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RATN 2019: Weil ich es will, tanze TĂ€ler ĂŒber Berge!

Am Morgen lief ich ganz vorsichtig und im Schongang durchs Haus, weil ich Schmerzen in den Knien erwartete. Aber da war nichts. Es ging meinen Knien zum GlĂŒck wirklich wieder besser. Ich fragte Maren, was wir denn heute schönes machen wĂŒrden. Sie antwortete: „Eine kleine Radtour?“ Ich war guter Dinge. Hatte richtig Lust auf den nĂ€chsten Abschnitt.

Trotzdem ließen wir es ruhig angehen und gingen erst einmal zum FrĂŒhstĂŒck in ein benachbartes Haus. Der Tisch war nur fĂŒr uns beide gedeckt und dazu ein kleines BĂŒffet aufgebaut. Außerdem stand an jedem Platz eine kleine Schale Quark. Nach dem Dilemma mit dem Vla traute ich mich da allerdings nicht ran. Maren ließ meine Portion allerdings nicht verkommen.

Irgendwie tat es gut, nach so langer Zeit mal wieder richtig FrĂŒhstĂŒck zu essen. Wir kamen dadurch zwar etwas spĂ€ter los, aber die erste Pause konnte so eigentlich ganz ausfallen. Nur gepĂ€cktechnisch hatten wir ein Problem: Durch den Rotwein vom Vorabend hatten wir unsere gekauften GetrĂ€nke nicht angerĂŒhrt. So wanderten die Cola und Bierdosen in meine Lenkertasche. ZusĂ€tzliches Gewicht fĂŒr die Berge. Wahrscheinlich war das auch gut so, damit das Vorderrad auch in den steilen Passagen nicht den Kontakt zum Boden verlieren wĂŒrde. Es warteten so richtig fiese Rampen auf uns.

Wir fuhren nicht wieder durch den Wald. Es war nun zwar hell, aber noch einmal hatten wir darauf keine Lust. Wir kehrten auf asphaltiertem Weg zum Track zurĂŒck. Allerdings verpassten wir so etwa 2 Kilometer. Irgendwie war es uns zu blöde, 2 Kilometer hin und her zu fahren, um die LĂŒcke korrekt zu schließen. FĂŒr uns war dadurch nun zumindest ein Teil des „USB-Kabel-Umwegs“ wieder ausgeglichen.

An dem Teil der Strecke war auch nichts Besonderes. Es ging ĂŒber Radwege oder kleine landwirtschaftlich genutzte Straßen in Richtung Osten. Wir fuhren sogar ein kurzes StĂŒck in Belgien. Alles sah irgendwie gleich aus. Ein Dorf glich dem nĂ€chsten. Dazwischen die gleichen Felder. Das einzige was mir auffiel, war dass die Autofahrer hier im SĂŒden irgendwie rasanter unterwegs waren. Nicht so gemĂŒtlich wie in den letzten Tagen.

Unsere erste Pause machten wir wieder auf so einer kleinen BrĂŒcke, die direkt neben dem Weg lag. Wie zwei Tage zuvor setzte ich mich auch wieder auf den Boden. Diesmal gab es Kekse und Cola. Ich fand es wieder mega schön dort. Nur ein paar Schritte von der BrĂŒcke entfernt hatte man einen wunderschönen Blick auf das letzte Dorf, welches wir durchquert hatten. WĂ€ren wir dort einfach nur vorbei gefahren, hĂ€tte ich die Schönheit des Ortes wohl gar nicht wahrgenommen. Schon komisch, das es manchmal nur 3 Schritte neben dem Weg total anders aussieht.

Pause

Im Vorfeld der Tour hatte eine Teilnehmerin eine Baustelle auf dem Track entdeckt. Es fehlte eine BrĂŒcke und musste daher umfahren werden. Ed Bos hatte dafĂŒr bereits einen Routenvorschlag in die Facebook Gruppe gepostet und dafĂŒr Kritik einstecken mĂŒssen. Einige Fahrer waren der Ansicht, dass dadurch das Abenteuer kaputt gemacht wird. Mir persönlich war das egal. Allerdings war ich auch zu faul, den Track noch einmal anzupassen. Also fielen wir auf die fehlende BrĂŒcke herein, fuhren in die Sackgasse, drehten um und folgten dann der ausgeschilderten Umleitung. Oh was ein Abenteuer.

Kurz darauf erreichten wir die ersten Berge. Diesmal sprach ich allerdings mit Maren ab, dass ich den ersten Berg in meinem Tempo fahren wollte. Ich wollte nicht wieder Ärger wegen irgendeiner Halb-Profimannschaft. Ich fuhr im Wiegetritt und war recht schnell alleine. Oben wartete ich dann auf Maren. Berg ab dann das umgekehrte Bild. Maren vorne weg und ich langsam wie ein MĂ€dchen hinterher.

Wir machten unsere nĂ€chste Pause in einer kleinen Auffahrt, die ein Bauer wahrscheinlich nutzte, um auf seine Felder zu gelangen. Mir fiel sofort auf, dass dort links und rechts neben dem Weg viel Minze wuchs. Mein erster Gedanke war: „Nun nach einer Woche auf dem Rad muss ich nun endlich nicht mehr stinken.“ Ich wollte mir Minze ins Trikot stecken. Maren warnte mich davor und meinte, dass ich davon bestimmt Ausschlag bekommen wĂŒrde. Da ich am Vorabend meine Dummheit mit Google Maps perfekt bewiesen hatte, hörte ich diesmal auf die weise Frau.

Die nĂ€chsten Berge, die wir erreichten waren wohl die bekanntesten der Region. Den Anfang machte der Cauberg in Valkenburg. Im steilsten TeilstĂŒck mit ĂŒber 10% Steigung. Dort mussten wir mit unserem GepĂ€ck das erste Mal richtig kĂ€mpfen.

Aber gegen den Keutenberg war der Cauberg dann doch eine leichte Kleinigkeit. Direkt vor dem Berg stand ein Verkehrsschild, das auf 22% Steigung hinwies. Wir waren so etwas steiles noch nie gefahren. Im Team fahren war hier nicht mehr möglich. Jeder musste sich in seinem Tempo irgendwie da hochkÀmpfen. Was uns auch beiden gelang. Keiner von uns musste an diesem Berg vom Rad steigen.

Auf dem Weg zum nĂ€chsten Anstieg trafen wir den RATN-Teilnehmer Patrick. Wir fragten wie es ihm geht und kamen direkt ins GesprĂ€ch. Maren war so richtig in das GesprĂ€ch vertieft. Ich ermahnte sie: „Achtung Maren in etwa einem Kilometer kommt der nĂ€chste Berg“ Der Gulperberg lag direkt vor uns. Noch einmal zweistellige Steigungswerte. Wie auch bei den Bergen zuvor fuhr hier jeder sein Tempo.

Ich erreichte die Kuppe als Erster. Oben wurde ich von RATN-Fahrerin Susanne begrĂŒĂŸt, die dort bereits seit 10 Minuten Pause machte. Nach einem kurzen „Hallo“ war dann Maren auch oben angekommen. Ich packte mein Handy aus um ein Foto zu machen. Und dann war auch Patrick da. So gab es oben auf dem Gulperberg ein spontanes RATN-Treffen von 4 Fahrern. Mit GummibĂ€rchen zur StĂ€rkung.

RATN-Treffen

Es folgte noch ein letzter Anstieg, dessen Namen ich leider nicht kenne. Er fĂŒhrte uns auf den höchsten Punkt des gesamten RATN-Tracks. Die Steigung war moderat. Wir fuhren wieder als Team. Oben wollten wir eine Pause machen, die Aussicht genießen und auch ein Hotel fĂŒr die Nacht klar machen.

Allerdings war die Bergkuppe komplett bewaldet. Es gab keine Aussicht. Also fuhren wir noch ein StĂŒckchen weiter, bis wir einen Rastplatz fanden. Dort tranken wir dann das Bier vom Vortag, welches ich tapfer ĂŒber die Berge gefahren hatte.

Auch mit dem Hotel war es nicht so einfach. Der Wetterbericht sagte fĂŒr den folgenden Tag Dauerregen voraus. Ich stellte die Idee in den Raum: „Lass uns die Nacht durchfahren und morgen frĂŒh ohne nasse Klamotten das Ziel erreichen.“ Wir mussten uns entscheiden.

