wir durchquert hatten. W├Ąren wir dort einfach nur vorbei gefahren, h├Ątte ich die Sch├Ânheit des Ortes wohl gar nicht wahrgenommen. Schon komisch, das es manchmal nur 3 Schritte neben dem Weg total anders aussieht.

Pause

Im Vorfeld der Tour hatte eine Teilnehmerin eine Baustelle auf dem Track entdeckt. Es fehlte eine Br├╝cke und musste daher umfahren werden. Ed Bos hatte daf├╝r bereits einen Routenvorschlag in die Facebook Gruppe gepostet und daf├╝r Kritik einstecken m├╝ssen. Einige Fahrer waren der Ansicht, dass dadurch das Abenteuer kaputt gemacht wird. Mir pers├Ânlich war das egal. Allerdings war ich auch zu faul, den Track noch einmal anzupassen. Also fielen wir auf die fehlende Br├╝cke herein, fuhren in die Sackgasse, drehten um und folgten dann der ausgeschilderten Umleitung. Oh was ein Abenteuer.

Kurz darauf erreichten wir die ersten Berge. Diesmal sprach ich allerdings mit Maren ab, dass ich den ersten Berg in meinem Tempo fahren wollte. Ich wollte nicht wieder ├ärger wegen irgendeiner Halb-Profimannschaft. Ich fuhr im Wiegetritt und war recht schnell alleine. Oben wartete ich dann auf Maren. Berg ab dann das umgekehrte Bild. Maren vorne weg und ich langsam wie ein M├Ądchen hinterher.

Wir machten unsere n├Ąchste Pause in einer kleinen Auffahrt, die ein Bauer wahrscheinlich nutzte, um auf seine Felder zu gelangen. Mir fiel sofort auf, dass dort links und rechts neben dem Weg viel Minze wuchs. Mein erster Gedanke war: „Nun nach einer Woche auf dem Rad muss ich nun endlich nicht mehr stinken.“ Ich wollte mir Minze ins Trikot stecken. Maren warnte mich davor und meinte, dass ich davon bestimmt Ausschlag bekommen w├╝rde. Da ich am Vorabend meine Dummheit mit Google Maps perfekt bewiesen hatte, h├Ârte ich diesmal auf die weise Frau.

Die n├Ąchsten Berge, die wir erreichten waren wohl die bekanntesten der Region. Den Anfang machte der Cauberg in Valkenburg. Im steilsten Teilst├╝ck mit ├╝ber 10% Steigung. Dort mussten wir mit unserem Gep├Ąck das erste Mal richtig k├Ąmpfen.

Aber gegen den Keutenberg war der Cauberg dann doch eine leichte Kleinigkeit. Direkt vor dem Berg stand ein Verkehrsschild, das auf 22% Steigung hinwies. Wir waren so etwas steiles noch nie gefahren. Im Team fahren war hier nicht mehr m├Âglich. Jeder musste sich in seinem Tempo irgendwie da hochk├Ąmpfen. Was uns auch beiden gelang. Keiner von uns musste an diesem Berg vom Rad steigen.

Auf dem Weg zum n├Ąchsten Anstieg trafen wir den RATN-Teilnehmer Patrick. Wir fragten wie es ihm geht und kamen direkt ins Gespr├Ąch. Maren war so richtig in das Gespr├Ąch vertieft. Ich ermahnte sie: „Achtung Maren in etwa einem Kilometer kommt der n├Ąchste Berg“ Der Gulperberg lag direkt vor uns. Noch einmal zweistellige Steigungswerte. Wie auch bei den Bergen zuvor fuhr hier jeder sein Tempo.

Ich erreichte die Kuppe als Erster. Oben wurde ich von RATN-Fahrerin Susanne begr├╝├čt, die dort bereits seit 10 Minuten Pause machte. Nach einem kurzen „Hallo“ war dann Maren auch oben angekommen. Ich packte mein Handy aus um ein Foto zu machen. Und dann war auch Patrick da. So gab es oben auf dem Gulperberg ein spontanes RATN-Treffen von 4 Fahrern. Mit Gummib├Ąrchen zur St├Ąrkung.

RATN-Treffen

Es folgte noch ein letzter Anstieg, dessen Namen ich leider nicht kenne. Er f├╝hrte uns auf den h├Âchsten Punkt des gesamten RATN-Tracks. Die Steigung war moderat. Wir fuhren wieder als Team. Oben wollten wir eine Pause machen, die Aussicht genie├čen und auch ein Hotel f├╝r die Nacht klar machen.

Allerdings war die Bergkuppe komplett bewaldet. Es gab keine Aussicht. Also fuhren wir noch ein St├╝ckchen weiter, bis wir einen Rastplatz fanden. Dort tranken wir dann das Bier vom Vortag, welches ich tapfer ├╝ber die Berge gefahren hatte.

Auch mit dem Hotel war es nicht so einfach. Der Wetterbericht sagte f├╝r den folgenden Tag Dauerregen voraus. Ich stellte die Idee in den Raum: „Lass uns die Nacht durchfahren und morgen fr├╝h ohne nasse Klamotten das Ziel erreichen.“ Wir mussten uns entscheiden.

Ausblick bei der Entscheidungsfindung

RATN 2019: Und am Horizont leuchtet immer ein Turm

An diesem Tag ging es nun einmal quer durch Zeeland. In der N├Ąhe hatte ich meinen dritten und letzten Familienurlaub in den Niederlanden verbracht. Auch hier kannte ich mich also mehr oder weniger aus.

Das erste Highlight des Tages lie├č nicht lange auf sich warten. Wir fuhren ├╝ber das Oosterschelde-Sperrwerk. Links und rechts war das Meer zu sehen. Am Horizont konnte man den einen oder anderen Leuchtturm erkennen und der Wind wehte noch einmal direkt von vorne. Im Gegensatz zu den anderen Tagen war dies allerdings nicht so schlimm.

Leuchtturm voraus

Wir fuhren mit einem unwohlen Gef├╝hl, da unser Reservemantel am Vorabend an meinem Rad montiert wurde. Also beschlossen wir, so schnell wie m├Âglich einen neuen zu kaufen. Der erste Radladen, den ich fand, war leider ein Reinfall. Geschlossen. Bei dem n├Ąchsten hatten wir aber Gl├╝ck. Wir kauften einen neuen Mantel und auch einen neuen Schlauch. Au├čerdem hatten wir richtig gutes Timing. W├Ąhrend wir einkauften, zog n├Ąmlich ein Regenschauer durch. Als wir alles verpackt hatten, war es schon wieder trocken. Da hatte unsere Panne am Vortag nun doch etwas Gutes gehabt.

In Visslingen verlie├čen wir den Track um in das Zentrum der Stadt zu gelangen. Wir wollten dort das Ladekabel f├╝r unsere Tracker kaufen. Mein Wunschziel war der dortige HEMA, den ich aus dem Familienurlaub kannte. Ich erinnerte mich daran, dass es dort viele Kabel zu kaufen gab. Es gab auch in der Tat jede Menge Kabel, allerdings alle nur mit Micro-USB. Wir brauchten aber Mini-USB. Anschlie├čend fragten wir noch in 3 weiteren L├Ąden nach. Das Ergebnis war allerdings ├╝berall das gleiche. Nur Micro-USB, kein Mini-USB!

In der Zwischenzeit erhielt ich auch ├╝ber den Facebook Messenger eine Nachricht vom Veranstalter: „Ladet bitte eure Akkus!“ Wir hielten noch einmal und antworteten kurz, dass wir kein Kabel hatten und auch keines mit dem n├Âtigen Anschluss auftreiben konnten. Au├čerdem schrieben wir, dass wir nun erst einmal wieder Rad fahren wollten. Wir waren ja nicht zum Shoppen in Holland. Wir hatten noch immer die leise Hoffnung, dass hinter der n├Ąchsten Ecke jemand st├╝nde um den Tracker zu tauschen.

Eigentlich hatten wir ├╝berlegt, einen kleinen Abstecher nach Yeserke zu machen, um dort Muscheln zu essen. Aber irgendwie waren wir durch den ├ärger mit dem Kabel nicht in der Stimmung dazu. Stattdessen versuchten wir im n├Ąchsten gr├Â├čeren Ort erneut, das passende Kabel aufzutreiben. Aber auch dort hatten wir keinen Erfolg. So langsam wurde die Kabelsucherei echt nervig und dr├╝ckte auf die Stimmung.

Wir gaben die Suche nach dem Kabel auf. In der n├Ąchsten Pause, in der dringende Gesch├Ąfte erledigt werden mussten, hatte ich die Idee uns helfen zu lassen. Ich rief meine Frau an und Maren ihren Vater. Beide bekamen von uns die Aufgabe in der N├Ąhe des Tracks zu schauen, ob sie eventuell einen Laden finden w├╝rden, wo es ein Mini-USB-Kabel geben k├Ânnte.

Mein Rad von der falschen Seite

Wir waren noch am Telefonieren, da fuhr ein anderes RATN Team an uns vorbei. Ich rief zu Maren: „Beeil dich!“, denn ich wollte die beiden fragen, ob sie eventuell ein Kabel hatten und es uns leihen w├╝rden. Mittlerweile waren sie aber bereits am Horizont verschwunden. Wir fragten unsere Beine, was noch m├Âglich war und jagten den beiden mit knapp 40kmh hinterher. 2 D├Ârfer sp├Ąter hatten wir sie dann auch eingeholt. Allerdings hatten sie auch kein Kabel. Alles umsonst. Machte aber trotzdem Spa├č.

Mein Telefon klingelte. Es war meine Frau. Sie hatte einen Mediamarkt gefunden. Aber leider war dieser etwa 15 Kilometer vom Track entfernt. Wir wollten kein Risiko eingehen. Riefen dort also an und fragten, ob es das passende Kabel gab. 15 Minuten Warteschleife und Nachfragen beim Kollegen und Warteschleife und weiteres Nachfragen sp├Ąter erhielten wir ein klares „vielleicht“ als Antwort. Also fuhren wir weiter auf dem Track, denn das war uns dann doch zu unsicher, um einen 30 Kilometer Umweg zu riskieren.

Kurz vor Roosendaal klingelte das Telefon wieder. Diesmal war Marens Vater dran. Er hatte einen Technik-Laden gefunden, in dem es ein Mini-USB-Kabel geben sollte. Er hatte dort auch bereits angerufen und das Kabel zur├╝cklegen lassen. Der Anruf kam genau im richtigen Moment. Der Laden war etwa 5 Kilometer von uns entfernt. Wir nahmen die 10 Kilometer in Kauf und holten das Kabel.

Neben dem Technik-Laden machten wir dann direkt im Anschluss an den erfolgreichen Einkauf unsere Mittagspause. Ich war ├╝berrascht: Eine Pommesbude, bei der die Pommes noch frisch aus Kartoffeln hergestellt wurden. Direkt im Schaufenster. Irgendwie auch witzig. Das entsch├Ądigte uns zumindest ein wenig f├╝r die ausgefallenen Muscheln. W├Ąhrend wir a├čen, luden wir meinen Tracker auf.

Ich schrieb nochmal eine Nachricht an den Veranstalter. Teilte ihm mit, dass wir nun ein Kabel hatten. Aber auch, dass wir etwas entt├Ąuscht waren, dass das so schlecht organisiert wurde. Und dass wir dadurch viel Zeit vert├Ąndelt hatten und die Stimmung nicht wirklich gut war. Wir waren gespannt, ob wir darauf eine Antwort erhalten w├╝rden. Kurze Zeit sp├Ąter kam sie dann. Der Veranstalter entschuldigte sich. Erkl├Ąrte, dass die Tracker von einer externen Firma waren und dass er im n├Ąchsten Jahr einen anderen Anbieter w├Ąhlen wird. Au├čerdem w├╝nschte er uns ein erfolgreiches Finish.

Das legte zumindest bei mir im Kopf einen Schalter um. Ich fing an dar├╝ber nachzudenken, dass wir auf dem besten Weg waren das Rennen abzuschlie├čen. Es lagen nur noch 2 weitere komplette Tage vor uns. Ich rechnete mit einer Zielzeit von 7 Tagen + X Stunden. Da es mittlerweile schon wieder Richtung Nachmittag ging, buchten wir unser Hotel.

Die letzte gro├če Stadt, die wir an diesem Tag noch durchfuhren, war Baarle Hartog. Ein Kuriosum. Etwa die halbe Stadt geh├Ârt zu den Niederlanden, w├Ąhrend die andere H├Ąlfte in Belgien liegt. Die Stadt ist dabei aber nicht einfach in zwei Teile geteilt. Innerhalb des belgischen Teils gibt es kleine Bereiche, die zu den Niederlanden geh├Âren. Und nat├╝rlich auch umgekehrt. Das Ganze geht soweit, dass ein Haus zu beiden L├Ąndern geh├Âren kann. An den Hausnummern, die neben den T├╝ren angebracht waren, konnte man erkennen in welchem Land man gerade war.

Baarle Hartog

Da es schon recht sp├Ąt war, kauften wir dort im Jumbo-Supermarkt ein. Es lag zwar noch ein weiterer Supermarkt am Track, aber wir waren uns nicht sicher, ob wir ihn noch rechtzeitig erreichen w├╝rden. Die letzten Kilometer bis zum Hotel waren dann auch mehr als z├Ąh. Wir fuhren auf einem Radweg, direkt neben einer etwas gr├Â├čeren Stra├če. Immer geradeaus. Ab und zu nur unterbrochen von einem Kreisverkehr. Es kam uns so vor, als ob wir gar nicht vorank├Ąmen.

So richtig Dunkel war es noch nicht, aber unsere R├Ąder leuchteten trotzdem wie Christb├Ąume

Kurz nach 21 Uhr erreichten wir dann doch unter Hotel. Naja nicht ganz. Wir fuhren am Hotel vorbei, da ich auf dem Handy den Zielpunkt f├╝r die Navigation nicht genau genug gesetzt hatte. So fuhren wir in eine Sackgasse hinter dem Hotel. Ein normales Wohngebiet. Also fuhren wir wieder zur├╝ck.

Im Hotel waren alle Lichter aus. Die T├╝ren verschlossen. Keiner da. Wir riefen die Telefonnummer an, die an der T├╝r stand: Anrufbeantworter. Maren lief noch einmal um das Hotel. Bei mir machte sich aber bereits Panik breit. Wir brauchten ein anderes Hotel. Meine Vorbereitung n├╝tzte uns nun nichts mehr, da ich nur etwa alle 20 Kilometer auf dem Track Hotels markiert hatte. Zu weit f├╝r den Abend.

Also suchte ich mit Googles Hilfe nach einer m├Âglichst nahegelegenen Alternative. Wir riefen mehrere Hotels an. Entweder ging niemand ans Telefon oder es gab eine Absage. Die Panik wurde gr├Â├čer, es wurde dunkler und der Umkreis in dem ich suchte gr├Â├čer.

Dann klingelte mein Telefon. Es war eine nette Dame dran, die ein freies Zimmer hatte. Allerdings wussten wir nicht direkt, zu welchem der vielen Hotels, die wir probiert hatten, sie geh├Ârte. Trotzdem sagten wir ohne zu z├Âgern, dass wir das Zimmer nehmen werden. Anschlie├čend fragten wir, von welchem Hotel sie ├╝berhaupt anrief. Wir mussten ja den Weg dorthin finden.

Ich wei├č heute nicht, ob es die Angst war, ein weiteres Mal vor verschlossenen T├╝ren zu stehen oder nur meine eigene Dummheit. Jedenfalls wollte ich so schnell wie m├Âglich zu dem Hotel. Ich suchte es auf Google Maps. Klickte auf Navigation mit dem Fahrrad und dann auf los.

Bis zum Hotel sollten es in etwa 7 Kilometer sein. Das erste St├╝ckchen der Strecke war gut. Es ging ├╝ber gute Wege durch eine Ortschaft. Dann wurde es auf einmal rumpelig und keine 200 Meter weiter standen wir im Wald. Im Dunklen. Nat├╝rlich ohne befestigte Wege. Trotzdem dachten wir nicht ans Umdrehen. Wir wollten immer noch so schnell wie m├Âglich ins Hotel.

Ich fuhr mit einer Hand am Lenker und in der anderen Hand das Handy. Einen Handschuh hatte ich ausgezogen, da das Display vom Handy immer wieder ausging und ich meinen Fingerabdruck ben├Âtigte um es wieder anzuschalten. Total bescheuert: Mit dem Rennrad nachts einh├Ąndig im Wald.

Handy Navigation im Wald ­čÖé

Nach etwa 3 oder 4 Kilometern im Wald konnten wir dann wieder auf Asphalt fahren. Wir atmeten auf: Keine Panne im Wald. Das h├Ątte uns den Tag wohl vollends versaut. Wir erreichten unser Ziel, mittlerweile war es ungef├Ąhr 22:30 Uhr.

Zu unserer ├ťberraschung erwartete uns kein Hotelzimmer. Wir durften uns ├╝ber ein eigenes kleines H├Ąuschen mit Wohnzimmer, Bad und Schlafzimmer freuen. Au├čerdem war Fr├╝hst├╝ck im Preis enthalten und wir erhielten auch noch eine Flasche Rotwein als Begr├╝├čungsgeschenk.

Einzig die R├Ąder mussten dieses Mal drau├čen „Schlafen“. Dies st├Ârte uns allerdings nicht, da wir mitten im Nichts waren. Wir erwarteten nicht, dass dort in der Nacht irgendwelche Leute vorbeikommen w├╝rden. Wir kramten unsere Sachen aus den Taschen und gingen ins Haus.

Dadurch, dass die T├╝r relativ lange offen stand, war es in dem Haus recht frisch. Oder aber es kam mir nur so vor, weil die Fahrt ohne Handschuh ihre Spuren hinterlassen hatte. Ich lief jedenfalls ziemlich kopflos durch das Ferienhaus, auf der Suche nach der Heizung. Diese fand ich aber nicht. Mein Plan B war es dann, so schnell wie m├Âglich hei├č zu duschen.

Nach dem Duschen fand ich dann doch noch das Bedienteil f├╝r die Fu├čbodenheizung und drehte die Temperatur etwas hoch. Anschlie├čend verschwand ich zusammen mit dem Rotwein direkt ins Bett zum Zimmerpicknick.

Mal wieder Zimmerpicknick!

Meine Stimmung war nach dem Tag eher schlecht. Mir war immer noch kalt. Die Knie schmerzten. Ich machte mir Sorgen, wie ich den n├Ąchsten Tag ├╝berstehen sollte. Hoffte aber trotzdem, dass am Morgen alles wieder gut sein w├╝rde. Musste es ja auch, weil ich die holl├Ąndischen Berge (also die richtigen) sehen und auch fahren wollte.

Strava – Ich: https://www.strava.com/activities/2347427740

Strava – Maren: https://www.strava.com/activities/2347391222

RATN 2019: Immer mehr sehn, mehr vom Meer sehn

Nachdem wir uns am letzten Tag so in Richtung Norden gek├Ąmpft hatten, ging es nun durchweg wieder in Richtung S├╝den. Der Wind hatte ├╝ber Nacht zum Gl├╝ck nicht gedreht. Wir konnten uns also ├╝ber R├╝ckenwind freuen.

Wir befreiten unsere R├Ąder aus der noblen Tiefgarage und die ersten Kilometer liefen wie von ganz allein. Sie vergingen wie im Flug. Wie am Vorabend fuhren wir durch die D├╝nen direkt am Meer entlang. Immer wieder konnten wir auch das Meer sehen.

Dann erreichten wir einen Naturpark, der nur tags├╝ber befahren werden durfte. F├╝r die Nachtfahrer hatte der Veranstalter daf├╝r extra eine Umfahrung herausgegeben. Wir brauchten diese nicht. Im Park machten wir Bekanntschaft mit ein paar K├╝hen. Ich hielt direkt bei ihnen an, weil ich ein Foto wollte. Maren hatte Respekt und fuhr erst einmal ein St├╝ckchen weiter. Dann wollte sie doch ein Foto und kam zur├╝ck.

Auch hier scheint der gleiche Fris├Âr am Werk gewesen zu sein

Etwas nervig war, dass der Park nicht asphaltiert war. Das niederl├Ąndische Kopfsteinpflaster ist zwar nicht vergleichbar mit den runden brandenburgischen Feldsteinen aber wenn man circa 20 km dr├╝ber fahren muss, wird es doch irgendwie nervig. Zum Gl├╝ck waren meine Sitzbeschwerden vom Vortag fast weg, so dass das nicht allzu schlimm war.

Niederl├Ąndisches Kopfsteinpflaster

Ich brauchte unterwegs mal wieder ein WC, obwohl ich diesmal keinen Vla zum Fr├╝hst├╝ck gegessen hatte. Wahrscheinlich lag es einfach daran, dass wir etwa eine Stunde fr├╝her losgefahren waren und ich deswegen im Hotel nicht mehr war. In der RATN Facebook Gruppe wurde uns der Tipp gegeben, immer ein 50 Cent St├╝ck in der Tasche zu haben. An der K├╝ste sollte es zahlreiche WC-H├Ąuschen geben. Wir fanden aber keines. Als wir dann endlich doch eines fanden, war es sehr dreckig und es gab kein Toilettenpapier. Schlechter h├Ątte man das Geld nicht investieren k├Ânnen.

Im Hafengebiet um IJmuiden gab es einige Schienen zu queren. Ich wei├č nicht mehr, wer damit angefangen hatte, auf jeden Fall entwickelten wir hier die perfekte Harmonie: „Achtung Schienen, liebe Maren!“ – „Danke, lieber Marc.“ Oder halt umgekehrt. Wir erreichten die einzige F├Ąhre, die auf dem gesamten RATN Track lag. Im Vorjahr konnten die Fahrer auch hier ├╝ber mehrere Br├╝cken fahren, aber dort wurde jetzt gebaut. Wir mussten etwa 15 Minuten auf das Schiff warten. Maren hatte die Idee, die Zeit sinnvoll zu nutzen. Also reinigten wir unsere Fahrradketten.

Kurz darauf wurden wir in Bloemendaal von einem kleinen Berg ├╝berrascht. Wir fuhren nichts B├Âses ahnend auf einer ebenen Stra├če, dann eine 90 Grad Kurve und da ging es dann berghoch. Das bin ich dann im dicken Gang gefahren, da ich es nicht mehr schaffte in einen besseren Gang zu schalten.