Ausblick bei der Entscheidungsfindung

RATN 2019: Und am Horizont leuchtet immer ein Turm

An diesem Tag ging es nun einmal quer durch Zeeland. In der NĂ€he hatte ich meinen dritten und letzten Familienurlaub in den Niederlanden verbracht. Auch hier kannte ich mich also mehr oder weniger aus.

Das erste Highlight des Tages ließ nicht lange auf sich warten. Wir fuhren ĂŒber das Oosterschelde-Sperrwerk. Links und rechts war das Meer zu sehen. Am Horizont konnte man den einen oder anderen Leuchtturm erkennen und der Wind wehte noch einmal direkt von vorne. Im Gegensatz zu den anderen Tagen war dies allerdings nicht so schlimm.

Leuchtturm voraus

Wir fuhren mit einem unwohlen GefĂŒhl, da unser Reservemantel am Vorabend an meinem Rad montiert wurde. Also beschlossen wir, so schnell wie möglich einen neuen zu kaufen. Der erste Radladen, den ich fand, war leider ein Reinfall. Geschlossen. Bei dem nĂ€chsten hatten wir aber GlĂŒck. Wir kauften einen neuen Mantel und auch einen neuen Schlauch. Außerdem hatten wir richtig gutes Timing. WĂ€hrend wir einkauften, zog nĂ€mlich ein Regenschauer durch. Als wir alles verpackt hatten, war es schon wieder trocken. Da hatte unsere Panne am Vortag nun doch etwas Gutes gehabt.

In Visslingen verließen wir den Track um in das Zentrum der Stadt zu gelangen. Wir wollten dort das Ladekabel fĂŒr unsere Tracker kaufen. Mein Wunschziel war der dortige HEMA, den ich aus dem Familienurlaub kannte. Ich erinnerte mich daran, dass es dort viele Kabel zu kaufen gab. Es gab auch in der Tat jede Menge Kabel, allerdings alle nur mit Micro-USB. Wir brauchten aber Mini-USB. Anschließend fragten wir noch in 3 weiteren LĂ€den nach. Das Ergebnis war allerdings ĂŒberall das gleiche. Nur Micro-USB, kein Mini-USB!

In der Zwischenzeit erhielt ich auch ĂŒber den Facebook Messenger eine Nachricht vom Veranstalter: „Ladet bitte eure Akkus!“ Wir hielten noch einmal und antworteten kurz, dass wir kein Kabel hatten und auch keines mit dem nötigen Anschluss auftreiben konnten. Außerdem schrieben wir, dass wir nun erst einmal wieder Rad fahren wollten. Wir waren ja nicht zum Shoppen in Holland. Wir hatten noch immer die leise Hoffnung, dass hinter der nĂ€chsten Ecke jemand stĂŒnde um den Tracker zu tauschen.

Eigentlich hatten wir ĂŒberlegt, einen kleinen Abstecher nach Yeserke zu machen, um dort Muscheln zu essen. Aber irgendwie waren wir durch den Ärger mit dem Kabel nicht in der Stimmung dazu. Stattdessen versuchten wir im nĂ€chsten grĂ¶ĂŸeren Ort erneut, das passende Kabel aufzutreiben. Aber auch dort hatten wir keinen Erfolg. So langsam wurde die Kabelsucherei echt nervig und drĂŒckte auf die Stimmung.

Wir gaben die Suche nach dem Kabel auf. In der nĂ€chsten Pause, in der dringende GeschĂ€fte erledigt werden mussten, hatte ich die Idee uns helfen zu lassen. Ich rief meine Frau an und Maren ihren Vater. Beide bekamen von uns die Aufgabe in der NĂ€he des Tracks zu schauen, ob sie eventuell einen Laden finden wĂŒrden, wo es ein Mini-USB-Kabel geben könnte.

Mein Rad von der falschen Seite

Wir waren noch am Telefonieren, da fuhr ein anderes RATN Team an uns vorbei. Ich rief zu Maren: „Beeil dich!“, denn ich wollte die beiden fragen, ob sie eventuell ein Kabel hatten und es uns leihen wĂŒrden. Mittlerweile waren sie aber bereits am Horizont verschwunden. Wir fragten unsere Beine, was noch möglich war und jagten den beiden mit knapp 40kmh hinterher. 2 Dörfer spĂ€ter hatten wir sie dann auch eingeholt. Allerdings hatten sie auch kein Kabel. Alles umsonst. Machte aber trotzdem Spaß.

Mein Telefon klingelte. Es war meine Frau. Sie hatte einen Mediamarkt gefunden. Aber leider war dieser etwa 15 Kilometer vom Track entfernt. Wir wollten kein Risiko eingehen. Riefen dort also an und fragten, ob es das passende Kabel gab. 15 Minuten Warteschleife und Nachfragen beim Kollegen und Warteschleife und weiteres Nachfragen spĂ€ter erhielten wir ein klares „vielleicht“ als Antwort. Also fuhren wir weiter auf dem Track, denn das war uns dann doch zu unsicher, um einen 30 Kilometer Umweg zu riskieren.

Kurz vor Roosendaal klingelte das Telefon wieder. Diesmal war Marens Vater dran. Er hatte einen Technik-Laden gefunden, in dem es ein Mini-USB-Kabel geben sollte. Er hatte dort auch bereits angerufen und das Kabel zurĂŒcklegen lassen. Der Anruf kam genau im richtigen Moment. Der Laden war etwa 5 Kilometer von uns entfernt. Wir nahmen die 10 Kilometer in Kauf und holten das Kabel.

Neben dem Technik-Laden machten wir dann direkt im Anschluss an den erfolgreichen Einkauf unsere Mittagspause. Ich war ĂŒberrascht: Eine Pommesbude, bei der die Pommes noch frisch aus Kartoffeln hergestellt wurden. Direkt im Schaufenster. Irgendwie auch witzig. Das entschĂ€digte uns zumindest ein wenig fĂŒr die ausgefallenen Muscheln. WĂ€hrend wir aßen, luden wir meinen Tracker auf.

Ich schrieb nochmal eine Nachricht an den Veranstalter. Teilte ihm mit, dass wir nun ein Kabel hatten. Aber auch, dass wir etwas enttĂ€uscht waren, dass das so schlecht organisiert wurde. Und dass wir dadurch viel Zeit vertĂ€ndelt hatten und die Stimmung nicht wirklich gut war. Wir waren gespannt, ob wir darauf eine Antwort erhalten wĂŒrden. Kurze Zeit spĂ€ter kam sie dann. Der Veranstalter entschuldigte sich. ErklĂ€rte, dass die Tracker von einer externen Firma waren und dass er im nĂ€chsten Jahr einen anderen Anbieter wĂ€hlen wird. Außerdem wĂŒnschte er uns ein erfolgreiches Finish.

Das legte zumindest bei mir im Kopf einen Schalter um. Ich fing an darĂŒber nachzudenken, dass wir auf dem besten Weg waren das Rennen abzuschließen. Es lagen nur noch 2 weitere komplette Tage vor uns. Ich rechnete mit einer Zielzeit von 7 Tagen + X Stunden. Da es mittlerweile schon wieder Richtung Nachmittag ging, buchten wir unser Hotel.

Die letzte große Stadt, die wir an diesem Tag noch durchfuhren, war Baarle Hartog. Ein Kuriosum. Etwa die halbe Stadt gehört zu den Niederlanden, wĂ€hrend die andere HĂ€lfte in Belgien liegt. Die Stadt ist dabei aber nicht einfach in zwei Teile geteilt. Innerhalb des belgischen Teils gibt es kleine Bereiche, die zu den Niederlanden gehören. Und natĂŒrlich auch umgekehrt. Das Ganze geht soweit, dass ein Haus zu beiden LĂ€ndern gehören kann. An den Hausnummern, die neben den TĂŒren angebracht waren, konnte man erkennen in welchem Land man gerade war.

Baarle Hartog

Da es schon recht spĂ€t war, kauften wir dort im Jumbo-Supermarkt ein. Es lag zwar noch ein weiterer Supermarkt am Track, aber wir waren uns nicht sicher, ob wir ihn noch rechtzeitig erreichen wĂŒrden. Die letzten Kilometer bis zum Hotel waren dann auch mehr als zĂ€h. Wir fuhren auf einem Radweg, direkt neben einer etwas grĂ¶ĂŸeren Straße. Immer geradeaus. Ab und zu nur unterbrochen von einem Kreisverkehr. Es kam uns so vor, als ob wir gar nicht vorankĂ€men.

So richtig Dunkel war es noch nicht, aber unsere RÀder leuchteten trotzdem wie ChristbÀume

Kurz nach 21 Uhr erreichten wir dann doch unter Hotel. Naja nicht ganz. Wir fuhren am Hotel vorbei, da ich auf dem Handy den Zielpunkt fĂŒr die Navigation nicht genau genug gesetzt hatte. So fuhren wir in eine Sackgasse hinter dem Hotel. Ein normales Wohngebiet. Also fuhren wir wieder zurĂŒck.

Im Hotel waren alle Lichter aus. Die TĂŒren verschlossen. Keiner da. Wir riefen die Telefonnummer an, die an der TĂŒr stand: Anrufbeantworter. Maren lief noch einmal um das Hotel. Bei mir machte sich aber bereits Panik breit. Wir brauchten ein anderes Hotel. Meine Vorbereitung nĂŒtzte uns nun nichts mehr, da ich nur etwa alle 20 Kilometer auf dem Track Hotels markiert hatte. Zu weit fĂŒr den Abend.

Also suchte ich mit Googles Hilfe nach einer möglichst nahegelegenen Alternative. Wir riefen mehrere Hotels an. Entweder ging niemand ans Telefon oder es gab eine Absage. Die Panik wurde grĂ¶ĂŸer, es wurde dunkler und der Umkreis in dem ich suchte grĂ¶ĂŸer.

Dann klingelte mein Telefon. Es war eine nette Dame dran, die ein freies Zimmer hatte. Allerdings wussten wir nicht direkt, zu welchem der vielen Hotels, die wir probiert hatten, sie gehörte. Trotzdem sagten wir ohne zu zögern, dass wir das Zimmer nehmen werden. Anschließend fragten wir, von welchem Hotel sie ĂŒberhaupt anrief. Wir mussten ja den Weg dorthin finden.

Ich weiß heute nicht, ob es die Angst war, ein weiteres Mal vor verschlossenen TĂŒren zu stehen oder nur meine eigene Dummheit. Jedenfalls wollte ich so schnell wie möglich zu dem Hotel. Ich suchte es auf Google Maps. Klickte auf Navigation mit dem Fahrrad und dann auf los.

Bis zum Hotel sollten es in etwa 7 Kilometer sein. Das erste StĂŒckchen der Strecke war gut. Es ging ĂŒber gute Wege durch eine Ortschaft. Dann wurde es auf einmal rumpelig und keine 200 Meter weiter standen wir im Wald. Im Dunklen. NatĂŒrlich ohne befestigte Wege. Trotzdem dachten wir nicht ans Umdrehen. Wir wollten immer noch so schnell wie möglich ins Hotel.

Ich fuhr mit einer Hand am Lenker und in der anderen Hand das Handy. Einen Handschuh hatte ich ausgezogen, da das Display vom Handy immer wieder ausging und ich meinen Fingerabdruck benötigte um es wieder anzuschalten. Total bescheuert: Mit dem Rennrad nachts einhÀndig im Wald.

Handy Navigation im Wald 🙂

Nach etwa 3 oder 4 Kilometern im Wald konnten wir dann wieder auf Asphalt fahren. Wir atmeten auf: Keine Panne im Wald. Das hÀtte uns den Tag wohl vollends versaut. Wir erreichten unser Ziel, mittlerweile war es ungefÀhr 22:30 Uhr.

Zu unserer Überraschung erwartete uns kein Hotelzimmer. Wir durften uns ĂŒber ein eigenes kleines HĂ€uschen mit Wohnzimmer, Bad und Schlafzimmer freuen. Außerdem war FrĂŒhstĂŒck im Preis enthalten und wir erhielten auch noch eine Flasche Rotwein als BegrĂŒĂŸungsgeschenk.

Einzig die RĂ€der mussten dieses Mal draußen „Schlafen“. Dies störte uns allerdings nicht, da wir mitten im Nichts waren. Wir erwarteten nicht, dass dort in der Nacht irgendwelche Leute vorbeikommen wĂŒrden. Wir kramten unsere Sachen aus den Taschen und gingen ins Haus.

Dadurch, dass die TĂŒr relativ lange offen stand, war es in dem Haus recht frisch. Oder aber es kam mir nur so vor, weil die Fahrt ohne Handschuh ihre Spuren hinterlassen hatte. Ich lief jedenfalls ziemlich kopflos durch das Ferienhaus, auf der Suche nach der Heizung. Diese fand ich aber nicht. Mein Plan B war es dann, so schnell wie möglich heiß zu duschen.

Nach dem Duschen fand ich dann doch noch das Bedienteil fĂŒr die Fußbodenheizung und drehte die Temperatur etwas hoch. Anschließend verschwand ich zusammen mit dem Rotwein direkt ins Bett zum Zimmerpicknick.

Mal wieder Zimmerpicknick!

Meine Stimmung war nach dem Tag eher schlecht. Mir war immer noch kalt. Die Knie schmerzten. Ich machte mir Sorgen, wie ich den nĂ€chsten Tag ĂŒberstehen sollte. Hoffte aber trotzdem, dass am Morgen alles wieder gut sein wĂŒrde. Musste es ja auch, weil ich die hollĂ€ndischen Berge (also die richtigen) sehen und auch fahren wollte.

Strava – Ich: https://www.strava.com/activities/2347427740

Strava – Maren: https://www.strava.com/activities/2347391222

RATN 2019: Immer mehr sehn, mehr vom Meer sehn

Nachdem wir uns am letzten Tag so in Richtung Norden gekĂ€mpft hatten, ging es nun durchweg wieder in Richtung SĂŒden. Der Wind hatte ĂŒber Nacht zum GlĂŒck nicht gedreht. Wir konnten uns also ĂŒber RĂŒckenwind freuen.

Wir befreiten unsere RĂ€der aus der noblen Tiefgarage und die ersten Kilometer liefen wie von ganz allein. Sie vergingen wie im Flug. Wie am Vorabend fuhren wir durch die DĂŒnen direkt am Meer entlang. Immer wieder konnten wir auch das Meer sehen.

Dann erreichten wir einen Naturpark, der nur tagsĂŒber befahren werden durfte. FĂŒr die Nachtfahrer hatte der Veranstalter dafĂŒr extra eine Umfahrung herausgegeben. Wir brauchten diese nicht. Im Park machten wir Bekanntschaft mit ein paar KĂŒhen. Ich hielt direkt bei ihnen an, weil ich ein Foto wollte. Maren hatte Respekt und fuhr erst einmal ein StĂŒckchen weiter. Dann wollte sie doch ein Foto und kam zurĂŒck.

Auch hier scheint der gleiche Frisör am Werk gewesen zu sein

Etwas nervig war, dass der Park nicht asphaltiert war. Das niederlĂ€ndische Kopfsteinpflaster ist zwar nicht vergleichbar mit den runden brandenburgischen Feldsteinen aber wenn man circa 20 km drĂŒber fahren muss, wird es doch irgendwie nervig. Zum GlĂŒck waren meine Sitzbeschwerden vom Vortag fast weg, so dass das nicht allzu schlimm war.

NiederlÀndisches Kopfsteinpflaster

Ich brauchte unterwegs mal wieder ein WC, obwohl ich diesmal keinen Vla zum FrĂŒhstĂŒck gegessen hatte. Wahrscheinlich lag es einfach daran, dass wir etwa eine Stunde frĂŒher losgefahren waren und ich deswegen im Hotel nicht mehr war. In der RATN Facebook Gruppe wurde uns der Tipp gegeben, immer ein 50 Cent StĂŒck in der Tasche zu haben. An der KĂŒste sollte es zahlreiche WC-HĂ€uschen geben. Wir fanden aber keines. Als wir dann endlich doch eines fanden, war es sehr dreckig und es gab kein Toilettenpapier. Schlechter hĂ€tte man das Geld nicht investieren können.

Im Hafengebiet um IJmuiden gab es einige Schienen zu queren. Ich weiß nicht mehr, wer damit angefangen hatte, auf jeden Fall entwickelten wir hier die perfekte Harmonie: „Achtung Schienen, liebe Maren!“ – „Danke, lieber Marc.“ Oder halt umgekehrt. Wir erreichten die einzige FĂ€hre, die auf dem gesamten RATN Track lag. Im Vorjahr konnten die Fahrer auch hier ĂŒber mehrere BrĂŒcken fahren, aber dort wurde jetzt gebaut. Wir mussten etwa 15 Minuten auf das Schiff warten. Maren hatte die Idee, die Zeit sinnvoll zu nutzen. Also reinigten wir unsere Fahrradketten.