Anschlie├čend kamen wir nach Zandvoort, den Ort, der f├╝r seine Autorennstrecke bekannt ist. Sogar Formel 1 Rennen haben dort einmal stattgefunden. An diesem Tag war dort aber nichts mit Rennen. Zumindest auf den ├Âffentlichen Stra├čen. Die ganze Stadt glich einem riesigen Parkplatz, wahrscheinlich weil eine Veranstaltung auf der Rennstrecke stattgefunden hatte. Uns war das egal. Wir radelten fr├Âhlich am Stau, direkt an der Strandpromenade mit Meerblick, vorbei.

In Den Haag g├Ânnten wir uns einen kleinen Offtrack-Exkurs. Wir fuhren mit unseren R├Ądern auf die Mole, welche die eine Seite vom Hafen begrenzte. Auch diesen Ort kannte ich aus einem Familienurlaub. Ich zeigte Maren, dass man von diesem Ort einen wundersch├Ânen Blick auf Den Haag hat. Wir machten Fotos und fuhren dann weiter zu Simonis. Und auch das war bereits lange geplant gewesen. Wir wollten dort Hummer essen. Hummer w├Ąhrend eines Radrennens. Ziemlich dekadent. Wir waren uns ziemlich sicher, dass wir die einzigen RATN Teilnehmer waren, die sich daf├╝r Zeit genommen hatten. Lustigerweise hatten wir dabei sogar noch Kettenschmiere an den Fingern.

Den Haag
Hummer w├Ąhrend eines Radrennens – unsere Premiere

Bis Hoek van Holland hatten wir R├╝ckenwind, dann erfolgte ein Richtungswechsel. Wir fuhren nun in Richtung Osten, in Richtung Rotterdam. Es ging vorbei an Hafenanlagen und gro├čen Schiffen. Ich war von der Gr├Â├če des Hafengebiets ├╝berrascht.

Kurz vor Rotterdam trafen wir Leo F├Ârster, den wohl beeindruckendsten Langstreckenfahrer den ich kenne. Mit seinen ├╝ber 70 Jahren kann er auf ├╝ber 600.000 geradelte Kilometer zur├╝ckblicken. 24 mal Superrandonneur. 6 erfolgreiche Teilnahmen an Paris-Brest-Paris. Schaut einfach mal auf seine Homepage: http://www.mrpbp.nl/pagina40.html Einfach unglaublich was der Mann alles gefahren ist. Leider sprach er nur holl├Ąndisch. Wir w├╝nschten ihm aber trotzdem viel Gl├╝ck. Am Tag darauf erfuhren wir allerdings, dass er das Rennen aufgeben musste. Ich bin mir aber sicher, dass er es im n├Ąchsten Jahr noch einmal probieren wird.

Dann erwischte uns ein weiterer kurzer, heftiger Regenschauer. Keine Chance sich irgendwo unterzustellen. Zum Gl├╝ck schien bereits kurze Zeit sp├Ąter wieder die Sonne und trocknete unsere Klamotten. Trotzdem ist die Stadt irgendwie nervig. Es waren sehr viele Radfahrer unterwegs und zus├Ątzlich waren die Radwege doch recht schmal. Ich war ein wenig entt├Ąuscht, weil Rotterdam eigentlich meine holl├Ąndische Lieblingsstadt war. Auf jeder meiner drei Urlaubsreisen, die in die Niederlande f├╝hrten, hatte ich die Stadt besucht. An diesem Tag wollte ich einfach nur wieder ins Gr├╝ne. Ganz witzig fand ich allerdings, dass in einem Park ein Rockkonzert stattfand und davor ein Platz mit hunderten abgestellter Fahrr├Ąder zu sehen war. Die Holl├Ąnder fahren also mit dem Fahrrad zum Konzert.

Eines der Highlights des RATN Tracks sollte die Passage der Erasmus Br├╝cke in Rotterdam sein. Auch darauf hatte ich mich eigentlich total gefreut und war hinterher etwas entt├Ąuscht. Immerhin machten wir beide eine Menge guter Fotos, w├Ąhrend wir ├╝ber die Br├╝cke fuhren. Ein Highlight der Tour war das allerdings f├╝r uns nicht.

Direkt nach der Br├╝cke machten wir eine weitere Pause, denn dort war ein Jumbo-Markt in Sicht. Es war Feiertag in den Niederlanden und wir hatten Angst, kurz vor dem Hotel keinen offenen Supermarkt mehr zu finden. Oder besser gesagt ich hatte Angst. Eine Maren, die nichts zu essen bekommt, wollte ich nicht erleben. Wir suchten uns also ein Hotel und gingen direkt Einkaufen. W├Ąhrend der Pause fuhr Leo wieder an uns vorbei.

Anschlie├čend ging es mit vollen Rucks├Ącken zur K├╝ste zur├╝ck. Auf etwa halbem Weg zur K├╝ste ├╝berholten wir Leo ein weiteres Mal. Es regnete mal wieder. Diesmal sogar mit Hagel. Sehr unangenehm im Gesicht.

Bei der Wahl unseres Hotels waren wir dann wohl doch etwas zu optimistisch. Es war zwar nicht mehr so sonderlich weit, aber wir hatten keinen R├╝ckenwind mehr. Ganz im Gegenteil: Von Rotterdam bis zur K├╝ste zur├╝ck hatten wir mal wieder Gegenwind. Au├čerdem hatten wir nichts zu trinken gekauft. Das wollten wir uns im Hotel besorgen. Auch daf├╝r brauchten wir zus├Ątzliche Zeit. Wir fuhren also so schnell es irgendwie ging.

Kurz vor dem Hotel waren wir dann eigentlich genau im Zeitplan. Hatten noch etwa 5km zu fahren. Und dann passierte genau das, was einem so kurz vor dem Feierabend noch den Tag versauen kann. Ich fuhr durch eine 90 Grad Kurve. H├Ârte einen Knall und sofort hatte ich auch schon keine Luft mehr auf dem Hinterreifen. Mist Dreck! Bei der Demontage des Reifens sah ich dann einen etwa 1 cm langen Schnitt im Mantel. Ich entschied mich auf Nummer sicher zu gehen und montierte unseren Reservemantel. Im ersten Moment ├Ąrgerte ich mich. Hatte ich durch die Eile zu viel riskiert? Hatte ich etwas ├╝bersehen? Oder einfach nur Pech? Schlussendlich waren wir dann aber doch froh, dass das ganze so glimpflich ausging. Kein „Oh, wir kriegen den Mantel nicht von der Felge!“ oder ├Ąhnliche Horrorgeschichten.

Das Hotel erreichten wir dann etwa 20 Minuten sp├Ąter als geplant. Mit dreckigen Fingern. Aber egal. Hauptsache wir konnten weiterfahren. Das Hotel entpuppte sich als nobler 4 Sterne Schuppen. Und dabei war es das g├╝nstigste Hotel, welches wir auf der ganzen Tour hatten. Die R├Ąder sollten wir drau├čen in einen Fahrradst├Ąnder abstellen. Das wollten wir allerdings nicht, da das Hotel relativ gro├č war und dort doch recht viele Menschen unterwegs waren. Schlussendlich wurden wir dann auf ein anderes Zimmer umgebucht und konnten die R├Ąder ├╝ber die Terrasse mit ins Zimmer nehmen. Perfekt.

Wir verschoben unser Zimmerpicknick und gingen nach dem Duschen direkt in die Bar, denn auch diese schloss bereits um 22 Uhr. Wir bestellten uns jeder etwas zu trinken und checkten auf dem Handy die sozialen Medien. Wir hatten vom Veranstalter eine E-Mail. Wir sollten unsere Tracker aufladen. Ging nur nicht ohne passendes Kabel. Eigentlich sollten die Tracker ja getauscht werden, was allerdings nicht passiert war. Wir fragten noch an der Rezeption nach, ob sie eventuell einen Mini-USB-Kabel h├Ątten. Hatten sie aber nicht. Also beschlossen wir uns am folgenden Tag um das Problem zu k├╝mmern. Denn jetzt war erst einmal Zeit f├╝r das Zimmerpicknick. Ich hatte so richtig gro├čen Hunger.

Strava – Ich: https://www.strava.com/activities/2345109458

Strava – Maren: https://www.strava.com/activities/2345095081

RATN 2019: Der Kompass dreht und Norden ist, wo S├╝den war

Hier kommt nun also die Aufl├Âsung f├╝r das Problem mit den nassen Handschuhen. Ich packte sie mir einfach mit ins Bett. Am Fu├čende unter die Bettdecke, da st├Ârten sie am wenigsten. Und siehe da, am Morgen waren sie tats├Ąchlich trocken. Ich war begeistert. So begeistert, dass ich die Idee gleich in mein Randonneur-Handbuch aufgenommen habe.

Eine weniger gute Idee war es, direkt nach dem Aufstehen den Vla zu essen, der vom Zimmerpicknick ├╝brig geblieben ist. Maren? Warum ist da ├╝berhaupt etwas ├╝brig geblieben? Jedenfalls vertrage ich Milchprodukte nicht sehr gut. Gerade in Kombination mit Fett habe ich oft Probleme. Ich dachte jedenfalls, dass das schon gut gehen w├╝rde.

Der Wind hatte ├╝ber Nacht gedreht und kam nun aus Richtung Norden. Also wieder Gegenwind. Von Amsterdam bis nach Den Helder. Wieder ├╝ber 100km. Zus├Ątzlich waren noch Regenschauer vorhergesagt. Wir wollten es ruhig angehen und versuchen, die kurzen Regenphasen durch geschickte Pausen zu vermeiden.

Bei dem ersten kurzen Stopp holten wir das nach, was ich auf unserer Usedom Vorbereitungstour vergessen hatte. Ich stellte mich in den Wind, hob mein Rad ein wenig an und liess von Maren ein Foto davon machen. Schon beeindruckend, wie der Wind das beladene Rad zur Seite dr├╝ckte.

Mein Rad im Wind

Kurz vor Amsterdam sahen wir dann auch die erste dicke fette Regenwolke vor uns. Wir konnten deutlich sehen, wie der Regen fiel. Also machten wir eine zweite Pause. Als ich vom Sattel aufstand, bemerkte ich ein ungutes Gef├╝hl im Bauch. Ich bat Maren kurz mein Rad zu halten und verschwand hinter den Deich. Als ich wieder kam sagte ich nur: „Da w├Ąchst nun kein Gras mehr!“ Maren grinste. Bl├Âder Vla am Morgen.

Amsterdam selbst gefiel mir nicht so recht. Wir fuhren ├╝ber schmale Wege auf Deichkronen in Richtung der Stadt. Die Wege waren nicht sehr gut und durch den Regen lag dort eine Menge aufgeweichter Schafskot. Als die Wege dann endlich besser wurden, erwischte uns dann doch ein kleiner Regenschauer. Zum Gl├╝ck mussten wir nicht ins Stadtzentrum. Der Track f├╝hrte uns ├╝ber Radwege an gro├čen Stra├čen am Zentrum vorbei. Zum Fahren okay, aber nichts zum Gucken. Kurz hinter dem Ortsausgangsschild von Amsterdam wurde es dann wieder richtig sch├Ân.