Kurz darauf wurden wir in Bloemendaal von einem kleinen Berg ĂŒberrascht. Wir fuhren nichts Böses ahnend auf einer ebenen Straße, dann eine 90 Grad Kurve und da ging es dann berghoch. Das bin ich dann im dicken Gang gefahren, da ich es nicht mehr schaffte in einen besseren Gang zu schalten.

Anschließend kamen wir nach Zandvoort, den Ort, der fĂŒr seine Autorennstrecke bekannt ist. Sogar Formel 1 Rennen haben dort einmal stattgefunden. An diesem Tag war dort aber nichts mit Rennen. Zumindest auf den öffentlichen Straßen. Die ganze Stadt glich einem riesigen Parkplatz, wahrscheinlich weil eine Veranstaltung auf der Rennstrecke stattgefunden hatte. Uns war das egal. Wir radelten fröhlich am Stau, direkt an der Strandpromenade mit Meerblick, vorbei.

In Den Haag gönnten wir uns einen kleinen Offtrack-Exkurs. Wir fuhren mit unseren RĂ€dern auf die Mole, welche die eine Seite vom Hafen begrenzte. Auch diesen Ort kannte ich aus einem Familienurlaub. Ich zeigte Maren, dass man von diesem Ort einen wunderschönen Blick auf Den Haag hat. Wir machten Fotos und fuhren dann weiter zu Simonis. Und auch das war bereits lange geplant gewesen. Wir wollten dort Hummer essen. Hummer wĂ€hrend eines Radrennens. Ziemlich dekadent. Wir waren uns ziemlich sicher, dass wir die einzigen RATN Teilnehmer waren, die sich dafĂŒr Zeit genommen hatten. Lustigerweise hatten wir dabei sogar noch Kettenschmiere an den Fingern.

Den Haag
Hummer wĂ€hrend eines Radrennens – unsere Premiere

Bis Hoek van Holland hatten wir RĂŒckenwind, dann erfolgte ein Richtungswechsel. Wir fuhren nun in Richtung Osten, in Richtung Rotterdam. Es ging vorbei an Hafenanlagen und großen Schiffen. Ich war von der GrĂ¶ĂŸe des Hafengebiets ĂŒberrascht.

Kurz vor Rotterdam trafen wir Leo Förster, den wohl beeindruckendsten Langstreckenfahrer den ich kenne. Mit seinen ĂŒber 70 Jahren kann er auf ĂŒber 600.000 geradelte Kilometer zurĂŒckblicken. 24 mal Superrandonneur. 6 erfolgreiche Teilnahmen an Paris-Brest-Paris. Schaut einfach mal auf seine Homepage: http://www.mrpbp.nl/pagina40.html Einfach unglaublich was der Mann alles gefahren ist. Leider sprach er nur hollĂ€ndisch. Wir wĂŒnschten ihm aber trotzdem viel GlĂŒck. Am Tag darauf erfuhren wir allerdings, dass er das Rennen aufgeben musste. Ich bin mir aber sicher, dass er es im nĂ€chsten Jahr noch einmal probieren wird.

Dann erwischte uns ein weiterer kurzer, heftiger Regenschauer. Keine Chance sich irgendwo unterzustellen. Zum GlĂŒck schien bereits kurze Zeit spĂ€ter wieder die Sonne und trocknete unsere Klamotten. Trotzdem ist die Stadt irgendwie nervig. Es waren sehr viele Radfahrer unterwegs und zusĂ€tzlich waren die Radwege doch recht schmal. Ich war ein wenig enttĂ€uscht, weil Rotterdam eigentlich meine hollĂ€ndische Lieblingsstadt war. Auf jeder meiner drei Urlaubsreisen, die in die Niederlande fĂŒhrten, hatte ich die Stadt besucht. An diesem Tag wollte ich einfach nur wieder ins GrĂŒne. Ganz witzig fand ich allerdings, dass in einem Park ein Rockkonzert stattfand und davor ein Platz mit hunderten abgestellter FahrrĂ€der zu sehen war. Die HollĂ€nder fahren also mit dem Fahrrad zum Konzert.

Eines der Highlights des RATN Tracks sollte die Passage der Erasmus BrĂŒcke in Rotterdam sein. Auch darauf hatte ich mich eigentlich total gefreut und war hinterher etwas enttĂ€uscht. Immerhin machten wir beide eine Menge guter Fotos, wĂ€hrend wir ĂŒber die BrĂŒcke fuhren. Ein Highlight der Tour war das allerdings fĂŒr uns nicht.

Direkt nach der BrĂŒcke machten wir eine weitere Pause, denn dort war ein Jumbo-Markt in Sicht. Es war Feiertag in den Niederlanden und wir hatten Angst, kurz vor dem Hotel keinen offenen Supermarkt mehr zu finden. Oder besser gesagt ich hatte Angst. Eine Maren, die nichts zu essen bekommt, wollte ich nicht erleben. Wir suchten uns also ein Hotel und gingen direkt Einkaufen. WĂ€hrend der Pause fuhr Leo wieder an uns vorbei.

Anschließend ging es mit vollen RucksĂ€cken zur KĂŒste zurĂŒck. Auf etwa halbem Weg zur KĂŒste ĂŒberholten wir Leo ein weiteres Mal. Es regnete mal wieder. Diesmal sogar mit Hagel. Sehr unangenehm im Gesicht.

Bei der Wahl unseres Hotels waren wir dann wohl doch etwas zu optimistisch. Es war zwar nicht mehr so sonderlich weit, aber wir hatten keinen RĂŒckenwind mehr. Ganz im Gegenteil: Von Rotterdam bis zur KĂŒste zurĂŒck hatten wir mal wieder Gegenwind. Außerdem hatten wir nichts zu trinken gekauft. Das wollten wir uns im Hotel besorgen. Auch dafĂŒr brauchten wir zusĂ€tzliche Zeit. Wir fuhren also so schnell es irgendwie ging.

Kurz vor dem Hotel waren wir dann eigentlich genau im Zeitplan. Hatten noch etwa 5km zu fahren. Und dann passierte genau das, was einem so kurz vor dem Feierabend noch den Tag versauen kann. Ich fuhr durch eine 90 Grad Kurve. Hörte einen Knall und sofort hatte ich auch schon keine Luft mehr auf dem Hinterreifen. Mist Dreck! Bei der Demontage des Reifens sah ich dann einen etwa 1 cm langen Schnitt im Mantel. Ich entschied mich auf Nummer sicher zu gehen und montierte unseren Reservemantel. Im ersten Moment Ă€rgerte ich mich. Hatte ich durch die Eile zu viel riskiert? Hatte ich etwas ĂŒbersehen? Oder einfach nur Pech? Schlussendlich waren wir dann aber doch froh, dass das ganze so glimpflich ausging. Kein „Oh, wir kriegen den Mantel nicht von der Felge!“ oder Ă€hnliche Horrorgeschichten.

Das Hotel erreichten wir dann etwa 20 Minuten spĂ€ter als geplant. Mit dreckigen Fingern. Aber egal. Hauptsache wir konnten weiterfahren. Das Hotel entpuppte sich als nobler 4 Sterne Schuppen. Und dabei war es das gĂŒnstigste Hotel, welches wir auf der ganzen Tour hatten. Die RĂ€der sollten wir draußen in einen FahrradstĂ€nder abstellen. Das wollten wir allerdings nicht, da das Hotel relativ groß war und dort doch recht viele Menschen unterwegs waren. Schlussendlich wurden wir dann auf ein anderes Zimmer umgebucht und konnten die RĂ€der ĂŒber die Terrasse mit ins Zimmer nehmen. Perfekt.

Wir verschoben unser Zimmerpicknick und gingen nach dem Duschen direkt in die Bar, denn auch diese schloss bereits um 22 Uhr. Wir bestellten uns jeder etwas zu trinken und checkten auf dem Handy die sozialen Medien. Wir hatten vom Veranstalter eine E-Mail. Wir sollten unsere Tracker aufladen. Ging nur nicht ohne passendes Kabel. Eigentlich sollten die Tracker ja getauscht werden, was allerdings nicht passiert war. Wir fragten noch an der Rezeption nach, ob sie eventuell einen Mini-USB-Kabel hĂ€tten. Hatten sie aber nicht. Also beschlossen wir uns am folgenden Tag um das Problem zu kĂŒmmern. Denn jetzt war erst einmal Zeit fĂŒr das Zimmerpicknick. Ich hatte so richtig großen Hunger.