Es ging ├╝ber weitl├Ąufige Polderfl├Ąchen, auf kleinen landwirtschaftlichen Wegen, weiter in Richtung Norden. Das war wieder wundersch├Ân anzusehen. In Monnickendam war Markt. Dort konnten wir zwar nicht fahren, aber daf├╝r konnten wir an einem Stand Brot mit verschiedenen Dips probieren. Lecker.

Unser n├Ąchstes Ziel, was ich auf der „Hier m├╝ssen wir unbedingt anhalten“-Liste hatte, war Irene Hoeve. Ein Hofladen bzw. Souvenirgesch├Ąft, den ich bereits kannte. Dort machte ich vielleicht etwas kitschige Urlaubsfotos von Maren. Maren im Holzschuh, Maren mit Holzschuhen, Maren beim Holzschuh aussuchen … naja so typische Holland-Motive halt. Anschlie├čend kauften wir uns dort noch 2 Sorten K├Ąse und einen Hanf-Lutscher.

Keine 10km sp├Ąter dann schon die n├Ąchste Pause in Volendam. Dort verlief der Track direkt durch das Zentrum mit entsprechendem Trubel. Ich wusste, dass es dort voll werden w├╝rde, da in Amsterdam viele Tagestouren mit Bussen in diese ber├╝hmte K├Ąsestadt angeboten werden. Wir wollten dort Mittag essen. Es gab wieder Fisch: holl├Ąndischer Matjes im Br├Âtchen und eine riesige Portion Kibbeling. Anschlie├čend g├Ânnten wir uns zum Nachtisch noch eine Portion Poffertjes. Damit waren zwei weitere kulinarische Highlights abgehakt. Als wir weiter wollten kam leider die n├Ąchste Regenwolke. Also verl├Ąngerten wir die Pause und Maren besuchte die Cheese Factory.

Fischbr├Âtchen machen gl├╝cklich!

Der Track ging nun zu 100 Prozent nach Richtung Norden. Genau gegen den Wind. Wir kamen nur noch langsam voran, aber trotzdem war die Stimmung gut. Wir wussten ja, dass es ab Den Helder wieder nach S├╝den gehen w├╝rde. Das Ende des Gegenwindes war quasi absehbar.

Wir entdecken einen sch├Ânen kleinen Strand, den wir f├╝r eine weitere kleine Pause nutzten. Maren machte ein Panorama Foto und das brachte mich auf eine Idee. Sie sollte ein zweites machen und wunderte sich warum. W├Ąhrend sie die Aufnahme machte, rannte ich dann ein paar Mal hinter ihrem R├╝cken lang, so dass ich dann mehrfach auf dem Foto drauf war.

Schwachkopf hoch 3

Einen Moment sp├Ąter schepperte es. Der Wind hatte mein Rad umgeweht. Schaltwerk verbogen. Ich Depp hatte das Rad quer zum Wind abgestellt und dann auch noch die Schaltwerkseite nach au├čen. Anf├Ąngerfehler. Zum Gl├╝ck lie├č sich aber alles wieder richten und es ging weiter.

Es folgte ein letzter Regenschauer, bei dem wir uns bei einem Touristen-Informationszentrum unterstellten. Wir nutzen die Zwangspause und entschieden uns, bis wo wir fahren wollten. Sprich, wir reservierten unser Hotel. Wir wollten nach dem ganzen Gegenwind fr├╝her Schluss machen und am Abend etwas die „Halbzeit“ feiern. Zum ersten Mal waren wir beide innerhalb weniger Tage ├╝ber 1000km mit dem Rad gefahren.

Als wir das IJsselmeer verliessen und in Richtung Den Helder fuhren bemerkte ich, dass mein Hintern etwas schmerzte. Nicht schlimm, aber so richtig lange in einer Position im Sattel bleiben ging nicht wirklich. Ich sagte Maren davon nichts. Aber sie wird es sicher bemerkt haben, denn meine F├╝hrungsarbeit wurde deutlich k├╝rzer. Ich forderte sie ├Âfters zum Wechsel auf.

Tulpenfeld kurz vor Den Helder

In einer letzten Pinkelpause quoll in meinem Kopf der Dummfug mal wieder ├╝ber. Ich beschwerte mich bei Maren: „Wir k├Ânnten RATN gewinnen, da du wie ein Kerl Fahrrad fahren kannst. Verlieren aber trotzdem, da du wie ein M├Ądchen pinkelst.“ Auch dar├╝ber konnte Maren lachen. Sie versprach mir daran zu arbeiten und ich versprach ihr, bei unserem n├Ąchsten Bike Packing Adventure ebenfalls wie ein M├Ądchen zu pinkeln. Ich wei├č jetzt zwar nicht wie Maren schneller werden will, aber bei mir wird das sicher lustig aussehen.

Kurz vor Den Helder war mir dann alles egal. Gegenwind, Regen, Sitzprobleme … alles egal. Wir waren nun genau dort, wo ich meinen ersten Familienurlaub in den Niederlanden verbracht hatte. Mir kam jede Stra├če, jede Kreuzung bekannt vor. Ich erinnerte mich an die Momente zur├╝ck, wie ich meine kleine Tochter dort mit dem Kinderwagen lang geschoben hatte. Wie sie sich an ihren ersten Worten versuchte. Das motivierte mich, ich lie├č keinen Wechsel mehr zu und fuhr die restlichen Kilometer vorne im Wind.

Es folgte ein wundersch├Âner Abschnitt vorne am Meer. Kein Deich mehr, der den Blick versperrte. Wir konnten die beiden Texelf├Ąhren und nat├╝rlich auch die Insel sehen. Der Wind war dort nat├╝rlich noch einmal richtig heftig, aber trotzdem machten wir gef├╝hlt etwa 3 Millionen Bilder.

Olaf, der h├Ąssliches Hund der Welt, war auch mit in NL

Und dann ging es Richtung S├╝den. Wir rollten mit ├╝ber 30kmh durch die Landschaft, die sich komplett ver├Ąndert hatte. Wir sahen nun gro├če und kleine D├╝nen. Aus den Schafen vom Deich waren nun wildlebende Hasen geworden. Wir hatten nur noch wenige Kilometer bis zum Hotel.

Da die Stimmung so gut war und wir auch gut in der Zeit lagen, entschieden wir uns f├╝r eine weitere Pause. Wenn man wei├č, wo man ├╝bernachten wird, ist es ja komplett egal wie schnell man dorthin f├Ąhrt. Wir machten genau dort Pause, wo ich ├Âfters mit meiner Familie an den Strand gegangen bin: einem Imbiss in Julianadorp. Dort a├čen wir jeder eine Frikandel und eine „Van Dobben-Krokette“. Noch einmal zwei kulinarische Highlights abgearbeitet.

Direkt in dem Ort, in dem unser Hotel lag, kauften wir im Supermarkt f├╝r unser Zimmerpicknick ein. Zur Feier des Tages wegen der erreichten 1000 Kilometer diesmal mit einer Flasche Rotwein. Neben den ├╝blichen Sachen gab es dazu Brot und den K├Ąse von Irene Hoeve. Durch Zufall durften unsere R├Ąder mitfeiern, denn sie bekamen einen luxuri├Âsen Stellplatz in einer Tiefgarage. Einzig die Anwesenheit von so R├Ądern mit Motor, die mit Kabeln an der Wand befestigt waren, war unseren Rennr├Ądern nicht ganz geheuer.

Vielleicht lag es am Rotwein, ich f├╝hlte mich an dem Abend jedenfalls merklich befreit. Der Druck irgendetwas erreichen zu wollen war weg. Klar wollte ich immer noch ins Ziel kommen, aber die erreichten 1000 Kilometer waren etwas worauf ich stolz sein konnte. Gerade jetzt wo wir bemerkten, das einige Fahrer mit denen wir mehr oder weniger Kontakt hatten, aufgeben mussten.

Beim Zimmerpicknick versuchte ich mich, wie Maren es mit dem Hackb├Ąllchen Vla vorgemacht hatte, auch an komischen Essenskombinationen. Schokolade mit Senf. Ananas mit Filet American-Dip. Irgendwie schmeckte das dann doch alles.

Zimmerpicknick

Strava – Ich: https://www.strava.com/activities/2341913752

Strava – Maren: https://www.strava.com/activities/2341892797

RATN 2019: Wellen Wind und Wolken

Nachdem ich nach RATN wieder zu Hause war, wurde ich von vielen Leuten gefragt, wie man sich motiviert jeden Tag wieder aufs Rad zu steigen. Die Antwort auf diese Frage entwickelte sich an unserem dritten Tag. Wir wachten beide auf und ich stellte Maren die rhetorische Frage: „Was machen wir heute?“ Sie l├Ąchelte mich an und antwortete: „Wie w├Ąre es mit einer kleinen Radtour?“ Genau mit diesem Dialog begann ab Tag 3 jeder weitere Tag. Wir motivierten uns also gegenseitig, zogen uns quasi an den eigenen Haaren aus dem Sumpf. Wer Maren kennt, sollte auch wissen, dass das mit ihren Haaren sehr gut funktionieren muss.

Wir wussten, dass der dritte Tag hart werden w├╝rde. Wir waren in den holl├Ąndischen Alpen angekommen. Der Wind wehte aus Nordwesten, im Durchschnitt mit 30 kmh, mit B├Âen bis zu 50 kmh. Das entspricht Windst├Ąrke 4 und 6, also irgendwas zwischen m├Ą├čige Brise und starker Wind. Die ersten 115 Kilometer des Tages ging es gegen den Wind.

Da ich mir ein Fischrestaurant auf der Karte markiert hatte, wo ich unbedingt hin wollte, starteten wir erst relativ sp├Ąt in den Tag. Das Restaurant lag nur etwa 40 Kilometer von unserem Hotel entfernt. Es ├Âffnete um 9:30. Dort wollten wir Fr├╝hst├╝ck essen. Lecker Backfisch zum Fr├╝hst├╝ck: Was gibt es Besseres?

Noch bevor wir uns auf den Weg machten, reinigten wir die Ketten unserer Fahrr├Ąder und spendierten ihnen auch neues ├ľl. Wir hatten ja Zeit. Aber dann, gleich nach den ersten Metern, bekamen wir den Wind zu sp├╝ren. Mit nur knapp 22-23 kmh ging es in Richtung Fischrestaurant. Auch fuhren wir zum ersten Mal nicht mehr quatschend nebeneinander. Ich war ganz froh, dass wir bei unseren „Blind Trust“-Touren das Windschatten fahren ge├╝bt hatten. Hier nutzte es uns ungemein.

Ohne Unterhaltung war ich w├Ąhrend der Fahrt mit meinen Gedanken allein. Die ersten 15 Minuten dachte ich noch an das Fr├╝hst├╝ck, aber kurz darauf war der Kopf einfach nur leer. Ich fing an, eines meiner Lieblingslieder in Gedanken zu singen. Immer und immer wieder. Eigentlich die kompletten 115 Kilometer lang. Danke Sven f├╝r dieses tolle Lied. Am Abend im Hotel habe ich es mir dann auch nicht nehmen lassen und das Video einmal geschaut.

Etwa auf halbem Weg zum Fischrestaurant bemerkte ich, dass wir zu schnell waren. Ich empfand es als sinnlos, dort unn├Âtig Kr├Ąfte zu verpulvern, um dann vor dem verschlossenen Restaurant zu stehen. Also fuhren wir noch langsamer. Kurze Zeit sp├Ąter erreichten wir einen Aussichtspunkt auf dem Deich. Dort hielten wir, um Fotos zu machen. Ich konnte das Meer sehen. Ich war gl├╝cklich. Mega gl├╝cklich. Ich h├Ątte zu dem Zeitpunkt an keinem anderen Ort der Welt sein wollen. Alles war perfekt.

Endlich das Meer sehen!

Kurze Zeit sp├Ąter erreichten wir unser Restaurant und stellten die R├Ąder dort direkt auf die Terrasse. So fr├╝h am Morgen war ja sonst keiner da. Wir machten noch schnell ein Selfie in einem Strandkorb und gingen dann in das Restaurant.

Strandkorb-Selfie

Kleiner Einschub: F├╝r uns beide hei├čt Team, das man versucht, m├Âglichst alles auf dem unkompliziertesten Weg zu kl├Ąren. So machten wir zum Beispiel in Pausen nie getrennte Kassen. Wir entschieden einfach aus dem Bauch heraus, wer mit bezahlen dran war, so das am Ende der Fahrt jeder in etwa die H├Ąlfte bezahlt hatte. Ein netter Nebeneffekt davon: Wir sparten auch viel Zeit, da immer nur einer einkaufen musste.

Diesmal war ich jedenfalls mit Bezahlen und auch mit Aussuchen an der Reihe, w├Ąhrend Maren bereits einen Tisch mit Sicht auf die R├Ąder in Beschlag nahm. Ich bestellte mehrere frittierte Fischgerichte:
Schollenfilet, Kibbeling, Muscheln und dazu eine Portion Pommes. Ein perfektes Fr├╝hst├╝ck. Mit jedem weiteren Gericht, welches ich bestellte entgleiste das Gesicht des Kellners immer weiter. Er schaute jedes Mal nach hinten in die K├╝che. Wahrscheinlich um zu checken, ob die Fritteuse schon hei├č war.

Das perfekte Fr├╝hst├╝ck

Als wir beim Essen waren, hielt auch unser gelber Motivationspunkt vom Vortag an dem Restaurant. Auch er bestellte sich ein warmes Fr├╝hst├╝ck mit frittiertem Fisch und Pommes. Er setzte sich zu uns an den Tisch und wir unterhielten uns kurz.

Der n├Ąchste Teil vom Track wurde dann etwas angenehmer. Es ging zwar immer noch gegen den Wind, aber dieser war nicht mehr ganz so stark, da wir direkt hinter dem Deich fuhren. Schneller waren wir aber trotzdem nicht. Wie auch in Ostfriesland waren auf dem Deich Schafe und wir mussten durch gef├╝hlt 100 Schafst├╝ren fahren. Also die Form von Gattern, die man meist nur schwer ├Âffnen kann und wenn man sie losl├Ąsst sofort wieder zufallen. Und zwar so schnell, das ich immer Angst hatte mir das Teil direkt gegen das Hinterrad zu ballern.

Hinterm Deich ging es weiter

Ganz lustig waren allerdings die Schafe. Die kleinen L├Ąmmer hatten vor uns Radfahrern Angst. Die Elterntiere dagegen waren durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Oft blieben sie auch einfach auf dem Weg sitzen. Im Nachhinein erfuhren wir, dass einer der Fahrer kurz vor Harlingen mit einem Schaf kollidiert war und sich dabei die Nase mehrfach brach. Uns passierte zum Gl├╝ck nichts. Aber ich fragte auch fast jedes Schaf ganz nett, ob es uns vorbeilassen k├Ânnte. Auf ein „M├Ą├Ą├Ąhhh“ von mir wurde immer mit mehreren „M├Ą├Ą├Ą├Ą├Ąhhhs“ von den Schafen geantwortet. Witzig.

M├Ą├Ą├Ąhhh

Wenn ich mit meinen Gedanken alleine bin, komme ich oft auf sehr komische Dinge. Naja, eigentlich immer. Meine Frau kann da mittlerweile ein Lied von singen und Maren kennt das nun auch sehr gut. Jedenfalls wie ich so hinter Maren her fuhr, fiel mir auf das sie und die Schafe auf dem Deich wahrscheinlich zum gleichen Fris├Âr gehen. Und da ich ein Trampel bin, sprach ich diesen Gedanken nat├╝rlich auch laut aus. Maren fand das zum Gl├╝ck witzig.

Kurze Zeit sp├Ąter fing es an, ein klein wenig zu regnen. Wir konnten uns nicht entscheiden, ob wir die Regenjacken anziehen sollten oder nicht. Schlussendlich entschieden wir uns doch daf├╝r. Wir nutzten den Moment dann auch gleich f├╝r eine kleine Pause. Direkt neben so einem Touristen-Info-Schild. Ganz verstanden hatte ich die holl├Ąndische Infotafel nicht, aber ich glaubte, dass er eine verl├Ąngerte Version des bekannten Jakobsweges zeigte, der eben im holl├Ąndischen Ort: „Sint Jacobiparochie“ startete. Aber auch egal: Wir scherzten beide und fragten uns, ob dies nicht ein Projekt f├╝r das n├Ąchste Jahr w├Ąre.

Projekt f├╝r das n├Ąchste Jahr?

In Harlingen wollten wir schon wieder Pause machen. Nach dem ganzen Gegenwind hatten wir Bock auf ein Eis. Kurz davor gab es aber noch einen wichtigen Ortsschildsprint zu gewinnen. Zumindest f├╝r mich. Maren hatte das entweder nicht auf dem Plan oder keine Lust. Aber egal, ich wollte als erster in dem Z├╝rich ohne Berge und ohne ├ť-Striche ankommen. Auch wenn das nur ein kleines Dorf mit einem Hotel, 2 Restaurants und einem Nachtclub war. F├╝r letzteres war es noch zu fr├╝h, also ging es weiter in Richtung Eis.

Z├╝rich ohne Berge und ohne ├ť-Striche

Dummerweise fanden wir in Harlingen dann keine Eisdiele. Wir entschieden uns dann einfach, ein Eis aus dem Supermarkt zu holen, denn vor dem Eingang stand ein Werbeschild: 4 Magnum f├╝r 3 Euro. Ich war wieder dran mit aussuchen und bezahlen. Ging dann also in den Laden und rief Maren noch zu: „Das kaufe ich aber nicht. Das ist zu viel f├╝r uns. Ich suche einzelne Eis.“ Quasi im Vorbeigehen verfing sich eine Packung Donuts und eine Packung geschnittene Mango in meinen H├Ąnden. Einzeln verpacktes Eis fand ich nicht. Auch nicht die Packung mit den 4 Magnum. Daf├╝r aber eine Packung mit 6 Mini Magnum f├╝r nicht einmal 2 Euro. Also nahm ich die. Drau├čen durfte ich mir dann anh├Âren: „Ach und 4 Eis waren zu viel?“ – „Klar, 6 sind doch viel besser.“ Das war dann ein Argument, gegen das Maren auch nichts mehr sagen konnte.

Nach Harlingen ging es auf die „kleine“ Umleitung. Eigentlich sollte es ├╝ber den Abschlussdeich gehen, aber da dieser in den n├Ąchsten 3 Jahren erneuert wird und dadurch f├╝r Radfahrer gesperrt ist, entschied sich der Veranstalter f├╝r eine Umfahrung des Deiches. Mal eben locker um das IJssel- und das Markermeer. Schlappe 200km Umleitung. Heftig, aber auch wundersch├Ân.

Wundersch├Ân f├╝r uns: Der Track ging nun nicht mehr Richtung Westen, sondern nach S├╝den. R├╝ckenwind. Viel R├╝ckenwind. Wir fuhren wieder mit ├╝ber 30kmh. Und wie sollte es anders sein: Genau auf diesem Abschnitt fuhren wir auf einen anderen RATN-Fahrer auf. Wir gr├╝├čten, erhielten aber nur eine m├╝rrische Antwort. Im n├Ąchsten Ort, an dem wir f├╝r ein Foto hielten, ├╝berholte er uns wieder.

Als wir ihn dann wieder eingeholt hatten, versuchten wir nicht erneut ein Gespr├Ąch anzufangen. Maren setzte mit ordentlich Schwung an um ihn zu ├╝berholen. Ich setzte nochmal einen drauf und wir knallten mit knapp unter 40kmh an ihm vorbei. Einmal auf dicke Hose machen. Das f├╝hlte sich gut an. Sehr gut sogar. Nachdem wir den ganzen Vormittag nur mit um 20kmh unterwegs waren, war das fast wie fliegen.

Kurze Zeit sp├Ąter dr├╝ckte schon wieder eine Blase. Also suchten wir uns einen sch├Ânen Platz zum Pausieren. Wir fanden eine sch├Âne kleine Br├╝cke, auf der ich es mir sogleich bequem machte. Dort gab es dann die Mango und die Donuts. Das war f├╝r mich auch wieder einer dieser Momente, der ewig h├Ątte andauern k├Ânnen. Und das war wohl in der Tat auch wirklich so, denn wir wurden von 3 RATN Fahrer ├╝berholt. Einzige Aktion unsererseits: Wir machten Fotos von ihnen.

Die Mango Pause

Als wir weiter fuhren trafen wir Christian Timmer, einen deutschen Teilnehmer. Er war angetan, sich mal wieder auf Deutsch mit jemandem unterhalten zu k├Ânnen. Wir kannten uns bereits vom Start wo wir uns auch schon etwas unterhielten und er von seinem Plan erz├Ąhlt hatte, jeden Tag etwa 400km fahren zu wollen. Daher war gleich unsere erste Frage an ihn, warum er erst „hier“ war. Er erz├Ąhlte uns dann, dass er gesundheitliche Probleme und auch auch Probleme mit dem Rad hatte. Seine Zeit verbrachte er beim Arzt bzw. beim Mechaniker. Uns leuchtete ein, dass man so keine 400km am Tag fahren kann.

Am IJsselmeer

Kurze Zeit sp├Ąter verlie├č er uns wieder. Er fuhr schneller als wir, wollte sein Gl├╝ck versuchen und m├Âglichst viel Strecke machen. Wir entschieden uns ein Hotel f├╝r die Nacht zu suchen und die Wahl fiel diesmal auf Lelystad. Au├čerdem gingen wir auch gleich in den n├Ąchsten Supermarkt und kauften f├╝r unser nun bereits obligatorisches Zimmerpicknick ein. Restaurant gab es n├Ąmlich wieder nicht.

Wir fuhren nun wieder am Deich. Jetzt allerdings auf der Wasserseite. Der Wind kam ebenfalls von der Seite. Das war dann leider nicht mehr ganz so angenehm. Au├čerdem konnten wir sehen, was f├╝r ein Wetter auf uns zukam. Regen. Genug davon um unsere Kleidung komplett zu w├Ąssern.

Am Horizont sah ich dann eine Br├╝cke und erinnerte mich an unseren Familienurlaub, in dem ich schon einmal in Lelystad gewesen bin. Damals war ich mit dem Auto ├╝ber den Damm zwischen IJsselmeer und Markermeer gefahren. Am Ende, kurz vor Lelystad kam dann eine Br├╝cke. Ich ordnete die Br├╝cke dann f├Ąlschlicherweise dem Damm zu und sagte Maren, dass wir es gleich geschafft haben. War dann allerdings nicht so. Wir mussten ├╝ber diese Br├╝cke.