Strava – Ich: https://www.strava.com/activities/2345109458

Strava – Maren: https://www.strava.com/activities/2345095081

RATN 2019: Der Kompass dreht und Norden ist, wo SĂŒden war

Hier kommt nun also die Auflösung fĂŒr das Problem mit den nassen Handschuhen. Ich packte sie mir einfach mit ins Bett. Am Fußende unter die Bettdecke, da störten sie am wenigsten. Und siehe da, am Morgen waren sie tatsĂ€chlich trocken. Ich war begeistert. So begeistert, dass ich die Idee gleich in mein Randonneur-Handbuch aufgenommen habe.

Eine weniger gute Idee war es, direkt nach dem Aufstehen den Vla zu essen, der vom Zimmerpicknick ĂŒbrig geblieben ist. Maren? Warum ist da ĂŒberhaupt etwas ĂŒbrig geblieben? Jedenfalls vertrage ich Milchprodukte nicht sehr gut. Gerade in Kombination mit Fett habe ich oft Probleme. Ich dachte jedenfalls, dass das schon gut gehen wĂŒrde.

Der Wind hatte ĂŒber Nacht gedreht und kam nun aus Richtung Norden. Also wieder Gegenwind. Von Amsterdam bis nach Den Helder. Wieder ĂŒber 100km. ZusĂ€tzlich waren noch Regenschauer vorhergesagt. Wir wollten es ruhig angehen und versuchen, die kurzen Regenphasen durch geschickte Pausen zu vermeiden.

Bei dem ersten kurzen Stopp holten wir das nach, was ich auf unserer Usedom Vorbereitungstour vergessen hatte. Ich stellte mich in den Wind, hob mein Rad ein wenig an und liess von Maren ein Foto davon machen. Schon beeindruckend, wie der Wind das beladene Rad zur Seite drĂŒckte.

Mein Rad im Wind

Kurz vor Amsterdam sahen wir dann auch die erste dicke fette Regenwolke vor uns. Wir konnten deutlich sehen, wie der Regen fiel. Also machten wir eine zweite Pause. Als ich vom Sattel aufstand, bemerkte ich ein ungutes GefĂŒhl im Bauch. Ich bat Maren kurz mein Rad zu halten und verschwand hinter den Deich. Als ich wieder kam sagte ich nur: „Da wĂ€chst nun kein Gras mehr!“ Maren grinste. Blöder Vla am Morgen.

Amsterdam selbst gefiel mir nicht so recht. Wir fuhren ĂŒber schmale Wege auf Deichkronen in Richtung der Stadt. Die Wege waren nicht sehr gut und durch den Regen lag dort eine Menge aufgeweichter Schafskot. Als die Wege dann endlich besser wurden, erwischte uns dann doch ein kleiner Regenschauer. Zum GlĂŒck mussten wir nicht ins Stadtzentrum. Der Track fĂŒhrte uns ĂŒber Radwege an großen Straßen am Zentrum vorbei. Zum Fahren okay, aber nichts zum Gucken. Kurz hinter dem Ortsausgangsschild von Amsterdam wurde es dann wieder richtig schön.

Es ging ĂŒber weitlĂ€ufige PolderflĂ€chen, auf kleinen landwirtschaftlichen Wegen, weiter in Richtung Norden. Das war wieder wunderschön anzusehen. In Monnickendam war Markt. Dort konnten wir zwar nicht fahren, aber dafĂŒr konnten wir an einem Stand Brot mit verschiedenen Dips probieren. Lecker.

Unser nĂ€chstes Ziel, was ich auf der „Hier mĂŒssen wir unbedingt anhalten“-Liste hatte, war Irene Hoeve. Ein Hofladen bzw. SouvenirgeschĂ€ft, den ich bereits kannte. Dort machte ich vielleicht etwas kitschige Urlaubsfotos von Maren. Maren im Holzschuh, Maren mit Holzschuhen, Maren beim Holzschuh aussuchen … naja so typische Holland-Motive halt. Anschließend kauften wir uns dort noch 2 Sorten KĂ€se und einen Hanf-Lutscher.

Keine 10km spĂ€ter dann schon die nĂ€chste Pause in Volendam. Dort verlief der Track direkt durch das Zentrum mit entsprechendem Trubel. Ich wusste, dass es dort voll werden wĂŒrde, da in Amsterdam viele Tagestouren mit Bussen in diese berĂŒhmte KĂ€sestadt angeboten werden. Wir wollten dort Mittag essen. Es gab wieder Fisch: hollĂ€ndischer Matjes im Brötchen und eine riesige Portion Kibbeling. Anschließend gönnten wir uns zum Nachtisch noch eine Portion Poffertjes. Damit waren zwei weitere kulinarische Highlights abgehakt. Als wir weiter wollten kam leider die nĂ€chste Regenwolke. Also verlĂ€ngerten wir die Pause und Maren besuchte die Cheese Factory.

Fischbrötchen machen glĂŒcklich!

Der Track ging nun zu 100 Prozent nach Richtung Norden. Genau gegen den Wind. Wir kamen nur noch langsam voran, aber trotzdem war die Stimmung gut. Wir wussten ja, dass es ab Den Helder wieder nach SĂŒden gehen wĂŒrde. Das Ende des Gegenwindes war quasi absehbar.

Wir entdecken einen schönen kleinen Strand, den wir fĂŒr eine weitere kleine Pause nutzten. Maren machte ein Panorama Foto und das brachte mich auf eine Idee. Sie sollte ein zweites machen und wunderte sich warum. WĂ€hrend sie die Aufnahme machte, rannte ich dann ein paar Mal hinter ihrem RĂŒcken lang, so dass ich dann mehrfach auf dem Foto drauf war.

Schwachkopf hoch 3

Einen Moment spĂ€ter schepperte es. Der Wind hatte mein Rad umgeweht. Schaltwerk verbogen. Ich Depp hatte das Rad quer zum Wind abgestellt und dann auch noch die Schaltwerkseite nach außen. AnfĂ€ngerfehler. Zum GlĂŒck ließ sich aber alles wieder richten und es ging weiter.

Es folgte ein letzter Regenschauer, bei dem wir uns bei einem Touristen-Informationszentrum unterstellten. Wir nutzen die Zwangspause und entschieden uns, bis wo wir fahren wollten. Sprich, wir reservierten unser Hotel. Wir wollten nach dem ganzen Gegenwind frĂŒher Schluss machen und am Abend etwas die „Halbzeit“ feiern. Zum ersten Mal waren wir beide innerhalb weniger Tage ĂŒber 1000km mit dem Rad gefahren.

Als wir das IJsselmeer verliessen und in Richtung Den Helder fuhren bemerkte ich, dass mein Hintern etwas schmerzte. Nicht schlimm, aber so richtig lange in einer Position im Sattel bleiben ging nicht wirklich. Ich sagte Maren davon nichts. Aber sie wird es sicher bemerkt haben, denn meine FĂŒhrungsarbeit wurde deutlich kĂŒrzer. Ich forderte sie öfters zum Wechsel auf.

Tulpenfeld kurz vor Den Helder

In einer letzten Pinkelpause quoll in meinem Kopf der Dummfug mal wieder ĂŒber. Ich beschwerte mich bei Maren: „Wir könnten RATN gewinnen, da du wie ein Kerl Fahrrad fahren kannst. Verlieren aber trotzdem, da du wie ein MĂ€dchen pinkelst.“ Auch darĂŒber konnte Maren lachen. Sie versprach mir daran zu arbeiten und ich versprach ihr, bei unserem nĂ€chsten Bike Packing Adventure ebenfalls wie ein MĂ€dchen zu pinkeln. Ich weiß jetzt zwar nicht wie Maren schneller werden will, aber bei mir wird das sicher lustig aussehen.

Kurz vor Den Helder war mir dann alles egal. Gegenwind, Regen, Sitzprobleme … alles egal. Wir waren nun genau dort, wo ich meinen ersten Familienurlaub in den Niederlanden verbracht hatte. Mir kam jede Straße, jede Kreuzung bekannt vor. Ich erinnerte mich an die Momente zurĂŒck, wie ich meine kleine Tochter dort mit dem Kinderwagen lang geschoben hatte. Wie sie sich an ihren ersten Worten versuchte. Das motivierte mich, ich ließ keinen Wechsel mehr zu und fuhr die restlichen Kilometer vorne im Wind.

Es folgte ein wunderschöner Abschnitt vorne am Meer. Kein Deich mehr, der den Blick versperrte. Wir konnten die beiden TexelfĂ€hren und natĂŒrlich auch die Insel sehen. Der Wind war dort natĂŒrlich noch einmal richtig heftig, aber trotzdem machten wir gefĂŒhlt etwa 3 Millionen Bilder.

Olaf, der hÀssliches Hund der Welt, war auch mit in NL

Und dann ging es Richtung SĂŒden. Wir rollten mit ĂŒber 30kmh durch die Landschaft, die sich komplett verĂ€ndert hatte. Wir sahen nun große und kleine DĂŒnen. Aus den Schafen vom Deich waren nun wildlebende Hasen geworden. Wir hatten nur noch wenige Kilometer bis zum Hotel.

Da die Stimmung so gut war und wir auch gut in der Zeit lagen, entschieden wir uns fĂŒr eine weitere Pause. Wenn man weiß, wo man ĂŒbernachten wird, ist es ja komplett egal wie schnell man dorthin fĂ€hrt. Wir machten genau dort Pause, wo ich öfters mit meiner Familie an den Strand gegangen bin: einem Imbiss in Julianadorp. Dort aßen wir jeder eine Frikandel und eine „Van Dobben-Krokette“. Noch einmal zwei kulinarische Highlights abgearbeitet.

Direkt in dem Ort, in dem unser Hotel lag, kauften wir im Supermarkt fĂŒr unser Zimmerpicknick ein. Zur Feier des Tages wegen der erreichten 1000 Kilometer diesmal mit einer Flasche Rotwein. Neben den ĂŒblichen Sachen gab es dazu Brot und den KĂ€se von Irene Hoeve. Durch Zufall durften unsere RĂ€der mitfeiern, denn sie bekamen einen luxuriösen Stellplatz in einer Tiefgarage. Einzig die Anwesenheit von so RĂ€dern mit Motor, die mit Kabeln an der Wand befestigt waren, war unseren RennrĂ€dern nicht ganz geheuer.

Vielleicht lag es am Rotwein, ich fĂŒhlte mich an dem Abend jedenfalls merklich befreit. Der Druck irgendetwas erreichen zu wollen war weg. Klar wollte ich immer noch ins Ziel kommen, aber die erreichten 1000 Kilometer waren etwas worauf ich stolz sein konnte. Gerade jetzt wo wir bemerkten, das einige Fahrer mit denen wir mehr oder weniger Kontakt hatten, aufgeben mussten.

Beim Zimmerpicknick versuchte ich mich, wie Maren es mit dem HackbÀllchen Vla vorgemacht hatte, auch an komischen Essenskombinationen. Schokolade mit Senf. Ananas mit Filet American-Dip. Irgendwie schmeckte das dann doch alles.

Zimmerpicknick

Strava – Ich: https://www.strava.com/activities/2341913752

Strava – Maren: https://www.strava.com/activities/2341892797

RATN 2019: Wellen Wind und Wolken

Nachdem ich nach RATN wieder zu Hause war, wurde ich von vielen Leuten gefragt, wie man sich motiviert jeden Tag wieder aufs Rad zu steigen. Die Antwort auf diese Frage entwickelte sich an unserem dritten Tag. Wir wachten beide auf und ich stellte Maren die rhetorische Frage: „Was machen wir heute?“ Sie lĂ€chelte mich an und antwortete: „Wie wĂ€re es mit einer kleinen Radtour?“ Genau mit diesem Dialog begann ab Tag 3 jeder weitere Tag. Wir motivierten uns also gegenseitig, zogen uns quasi an den eigenen Haaren aus dem Sumpf. Wer Maren kennt, sollte auch wissen, dass das mit ihren Haaren sehr gut funktionieren muss.

Wir wussten, dass der dritte Tag hart werden wĂŒrde. Wir waren in den hollĂ€ndischen Alpen angekommen. Der Wind wehte aus Nordwesten, im Durchschnitt mit 30 kmh, mit Böen bis zu 50 kmh. Das entspricht WindstĂ€rke 4 und 6, also irgendwas zwischen mĂ€ĂŸige Brise und starker Wind. Die ersten 115 Kilometer des Tages ging es gegen den Wind.

Da ich mir ein Fischrestaurant auf der Karte markiert hatte, wo ich unbedingt hin wollte, starteten wir erst relativ spĂ€t in den Tag. Das Restaurant lag nur etwa 40 Kilometer von unserem Hotel entfernt. Es öffnete um 9:30. Dort wollten wir FrĂŒhstĂŒck essen. Lecker Backfisch zum FrĂŒhstĂŒck: Was gibt es Besseres?

Noch bevor wir uns auf den Weg machten, reinigten wir die Ketten unserer FahrrĂ€der und spendierten ihnen auch neues Öl. Wir hatten ja Zeit. Aber dann, gleich nach den ersten Metern, bekamen wir den Wind zu spĂŒren. Mit nur knapp 22-23 kmh ging es in Richtung Fischrestaurant. Auch fuhren wir zum ersten Mal nicht mehr quatschend nebeneinander. Ich war ganz froh, dass wir bei unseren „Blind Trust“-Touren das Windschatten fahren geĂŒbt hatten. Hier nutzte es uns ungemein.

Ohne Unterhaltung war ich wĂ€hrend der Fahrt mit meinen Gedanken allein. Die ersten 15 Minuten dachte ich noch an das FrĂŒhstĂŒck, aber kurz darauf war der Kopf einfach nur leer. Ich fing an, eines meiner Lieblingslieder in Gedanken zu singen. Immer und immer wieder. Eigentlich die kompletten 115 Kilometer lang. Danke Sven fĂŒr dieses tolle Lied. Am Abend im Hotel habe ich es mir dann auch nicht nehmen lassen und das Video einmal geschaut.

Etwa auf halbem Weg zum Fischrestaurant bemerkte ich, dass wir zu schnell waren. Ich empfand es als sinnlos, dort unnötig KrĂ€fte zu verpulvern, um dann vor dem verschlossenen Restaurant zu stehen. Also fuhren wir noch langsamer. Kurze Zeit spĂ€ter erreichten wir einen Aussichtspunkt auf dem Deich. Dort hielten wir, um Fotos zu machen. Ich konnte das Meer sehen. Ich war glĂŒcklich. Mega glĂŒcklich. Ich hĂ€tte zu dem Zeitpunkt an keinem anderen Ort der Welt sein wollen. Alles war perfekt.

Endlich das Meer sehen!

Kurze Zeit spĂ€ter erreichten wir unser Restaurant und stellten die RĂ€der dort direkt auf die Terrasse. So frĂŒh am Morgen war ja sonst keiner da. Wir machten noch schnell ein Selfie in einem Strandkorb und gingen dann in das Restaurant.

Strandkorb-Selfie

Kleiner Einschub: FĂŒr uns beide heißt Team, das man versucht, möglichst alles auf dem unkompliziertesten Weg zu klĂ€ren. So machten wir zum Beispiel in Pausen nie getrennte Kassen. Wir entschieden einfach aus dem Bauch heraus, wer mit bezahlen dran war, so das am Ende der Fahrt jeder in etwa die HĂ€lfte bezahlt hatte. Ein netter Nebeneffekt davon: Wir sparten auch viel Zeit, da immer nur einer einkaufen musste.

Diesmal war ich jedenfalls mit Bezahlen und auch mit Aussuchen an der Reihe, wÀhrend Maren bereits einen Tisch mit Sicht auf die RÀder in Beschlag nahm. Ich bestellte mehrere frittierte Fischgerichte:
Schollenfilet, Kibbeling, Muscheln und dazu eine Portion Pommes. Ein perfektes FrĂŒhstĂŒck. Mit jedem weiteren Gericht, welches ich bestellte entgleiste das Gesicht des Kellners immer weiter. Er schaute jedes Mal nach hinten in die KĂŒche. Wahrscheinlich um zu checken, ob die Fritteuse schon heiß war.

Das perfekte FrĂŒhstĂŒck

Als wir beim Essen waren, hielt auch unser gelber Motivationspunkt vom Vortag an dem Restaurant. Auch er bestellte sich ein warmes FrĂŒhstĂŒck mit frittiertem Fisch und Pommes. Er setzte sich zu uns an den Tisch und wir unterhielten uns kurz.