Anschlie├čend kam das wohl schwerste Teilst├╝ck des Tages. Es waren nur noch 15 Kilometer bis zum Hotel. Aber wenn man aufgrund des Gegenwindes nur 15kmh fahren kann, dann dauert das eben. Schlecht f├╝r den Kopf, vor allem, wenn dieser gedanklich bereits im Hotel war. Neben der Strecke standen im Wasser Windkraftanlagen. Vielleicht so 40 St├╝ck. Ich begann sie zu z├Ąhlen. Ganz langsam wurden es weniger. Ganz, ganz langsam.

Dazu kam auch noch, dass Maren einen weiteren WC Stop ben├Âtigte: 5km vor dem Hotel. Sie haderte lange: Anhalten? Weiterfahren? Doch anhalten? Der Druck wurde dann aber doch zu gro├č und wir hielten an. So mitten im Nichts. Nur Deich, Weg und Windr├Ąder. Nicht gerade der beste Ort f├╝r eine Frau, die gerade muss. Ich hielt ihr Rad und z├Ąhlte die verbleibenden Windr├Ąder noch einmal durch. Es waren immer noch viel zu viele. Im Nachhinein war die Entscheidung anzuhalten aber wieder goldrichtig.

Endlich erreichten wir dann doch unser Hotel in Lelystad. Wir wollten nur noch schnell in unser Zimmer: Duschen, Essen, Bett wie immer. Wir hatten unseren Plan allerdings nicht mit der Besitzerin des Hotels gemacht. Sie war n├Ąmlich sehr gespr├Ąchig. Erkl├Ąrung hier, Erkl├Ąrung da. Es dauerte eine gef├╝hlte Ewigkeit, bis wir dann endlich in unserem Zimmer waren.

Dort gab es dann das n├Ąchste Problem. Das Zimmer war zwar sch├Ân warm, die Heizung an, aber trotzdem war sie kalt. Das war sehr schlecht f├╝r unsere vom Regen durchn├Ąssten Klamotten. Vor allem f├╝r meine Handschuhe. Es waren n├Ąmlich beide Paare nass. Da musste ich mir was einfallen lassen. Aber trotzdem lie├čen wir uns erst einmal das Zimmerpicknick schmecken.

Zimmerpicknick Nummer 3

Strava – Ich: https://www.strava.com/activities/2339254209

Strava – Maren: https://www.strava.com/activities/2339276125

RATN 2019: Ein Schritt nur, vor uns ist die See

Wie immer vor Radtouren wachte ich auch an diesem Tag genau 10 Minuten vor dem Wecker auf. Nach einem kurzen Check auf dem Handy stand ich auf und machte mich ├╝ber die Reste des Zimmerpicknicks her. Was zum Abendbrot geht, kann als Fr├╝hst├╝ck auch nicht schlecht sein. Eigentlich schon komisch, dass es Reste gab. Aber egal, gegessen wurde es ja trotzdem.

Maren erhielt von Mark Humme Sprachnachrichten ├╝ber WhatsApp, die sein komisches Verhalten am vorherigen Abend erkl├Ąrten. Er fuhr bis Enschede und suchte sich dort ein Hotel. Er wurde nicht so recht f├╝ndig und entschied sich f├╝r ein B&B, welches er quasi bereits vor 15km passiert hatte. @Mark: Ist vielleicht ein ├╝berheblicher Pro-Tipp, aber mit etwas besserer Vorbereitung h├Ąttest du unn├Âtige Fahrerei vermeiden k├Ânnen.

Mit unseren 280km, die wir am ersten Tag fuhren, waren wir richtig zufrieden. So hatten wir uns bereits einen kleinen Puffer rausgefahren, falls etwas Unerwartetes passieren sollte. Trotzdem entschieden wir uns, am zweiten Tag etwa eine Stunde fr├╝her loszufahren, um etwas mehr Fahrzeit zur Verf├╝gung zu haben. Wie weit uns das bringen sollte, war eigentlich egal. Ich hatte mir allerdings vorgenommen, an diesem Tag bereits das Meer zu sehen.

Wir verlie├čen kurz vor 7 Uhr unser Hotelzimmer. Maren wieder mit ihrem modischen M├╝llt├╝tchen und ich mit vollgepackten Armen. Wir befreiten unsere R├Ąder aus der Garage und packten unsere Taschen und schon waren wir wieder unterwegs. Und kurze Zeit sp├Ąter ├╝berholten wir direkt ein anderes Team. Die Stimmung war sehr gut.

Meine Frau schickte mir w├Ąhrenddessen immer mal wieder Screenshots von der Tracking-Seite. Aber nicht weil uns unsere Position in der Teamwertung interessierte. Wir wollten wissen, ob sich bei uns in der N├Ąhe andere RATN-Fahrer aufhielten, denen man mal „Hallo“ sagen konnte. @AdventureBikeRacecing: Die Bedienung der Trackingseite auf dem Handy ist alles andere als gut. Da besteht Potential zur Verbesserung.

Bereits am Vormittag entdeckten wir in einem Dorf einen riesigen Holzschuh, den wir bereits von RATN Fotos aus dem Vorjahr kannten. Hier mussten wir nat├╝rlich auch anhalten. Ich war noch nicht einmal richtig vom Rad runter, da war Maren auch schon auf bzw. in den Holzschuh geklettert. Ich packte die Kamera aus, stellte den Selbstausl├Âser ein und machte ein paar lustige Fotos. Da es wohl nicht so gut ausgesehen h├Ątte, wenn wir RATN h├Ątten abbrechen m├╝ssen, weil ich vom Holzschuh gefallen bin, blieb ich lieber einfach davor stehen. Und w├Ąhrend wir da so rumalberten, ├╝berholte uns das andere Team wieder. Dabei lachten sie uns an oder aus. Wir winkten und dachten: „Ach wir haben euch eh gleich wieder.“

Holzschuh-Zwangspause

Kurz darauf ├╝berholten wir eine lustige Rentnergruppe, teils mit normalen R├Ądern, teils mit E-Bikes. Maren erinnerte mich an meinem Profi-Vertrag und fragte, ob die Gruppe nicht was f├╝r mich sei. Ich wollte mich dann direkt dort anschlie├čen und nat├╝rlich auch ein Foto davon machen. Da sie aber kaum in der Lage waren geradeaus zu fahren, gelang mir nur dieses schlechte Bild. Auch hier klappte es also nicht mit meinem Vertrag. Schade.

Die niederl├Ąndische Rentner-Nationalmannschaft

Gegen Mittag sprachen wir davon, uns langsam aber sicher irgendwas zu suchen, wo wir uns was zu Essen g├Ânnen k├Ânnten. Ich vermutete, dass dies in den D├Ârfern eher schwierig werden w├╝rde. Aber nur ein paar Kilometer sp├Ąter standen wir vor einer Dorfb├Ąckerei. Laut Schildern an der T├╝r bereits 100 Jahre da. F├╝r mich f├╝hlte es sich aber so an, als wenn sie gerade erst extra f├╝r uns dort „hingestellt“ wurde.

Wir nahmen die 20 Euro in die Hand, die wir am ersten Tag durch den Umweg gespart hatten und deckten uns mit Kuchen und Br├Âtchen ein. Dazu noch f├╝r jeden einen Kaffee. Vor der T├╝r, unter einem Baum, war eine Bank zum Sitzen. Dort machten wir es uns gem├╝tlich und vernichteten die eben gekauften Lebensmittel. Als der Kaffee leer war, kam die B├Ąckerin und schenkte uns nach. Wenn es nicht so kalt gewesen w├Ąre, dann w├╝rden wir wohl immer noch da sitzen. So sch├Ân war es dort.

B├Ąckerei Slatman mit Dorfhund

Pl├Âtzlich wurde das Wetter dann deutlich schlechter und es fing an zu regnen. Als der Regen immer st├Ąrker wurde entschieden wir uns daf├╝r, unter einem Baum unsere Regensachen anzuziehen. Dabei passierte mir ein Missgeschick, von dem ich die restliche Fahrt was hatte. Beim ├ťberziehen der ├ťberschuhe ├Âffnete ich aus Versehen den Drehverschluss meines rechten Schuhs. Da ich es nicht bemerkte, fuhr ich quasi einen halben Tag lang mit offenem Schuh und dadurch scheuerte ich mir den Hacken und auch den Spann wund. Profi halt. So wird das wohl auch nichts mit meinem Vertrag.

Aber ich war soweit ein Profi, dass ich meine Regensachen deutlich vor Maren angezogen hatte. Ich war bereits fertig, da k├Ąmpfte sie noch damit, ihre Regenjacke aus der Verpackung zu befreien. Fingern├Ągel waren wohl zu kurz. Ich nutzte die Pause dann noch, um den Riegel zu essen, den Frank (ein Arbeitskollege) mir vor der Fahrt geschenkt hatte. Sch├Ânen Dank daf├╝r. Trotz Regen war die Stimmung allerdings immer noch sehr gut. Und sie wurde schnell noch besser, da der Regen auch schnell wieder vorbei war.

Danke Frank!

Auf Facebook hatten wir gesehen, dass in der Festung Bourtange von anderen Fahrern Fotos gemacht wurden. Als wir dort ankamen, war dort allerdings keiner mehr. Also machten wir das, was wir bereits nahezu perfektioniert hatten. Wir machten unsere eigenen Bilder.

Festung Bourtange

Am sp├Ąten Nachmittag machte der Track dann einen ersten kleinen Bogen in Richtung Westen. Wir bekamen einen kleinen Vorgeschmack dessen, was uns die n├Ąchsten Tag erwarten w├╝rde. Gegenwind. Viel Gegenwind. Sehr viel Gegenwind und wahrscheinlich noch mehr Gegenwind. Hier etwas von der K├╝ste entfernt war es noch ertr├Ąglich. Aber wir merkten schon, dass es nicht mehr so gut voran ging.

Sch├Ân, aber noch nicht das Meer

Auf einer langen Geraden sah ich dann am Horizont einen kleinen gelben Fleck. Ich vermutete, dass dies ein weiterer RATN Fahrer sein k├Ânnte. Ab dem Moment war ich dann motiviert. Ich lege mich auf die „St├Ąbchen“ und versuchte den gelben Motivationspunkt einzuholen. Was dann auch relativ schnell gelang. Und ja, es war ein RATN Fahrer.

Ich redete mit ihm. Oder vielmehr ich versuchte es. Ich wusste ja, dass mein Englisch alles andere als gut ist. Aber da versagte ich komplett. Ich wollte einfach nur sagen, dass ich an dem Tag noch gerne das Meer sehen wolle. Aber mir fiel einfach nicht ein, was Meer auf Englisch hei├čt. Also umschrieb ich es. Irgendwie mit H├Ąnden und F├╝├čen und so wie ich mich kenne mit Vokabeln aus einer Handvoll verschiedener Sprachen. Ich Vollpfosten … aber immerhin hatte ich mich getraut ihn anzusprechen. Komfortzone erfolgreich verlassen. Ich h├Ątte auch genauso gut schweigend an ihm vorbei fahren k├Ânnen.