Der nĂ€chste Teil vom Track wurde dann etwas angenehmer. Es ging zwar immer noch gegen den Wind, aber dieser war nicht mehr ganz so stark, da wir direkt hinter dem Deich fuhren. Schneller waren wir aber trotzdem nicht. Wie auch in Ostfriesland waren auf dem Deich Schafe und wir mussten durch gefĂŒhlt 100 SchafstĂŒren fahren. Also die Form von Gattern, die man meist nur schwer öffnen kann und wenn man sie loslĂ€sst sofort wieder zufallen. Und zwar so schnell, das ich immer Angst hatte mir das Teil direkt gegen das Hinterrad zu ballern.

Hinterm Deich ging es weiter

Ganz lustig waren allerdings die Schafe. Die kleinen LĂ€mmer hatten vor uns Radfahrern Angst. Die Elterntiere dagegen waren durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Oft blieben sie auch einfach auf dem Weg sitzen. Im Nachhinein erfuhren wir, dass einer der Fahrer kurz vor Harlingen mit einem Schaf kollidiert war und sich dabei die Nase mehrfach brach. Uns passierte zum GlĂŒck nichts. Aber ich fragte auch fast jedes Schaf ganz nett, ob es uns vorbeilassen könnte. Auf ein „MÀÀÀhhh“ von mir wurde immer mit mehreren „MÀÀÀÀÀhhhs“ von den Schafen geantwortet. Witzig.

MÀÀÀhhh

Wenn ich mit meinen Gedanken alleine bin, komme ich oft auf sehr komische Dinge. Naja, eigentlich immer. Meine Frau kann da mittlerweile ein Lied von singen und Maren kennt das nun auch sehr gut. Jedenfalls wie ich so hinter Maren her fuhr, fiel mir auf das sie und die Schafe auf dem Deich wahrscheinlich zum gleichen Frisör gehen. Und da ich ein Trampel bin, sprach ich diesen Gedanken natĂŒrlich auch laut aus. Maren fand das zum GlĂŒck witzig.

Kurze Zeit spĂ€ter fing es an, ein klein wenig zu regnen. Wir konnten uns nicht entscheiden, ob wir die Regenjacken anziehen sollten oder nicht. Schlussendlich entschieden wir uns doch dafĂŒr. Wir nutzten den Moment dann auch gleich fĂŒr eine kleine Pause. Direkt neben so einem Touristen-Info-Schild. Ganz verstanden hatte ich die hollĂ€ndische Infotafel nicht, aber ich glaubte, dass er eine verlĂ€ngerte Version des bekannten Jakobsweges zeigte, der eben im hollĂ€ndischen Ort: „Sint Jacobiparochie“ startete. Aber auch egal: Wir scherzten beide und fragten uns, ob dies nicht ein Projekt fĂŒr das nĂ€chste Jahr wĂ€re.

Projekt fĂŒr das nĂ€chste Jahr?

In Harlingen wollten wir schon wieder Pause machen. Nach dem ganzen Gegenwind hatten wir Bock auf ein Eis. Kurz davor gab es aber noch einen wichtigen Ortsschildsprint zu gewinnen. Zumindest fĂŒr mich. Maren hatte das entweder nicht auf dem Plan oder keine Lust. Aber egal, ich wollte als erster in dem ZĂŒrich ohne Berge und ohne Ü-Striche ankommen. Auch wenn das nur ein kleines Dorf mit einem Hotel, 2 Restaurants und einem Nachtclub war. FĂŒr letzteres war es noch zu frĂŒh, also ging es weiter in Richtung Eis.

ZĂŒrich ohne Berge und ohne Ü-Striche

Dummerweise fanden wir in Harlingen dann keine Eisdiele. Wir entschieden uns dann einfach, ein Eis aus dem Supermarkt zu holen, denn vor dem Eingang stand ein Werbeschild: 4 Magnum fĂŒr 3 Euro. Ich war wieder dran mit aussuchen und bezahlen. Ging dann also in den Laden und rief Maren noch zu: „Das kaufe ich aber nicht. Das ist zu viel fĂŒr uns. Ich suche einzelne Eis.“ Quasi im Vorbeigehen verfing sich eine Packung Donuts und eine Packung geschnittene Mango in meinen HĂ€nden. Einzeln verpacktes Eis fand ich nicht. Auch nicht die Packung mit den 4 Magnum. DafĂŒr aber eine Packung mit 6 Mini Magnum fĂŒr nicht einmal 2 Euro. Also nahm ich die. Draußen durfte ich mir dann anhören: „Ach und 4 Eis waren zu viel?“ – „Klar, 6 sind doch viel besser.“ Das war dann ein Argument, gegen das Maren auch nichts mehr sagen konnte.

Nach Harlingen ging es auf die „kleine“ Umleitung. Eigentlich sollte es ĂŒber den Abschlussdeich gehen, aber da dieser in den nĂ€chsten 3 Jahren erneuert wird und dadurch fĂŒr Radfahrer gesperrt ist, entschied sich der Veranstalter fĂŒr eine Umfahrung des Deiches. Mal eben locker um das IJssel- und das Markermeer. Schlappe 200km Umleitung. Heftig, aber auch wunderschön.

Wunderschön fĂŒr uns: Der Track ging nun nicht mehr Richtung Westen, sondern nach SĂŒden. RĂŒckenwind. Viel RĂŒckenwind. Wir fuhren wieder mit ĂŒber 30kmh. Und wie sollte es anders sein: Genau auf diesem Abschnitt fuhren wir auf einen anderen RATN-Fahrer auf. Wir grĂŒĂŸten, erhielten aber nur eine mĂŒrrische Antwort. Im nĂ€chsten Ort, an dem wir fĂŒr ein Foto hielten, ĂŒberholte er uns wieder.

Als wir ihn dann wieder eingeholt hatten, versuchten wir nicht erneut ein GesprĂ€ch anzufangen. Maren setzte mit ordentlich Schwung an um ihn zu ĂŒberholen. Ich setzte nochmal einen drauf und wir knallten mit knapp unter 40kmh an ihm vorbei. Einmal auf dicke Hose machen. Das fĂŒhlte sich gut an. Sehr gut sogar. Nachdem wir den ganzen Vormittag nur mit um 20kmh unterwegs waren, war das fast wie fliegen.

Kurze Zeit spĂ€ter drĂŒckte schon wieder eine Blase. Also suchten wir uns einen schönen Platz zum Pausieren. Wir fanden eine schöne kleine BrĂŒcke, auf der ich es mir sogleich bequem machte. Dort gab es dann die Mango und die Donuts. Das war fĂŒr mich auch wieder einer dieser Momente, der ewig hĂ€tte andauern können. Und das war wohl in der Tat auch wirklich so, denn wir wurden von 3 RATN Fahrer ĂŒberholt. Einzige Aktion unsererseits: Wir machten Fotos von ihnen.

Die Mango Pause

Als wir weiter fuhren trafen wir Christian Timmer, einen deutschen Teilnehmer. Er war angetan, sich mal wieder auf Deutsch mit jemandem unterhalten zu können. Wir kannten uns bereits vom Start wo wir uns auch schon etwas unterhielten und er von seinem Plan erzĂ€hlt hatte, jeden Tag etwa 400km fahren zu wollen. Daher war gleich unsere erste Frage an ihn, warum er erst „hier“ war. Er erzĂ€hlte uns dann, dass er gesundheitliche Probleme und auch auch Probleme mit dem Rad hatte. Seine Zeit verbrachte er beim Arzt bzw. beim Mechaniker. Uns leuchtete ein, dass man so keine 400km am Tag fahren kann.

Am IJsselmeer

Kurze Zeit spĂ€ter verließ er uns wieder. Er fuhr schneller als wir, wollte sein GlĂŒck versuchen und möglichst viel Strecke machen. Wir entschieden uns ein Hotel fĂŒr die Nacht zu suchen und die Wahl fiel diesmal auf Lelystad. Außerdem gingen wir auch gleich in den nĂ€chsten Supermarkt und kauften fĂŒr unser nun bereits obligatorisches Zimmerpicknick ein. Restaurant gab es nĂ€mlich wieder nicht.

Wir fuhren nun wieder am Deich. Jetzt allerdings auf der Wasserseite. Der Wind kam ebenfalls von der Seite. Das war dann leider nicht mehr ganz so angenehm. Außerdem konnten wir sehen, was fĂŒr ein Wetter auf uns zukam. Regen. Genug davon um unsere Kleidung komplett zu wĂ€ssern.