Kurz vor Groningen buchten wir in einer kurzen Pinkelpause unser Hotel. Wieder klappte es problemlos. Wir wollten bis kurz nach Eemshaven zu dem Hotel „Dijkzicht Logies“ fahren. Und w├Ąhrend wir so am Buchen waren, ├╝berholte uns wieder mein Motivationspunkt. Das Spielchen begann also von vorne.

Maren organisiert das Hotel f├╝r die Nacht

Bisher verlief der Track an allen gr├Â├čeren St├Ądten vorbei. Durch Groningen mussten wir aber fast direkt durchs Zentrum. Das erste Mal hie├č es f├╝r uns Stop and Go von Ampel zu Ampel und wir erfuhren zum ersten Mal, wie viele Menschen in den Niederlanden mit dem Rad unterwegs sind.

Maren erz├Ąhlte mir, dass Stefan (ein gemeinsamer Freund von uns) ihr den Auftrag gegeben hatte, ihm eine h├╝bsche Holl├Ąnderin mitzubringen. Von mir wollte er einfach nur ein Radtrikot in den Farben der niederl├Ąndischen Fahne. Vermutlich weil er meinem Stil nicht traut. Jedenfalls trafen wir nur just ein paar Momente sp├Ąter auf eine leicht bekleidete Holl├Ąnderin, die bestimmt was f├╝r Stefan gewesen w├Ąre. Aber da ihr Rad f├╝rchterlich am Quietschen war, weigerte ich mich sie mitzunehmen. Sorry Stefan. Vielleicht n├Ąchstes Mal.

Auch Traktoren wurden einfach so ├╝berholt

Kurz darauf erreichten wir die K├╝ste. Ich f├╝hlte mich wie in Friedrichskoog, dem Ort an der Nordsee, in dem meine Eltern ein kleines Ferienhaus besitzen. Das flache Land, die vielen Kan├Ąle, die Bauernh├Âfe mit den SB-Verkaufsst├Ąnden vor der T├╝r, die vielen M├Âwen und auch die salzige Luft. Alles kam mir sehr vertraut vor. Selbst das Wetter war sehr vertraut, denn es fing wieder an zu regnen. Es fehlten aber trotzdem 2 Dinge. Es gab keine gro├čen Felder mit den verschiedenen Kohlsorten und ich konnte einfach kein Meer sehen. Meine letzte Hoffnung war Eemshaven. Ich vermutete, dass ich dort am Hafen endlich Wasser sehen k├Ânnte. Aber leider war auch dort alles verbaut. Ich konnte nur ein gr├Â├čeres Schiff hinter einer Lagerhalle entdecken.

Sonnenuntergang an der K├╝ste

Direkt vor unserem Hotel standen 2 Personen am Stra├čenrand. Einer von beiden mit einer Kamera. Wir dachten, dass uns der Veranstalter „wiedergefunden“ hatte und nun Fotos von uns macht. Es stellte sich allerdings heraus, dass dies die Eltern von Erik Venneman, einem weiteren Fahrer in unserer N├Ąhe, waren. Wir unterhielten uns kurz mit der Mutter, w├Ąhrend der Vater weitere Fotos von uns machte. Genau in dem Moment kam Erik dann auch angefahren. Der Vater verpasste allerdings seinen eigenen Sohn, da er noch Bilder von uns machte. @Erik Venneman: Sorry. Wir zogen uns daraufhin h├Âflich in unser Hotel zur├╝ck.

Die R├Ąder ├╝bernachteten diesmal unter der Treppe. Der Weg zum Zimmer war nicht weit. Ich konnte also mehrfach laufen, bis ich alles was ich brauchte im Zimmer hatte. Da unsere Klamotten vom Regen noch nass waren, wuschen wir sie hier zum ersten Mal aus. ├ťber Nacht drehten wir im Bad dann die Heizung voll auf und hofften darauf, dass die Kleidung am Morgen wieder trocken sein w├╝rde. Klappte nicht. Daf├╝r h├Ątte man f├╝r die miefige Luft im Bad einen Waffenschein beantragen k├Ânnen.

Auch an diesen Abend gab es wieder ein Zimmerpicknick, da es weit und breit kein Restaurant gab, welches so sp├Ąt noch ge├Âffnet hatte. Und auch beim Picknick versuchten wir Zeit zu sparen. Maren telefonierte w├Ąhrend sie a├č mit ihrem Freund. Schmiss dabei gen├╝sslich Hackb├Ąllchen in ihren DoubleVla, einen Vanille-/Schokoladenpudding und a├č es ohne mit der Wimper zu zucken auf. Ich dachte nur: WTF!

Zimmerpicknick Nummer 2!

Strava – Ich: https://www.strava.com/activities/2336983437

Strava – Maren: https://www.strava.com/activities/2337036554

RATN 2019: Die erfolglose Suche nach dem Hanffeld

Die erste Nacht in den Niederlanden war super. Ich konnte richtig gut schlafen, keine Aufregung und auch keine Tr├Ąume plagten mich. Irgendwie f├╝hlte es sich auch so an, als wenn man bereits einen Tag gefahren sei. Der bevorstehende Start war eigentlich nur noch eine nebens├Ąchliche Pflichtveranstaltung.

Obwohl ich uns den Wecker recht zeitig gestellt hatte, wurde es am Morgen dann doch relativ stressig. Fr├╝hst├╝ck essen, Anziehen, Sachen verstauen und Trinkflaschen vorbereiten waren dann doch relativ viele Aufgaben, die erledigt werden mussten. Au├čerdem hatten wir noch relativ viel Essen vom Vortag ├╝brig, das dann schnell in einem unserer kleinen Rucks├Ącke verstaut wurde. Aber trotzdem hatte ich noch Zeit f├╝r Bl├Âdsinn. Auf dem Flur im Hotel stand eine Mischung aus Holzfahrrad und Schaukelpferd. Da musste ich nat├╝rlich rauf.

Ich bin soweit. Das Pferd ist gesattelt!
Ich bin soweit. Das Pferd ist gesattelt!

Der Start sollte um 8 Uhr am Cafe DE PROLOOG erfolgen, also fuhren wir dort wieder hin. Unterwegs trafen wir unsere erste Entscheidung. Etwa 150km nach dem Start lag ein Nationalpark auf dem Track, f├╝r den man 10 Euro Eintritt zahlen musste. Alternativ hatte der Veranstalter eine „Umleitung“ geplant, die um den Park herum f├╝hrte. Diese war etwa 3 km l├Ąnger. Wir entschieden uns daf├╝r au├čen herum zu fahren und wollten die gesparten 20 Euro in Essen investieren. Kuchen f├╝r Maren … eigentlich immer die bessere Wahl.

Kurz vor dem Start am Cafe DE PROLOOG
Kurz vor dem Start am Cafe DE PROLOOG

Das Briefing an sich war leider relativ ├Âde. Es fand drau├čen statt. Alle Fahrer bereits startbereit mit ihren R├Ądern im Halbkreis um Michael Wacker, der ohne Mikrofon in den hinteren Reihen leider nur schlecht bis gar nicht zu verstehen war. Einzige Information die ich mitnahm war, dass die Tracker Strom f├╝r 5 Tage hatten und dann mit einem Mini-USB-Kabel aufgeladen werden m├╝ssten. Aber da niemand so ein Kabel dabei hatte, sollten die Tracker unterwegs vom Orga-Team getauscht werden.

Die letzten Worte von Michael verstand ich wieder. Er w├╝nschte uns viel Gl├╝ck und schon rollten die ersten Fahrer. Es ging los. Wir starteten wie wir es uns vorgenommen hatten hinten. Gut gelaunt fuhren wir sogleich die erste kleine Steigung hoch. Die Stra├če war eng und voll mit den knapp 120 Radfahrern. Zum Gl├╝ck verteilten sie sich relativ schnell.

├ťberholen ohne einzuholen :-)
├ťberholen ohne einzuholen ­čÖé

Ohne uns gro├č abzusprechen legten wir die Geschwindigkeit fest mit der wir durch die Landschaft d├╝sten. Im Vergleich zu anderen Fahrern waren wir deutlich schneller unterwegs. Um es vorweg zu nehmen: das blieb auch in der restlichen Woche so. Aber gerade nach dem Start ├╝berholten wir immer wieder Fahrer. Daf├╝r machten wir dort, wo es sch├Ân war einfach so eine kleine Pause. Machten Fotos und a├čen etwas. W├Ąhrenddessen wurden wir nat├╝rlich wieder ├╝berholt, so dass das Spielchen dann von vorne begann.

Foto Adventure Bike Raceing
Foto Adventure Bike Raceing

Das Wetter war prima. In jeder Mini-Pause zogen wir einen Teil unserer Klamotten aus, so dass wir am Ende wirklich in Kurz/Kurz fuhren. Und auch hier kann ich vorwegnehmen: Es war das einzige Mal auf der gesamten Tour.

Von Ed Bos, einem der Teilnehmer mit dem ich mich im Vorfeld schon per Chat ausgetauscht hatte, wusste ich, dass wir am ersten Tag noch einen weiteren Anstieg fahren mussten: den Posbank. Er lag in einem weiteren Nationalpark, welcher sehr sch├Ân anzusehen war. Von hinten ├╝berholte uns eine Gruppe Rennradfahrer, alle mit gleichem Trikot. Wir lie├čen sie ziehen. Im oberen Teil des Anstiegs wurden sie irgendwie langsamer und es passierte was passieren musste. Ich war in Gedanken versunken und pl├Âtzlich befand ich mich in mitten der Gruppe. Aber Maren nicht. Als ich das bemerkte liess ich mich zur├╝ckfallen und durfte mir gleich einen Anschiss abholen: „Hey Marc. Ich dachte du bist der Vern├╝nftigere von uns beiden. Warum f├Ąhrst du mit der niederl├Ąndischen Halbprofi-Mannschaft?“ Ich war zum ersten Mal sprachlos, hoffte aber insgeheim darauf, dass ich mich f├╝r einen Profi-Vertrag empfohlen hatte. Ich war ja schlie├člich mit Gep├Ąck unterwegs. Um es vorweg zu nehmen: Bisher hat noch kein Sponsor bei mir angeklopft.

Eine der ersten Windm├╝hlen
Eine der ersten Windm├╝hlen

Am Nachmittag entschieden wir, uns ein Hotel f├╝r den Abend zu suchen. Die Wahl fiel auf das Hotel Jachtlust, welches nach etwa 280km am Track lag. Wir riefen an und fragten ob sie ein Zimmer f├╝r uns haben und erhielten direkt eine Zusage. Ich war erstaunt, wie einfach das doch war. So konnte es ruhig weitergehen.

Ich hatte relativ viel Arbeit in unsere RATN Vorbereitung investiert. Ich hatte den Track bei Google-Maps hochgeladen und mich dann St├╝ck f├╝r St├╝ck an dem Track entlang gescrollt. Dabei hatte ich Hotels, Imbisse, Superm├Ąrkte und auch Sehensw├╝rdigkeiten markiert. Bei den Hotels hatte ich sogar davor geschrieben, bei welchem Kilometer diese am Track lagen. Das machte uns die Hotelwahl total einfach, da wir immer wussten, wie weit es noch bis zum n├Ąchsten Hotel war.

Oft war ich bei der Vorbereitung so in Vorfreude, dass ich mir auch den einen oder anderen Ort auf Streetview angeschaut habe. Dabei stie├č ich auf ein Hanffeld, welches ich nat├╝rlich sofort Maren zeigte. Wir ├╝berlegten uns schon, wie wir dort am besten dumme Selfies machen k├Ânnten. Allerdings sind wir dann f├╝r Drogen doch zu dumm. Hanf vertr├Ągt keinen Frost und ist daher Anfang Mai noch nicht drau├čen zu finden. Somit war unsere Suche erfolglos, also m├╝ssen wir wohl im Sommer noch einmal fahren.

Kurz vor Enschede passiert nochmal etwas total Unerwartetes. Uns kam ein Rennradfahrer entgegen. Der dann auch noch gr├╝├čt. Wir hatten den ganzen Tag ├╝ber jeden Radfahrer gegr├╝├čt, wie wir es aus Berlin gewohnt sind. Au├čer Citybikeler gr├╝├čte niemand zur├╝ck. Jetzt aber rief der Rennradfahrer sogar noch meinen Namen.

Es war Mark Humme, der uns entgegen gekommen war. WTF. In falscher Richtung!? Wir waren durcheinander. Meine Theorie, das Mark von seiner eigenen Leistung so beeindruckt war, das er sie lieber nach unten korrigieren musste, fand bei Maren keinen Zuspruch. Sie meinte, dass er vielleicht aufgegeben habe. So richtig verstehen konnten wir es zu dem Zeitpunkt allerdings nicht.

Kurz darauf erreichten wir Enschede. Da der Track direkt durch das Zentrum ging, entschieden wir uns spontan noch etwas zu essen. Da das Hotel bereits reserviert war, war es ab dem Zeitpunkt v├Âllig egal wie schnell oder langsam wir fahren w├╝rden. Der Endpunkt f├╝r den Tag war festgelegt. Nach dem Essen f├╝llten wir unsere Rucks├Ącke in einem Supermarkt mit Lebensmitteln, da uns klar war, dass wir das Hotel erst nach K├╝chenschluss des Restaurants erreichen w├╝rden. Au├čerdem hatten wir ja bereits eine Kleinigkeit warm gegessen.

Der restliche Weg bis zum Hotel verlief unspektakul├Ąr. Nach 250km mussten wir einen neuen Track laden. Ich hatte uns den Gesamttrack in 250km Abschnitte eingeteilt, damit wir nie auf die mega gro├če Gesamtzahl gucken mussten. F├╝r den Kopf waren die letzten Kilometer so sehr angenehm. Wahrscheinlich waren wir deswegen auch wieder zu schnell unterwegs. Aber der Gedanke an einen baldigen „Feierabend“ war verlockend.

Der Track verlief ├╝ber wundersch├Âne Wirtschaftswege
Der Track verlief ├╝ber wundersch├Âne Wirtschaftswege

Im Hotel konnten wir unsere R├Ąder in einer Garage unterstellen. Wir mussten also sofort alles was wir f├╝r die Nacht brauchen w├╝rden vom Rad mitnehmen. Nachdem die Garage zu war kamen wir nicht mehr an die R├Ąder. Da zeigte sich mir, dass Maren beim Packen weiter gedacht hatte als ich. Ich hatte alles thematisch sortiert in kleine T├╝tchen gepackt und dann Probleme alles mit 2 H├Ąnden zu tragen. Maren hatte eine einfache M├╝llt├╝te dabei, in die sie ihre einzelnen Beutel verstaute … clever.

Im Zimmer entwickelten wir direkt eine Tradition, die wir die ganze Woche ├╝ber zelebrieren sollten. Maren ging als erstes duschen und ich packte in der Zwischenzeit unsere Rucks├Ącke aus. Anschlie├čend machte ich ein Foto von dem Lebensmittel-Berg. Nachdem ich dann auch duschen war, war das Zimmerpicknick dann freigegeben. Mega sch├Ân!

Zimmerpicknick Nummer 1

Strava – Ich: https://www.strava.com/activities/2334591525

Strava – Maren: https://www.strava.com/activities/2334536903

RATN 2019: Man muss etwas Neues machen, um etwas Neues zu sehen

Das Race around the Netherlands (RATN) 2019 ist vorbei. Was bleibt sind die sch├Ânen Erinnerungen an eine tolle Zeit. Noch immer schaue ich ungl├Ąubig auf unser Zielfoto. Wir, Maren Barkowsky und ich, haben es tats├Ąchlich getan, wir sind einmal um die gesamte Niederlande geradelt und hatten dabei auch noch jede Menge Spa├č. Das Wetter (viel Gegenwind, unangenehme K├Ąlte und auch noch Regen) war zwar nicht so, wie wir es uns vorgestellt hatten, aber Spa├č hatten wir trotzdem. Jetzt ist es an der Zeit, meine Erinnerungen in Worte zu fassen. Also fange ich am besten am Anfang an…

Bisher war es oft so, das ich in der Nacht vor einer gr├Â├čeren Radtour nicht so gut schlafen konnte. Einen Wecker brauche ich eigentlich nie, da ich immer genau 15 Minuten vor dem Wecker aufwache. Egal, ob die Fahrt um 7 Uhr oder um 2 Uhr nachts losgeht. Irgendwo habe ich immer noch Hoffnung, das dieses mal besser wird, wenn sich eine gewisse Routine einstellt. Vor RATN wurde es jedenfalls noch einmal deutlich schlimmer.

Bereits eine Woche vor Start fing ich an, in den N├Ąchten ├╝bers Radfahren zu tr├Ąumen. Von RATN auf dem Einrad, bis zum nicht Bestehen des Rad-Checks war alles dabei. Oft wachte ich schwei├čgebadet auf und konnte dann nicht mehr einschlafen. Ich versuchte mir einzureden, das wir nur ein paar kleine 250km Radtouren fahren wollen. Also eigentlich nichts ungew├Âhnliches. Geholfen hat das trotzdem nicht. Dazu kam noch das unsch├Âne Gef├╝hl, irgendetwas vergessen zu haben. Hatte ich alles bedacht und alles eingepackt? In Gedanken ging ich immer und immer wieder die Packliste durch.

Am 30.4, ganz fr├╝h am Morgen, machte ich mich dann auf den Weg nach Holland. Die Anspannung war direkt beim Schlie├čen der Haust├╝r wie weggeblasen. Egal was nun kommen sollte, ich musste mit den Dingen, die ich bei mir trug bzw. am Rad hatte, klar kommen. Ich hatte quasi das schwerste geschafft. Ich war unterwegs.

Mein Kuota am S-Bahnhof Eichwalde

Ich entschied mich daf├╝r, direkt ab Eichwalde mit der S-Bahn zu fahren. Wer mich kennt wei├č, das das eine ungew├Âhnliche Entscheidung ist. Normalerweise h├Ątte man sicher von mir erwartet wenigstens bis zum Ostbahnhof mit dem Rad zu fahren. Aber irgendwie hatte ich so gar keinen Nerv darauf nochmal in Berlin Rad zu fahren.

Bis Osnabr├╝ck sa├č ich alleine im Zug. Dort stieg dann Maren dazu. Sie hatte ein paar Tage bei ihrer Familie verbracht. Direkt nach der Begr├╝├čung schauten wir uns ungl├Ąubig an, bis einer von uns beiden fragte: „Machen wir das jetzt wirklich?“ Obwohl die Antwort offensichtlich war, stellten wir uns die Frage w├Ąhrend der Zugfahrt noch einige Male.

Eigentlich war unser Plan, mit der Bahn bis Amersfoort zu fahren und von dort aus auf k├╝rzestem Weg zum Startort. Aber ein Blick auf den Wetterbericht offenbarte, das Maren zu sommerliche Kleidung eingepackt hatte. Also fuhren wir noch zu 2 oder 3 Fahrradgesch├Ąften. Maren kaufte sich einen Langarm-Winter-Base-Layer und ein Paar Handschuhe. Naja eigentlich 2 Paar. Die pinken Sommerhandschuhe mussten auch noch mit. Aber shoppende Frauen soll man ja nicht aufhalten.

In Amerongen fuhren wir direkt zum Cafe DE PROLOOG. Unsere Stimmung war zwar ziemlich gut, aber trotzdem sorgte der bevorstehende Bike-Check f├╝r Stress. Vor allem besch├Ąftigte uns die Frage, ob wir genug reflektierendes Klebeband verklebt hatten. Daher wollten wir den Check nun so schnell wie m├Âglich hinter uns haben.

DE PROLOOG

Direkt vor dem Check trafen wir auf Mark Humme aus M├╝nster. Wir hatten uns im Vorfeld schon etwas ├╝ber Facebook unterhalten, so das wir gleich so quatschen konnten, als wenn man sich bereits ewig kennt. So ├╝berbr├╝ckten wir die Wartezeit mit dummen Scherzen ├╝ber meine weibliche Seite und ├╝ber Mark’s nicht vorhandene K├Ârpergr├Â├če.

An unseren R├Ądern wurde nichts beanstandet. Alle Aufkleber klebten an den richtigen Stellen. Wir bekamen unser Race Cap ausgeh├Ąndigt und den Tracker ans Rad montiert. Dabei musste ich noch einmal intervenieren, da die Tracker alle mit blauem Klebeband an die Fahrr├Ąder befestigt wurden. Ich wollte aber unbedingt rotes Klebeband, welches ich dann auch bekam.

Anschlie├čend begann der sch├Âne Teil des Tages. Wir gingen im Jumbo-Markt uns etwas zu Essen kaufen. Mark Humme im Schlepptau. Da wir alle Hunger hatten, kauften wir nat├╝rlich viel zu viel Zeug ein. Und dann auch noch ziemlich wild durcheinander. Alles was lecker erschien, wanderte in den Einkaufskorb. Mark machte sich ├╝ber uns lustig und meinte: „Ihr werdet in den n├Ąchsten Tagen viel Zeit in Superm├Ąrkten verbringen“

Als n├Ąchstes ging es ins Hotel. Unsere R├Ąder konnten wir im Flur unter der Treppe anschlie├čen. Im Zimmer zogen wir unsere Alltagskleidung an, a├čen etwas und machten uns dann ohne R├Ąder wieder auf zum Cafe DE PROLOOG. Dort setzten wir uns, wieder mit Mark Humme, an einen Tisch und quatschten uns die Seele aus dem Leib.

Race Cap 80 und Race Cap 42

Nach und nach kamen auch alle anderen Fahrer dorthin, denn um 20 Uhr sollte es Pasta geben. Obwohl wir an einem Tisch sa├čen, an dem sich fast alle deutschen Fahrer versammelten, f├╝hlte ich mich dort nicht so richtig wohl. F├╝r mich waren das einfach zu viele Leute auf einem Haufen. Trotzdem wechselte ich mit dem einen oder anderen ein paar Worte.

Pasta im Cafe DE PROLOOG
Pasta im Cafe DE PROLOOG

Nach der Pasta gingen wir zusammen mit Mark Humme auf unser Hotelzimmer. Dort bl├Âdelten wir noch etwas rum und tranken Bier. Naja f├╝r mich nur „Frauenbier“, nat├╝rlich wegen meiner weiblichen Seite. So endete der Tag v├Âllig entspannt.

Ein wenig Heimat: Das Brandenburger Tor in den Niederlanden