Am Horizont sah ich dann eine BrĂŒcke und erinnerte mich an unseren Familienurlaub, in dem ich schon einmal in Lelystad gewesen bin. Damals war ich mit dem Auto ĂŒber den Damm zwischen IJsselmeer und Markermeer gefahren. Am Ende, kurz vor Lelystad kam dann eine BrĂŒcke. Ich ordnete die BrĂŒcke dann fĂ€lschlicherweise dem Damm zu und sagte Maren, dass wir es gleich geschafft haben. War dann allerdings nicht so. Wir mussten ĂŒber diese BrĂŒcke.

Anschließend kam das wohl schwerste TeilstĂŒck des Tages. Es waren nur noch 15 Kilometer bis zum Hotel. Aber wenn man aufgrund des Gegenwindes nur 15kmh fahren kann, dann dauert das eben. Schlecht fĂŒr den Kopf, vor allem, wenn dieser gedanklich bereits im Hotel war. Neben der Strecke standen im Wasser Windkraftanlagen. Vielleicht so 40 StĂŒck. Ich begann sie zu zĂ€hlen. Ganz langsam wurden es weniger. Ganz, ganz langsam.

Dazu kam auch noch, dass Maren einen weiteren WC Stop benötigte: 5km vor dem Hotel. Sie haderte lange: Anhalten? Weiterfahren? Doch anhalten? Der Druck wurde dann aber doch zu groß und wir hielten an. So mitten im Nichts. Nur Deich, Weg und WindrĂ€der. Nicht gerade der beste Ort fĂŒr eine Frau, die gerade muss. Ich hielt ihr Rad und zĂ€hlte die verbleibenden WindrĂ€der noch einmal durch. Es waren immer noch viel zu viele. Im Nachhinein war die Entscheidung anzuhalten aber wieder goldrichtig.

Endlich erreichten wir dann doch unser Hotel in Lelystad. Wir wollten nur noch schnell in unser Zimmer: Duschen, Essen, Bett wie immer. Wir hatten unseren Plan allerdings nicht mit der Besitzerin des Hotels gemacht. Sie war nĂ€mlich sehr gesprĂ€chig. ErklĂ€rung hier, ErklĂ€rung da. Es dauerte eine gefĂŒhlte Ewigkeit, bis wir dann endlich in unserem Zimmer waren.

Dort gab es dann das nĂ€chste Problem. Das Zimmer war zwar schön warm, die Heizung an, aber trotzdem war sie kalt. Das war sehr schlecht fĂŒr unsere vom Regen durchnĂ€ssten Klamotten. Vor allem fĂŒr meine Handschuhe. Es waren nĂ€mlich beide Paare nass. Da musste ich mir was einfallen lassen. Aber trotzdem ließen wir uns erst einmal das Zimmerpicknick schmecken.

Zimmerpicknick Nummer 3

Strava – Ich: https://www.strava.com/activities/2339254209

Strava – Maren: https://www.strava.com/activities/2339276125

RATN 2019: Ein Schritt nur, vor uns ist die See

Wie immer vor Radtouren wachte ich auch an diesem Tag genau 10 Minuten vor dem Wecker auf. Nach einem kurzen Check auf dem Handy stand ich auf und machte mich ĂŒber die Reste des Zimmerpicknicks her. Was zum Abendbrot geht, kann als FrĂŒhstĂŒck auch nicht schlecht sein. Eigentlich schon komisch, dass es Reste gab. Aber egal, gegessen wurde es ja trotzdem.

Maren erhielt von Mark Humme Sprachnachrichten ĂŒber WhatsApp, die sein komisches Verhalten am vorherigen Abend erklĂ€rten. Er fuhr bis Enschede und suchte sich dort ein Hotel. Er wurde nicht so recht fĂŒndig und entschied sich fĂŒr ein B&B, welches er quasi bereits vor 15km passiert hatte. @Mark: Ist vielleicht ein ĂŒberheblicher Pro-Tipp, aber mit etwas besserer Vorbereitung hĂ€ttest du unnötige Fahrerei vermeiden können.

Mit unseren 280km, die wir am ersten Tag fuhren, waren wir richtig zufrieden. So hatten wir uns bereits einen kleinen Puffer rausgefahren, falls etwas Unerwartetes passieren sollte. Trotzdem entschieden wir uns, am zweiten Tag etwa eine Stunde frĂŒher loszufahren, um etwas mehr Fahrzeit zur VerfĂŒgung zu haben. Wie weit uns das bringen sollte, war eigentlich egal. Ich hatte mir allerdings vorgenommen, an diesem Tag bereits das Meer zu sehen.

Wir verließen kurz vor 7 Uhr unser Hotelzimmer. Maren wieder mit ihrem modischen MĂŒlltĂŒtchen und ich mit vollgepackten Armen. Wir befreiten unsere RĂ€der aus der Garage und packten unsere Taschen und schon waren wir wieder unterwegs. Und kurze Zeit spĂ€ter ĂŒberholten wir direkt ein anderes Team. Die Stimmung war sehr gut.

Meine Frau schickte mir wĂ€hrenddessen immer mal wieder Screenshots von der Tracking-Seite. Aber nicht weil uns unsere Position in der Teamwertung interessierte. Wir wollten wissen, ob sich bei uns in der NĂ€he andere RATN-Fahrer aufhielten, denen man mal „Hallo“ sagen konnte. @AdventureBikeRacecing: Die Bedienung der Trackingseite auf dem Handy ist alles andere als gut. Da besteht Potential zur Verbesserung.

Bereits am Vormittag entdeckten wir in einem Dorf einen riesigen Holzschuh, den wir bereits von RATN Fotos aus dem Vorjahr kannten. Hier mussten wir natĂŒrlich auch anhalten. Ich war noch nicht einmal richtig vom Rad runter, da war Maren auch schon auf bzw. in den Holzschuh geklettert. Ich packte die Kamera aus, stellte den Selbstauslöser ein und machte ein paar lustige Fotos. Da es wohl nicht so gut ausgesehen hĂ€tte, wenn wir RATN hĂ€tten abbrechen mĂŒssen, weil ich vom Holzschuh gefallen bin, blieb ich lieber einfach davor stehen. Und wĂ€hrend wir da so rumalberten, ĂŒberholte uns das andere Team wieder. Dabei lachten sie uns an oder aus. Wir winkten und dachten: „Ach wir haben euch eh gleich wieder.“

Holzschuh-Zwangspause

Kurz darauf ĂŒberholten wir eine lustige Rentnergruppe, teils mit normalen RĂ€dern, teils mit E-Bikes. Maren erinnerte mich an meinem Profi-Vertrag und fragte, ob die Gruppe nicht was fĂŒr mich sei. Ich wollte mich dann direkt dort anschließen und natĂŒrlich auch ein Foto davon machen. Da sie aber kaum in der Lage waren geradeaus zu fahren, gelang mir nur dieses schlechte Bild. Auch hier klappte es also nicht mit meinem Vertrag. Schade.

Die niederlÀndische Rentner-Nationalmannschaft

Gegen Mittag sprachen wir davon, uns langsam aber sicher irgendwas zu suchen, wo wir uns was zu Essen gönnen könnten. Ich vermutete, dass dies in den Dörfern eher schwierig werden wĂŒrde. Aber nur ein paar Kilometer spĂ€ter standen wir vor einer DorfbĂ€ckerei. Laut Schildern an der TĂŒr bereits 100 Jahre da. FĂŒr mich fĂŒhlte es sich aber so an, als wenn sie gerade erst extra fĂŒr uns dort „hingestellt“ wurde.

Wir nahmen die 20 Euro in die Hand, die wir am ersten Tag durch den Umweg gespart hatten und deckten uns mit Kuchen und Brötchen ein. Dazu noch fĂŒr jeden einen Kaffee. Vor der TĂŒr, unter einem Baum, war eine Bank zum Sitzen. Dort machten wir es uns gemĂŒtlich und vernichteten die eben gekauften Lebensmittel. Als der Kaffee leer war, kam die BĂ€ckerin und schenkte uns nach. Wenn es nicht so kalt gewesen wĂ€re, dann wĂŒrden wir wohl immer noch da sitzen. So schön war es dort.

BĂ€ckerei Slatman mit Dorfhund

Plötzlich wurde das Wetter dann deutlich schlechter und es fing an zu regnen. Als der Regen immer stĂ€rker wurde entschieden wir uns dafĂŒr, unter einem Baum unsere Regensachen anzuziehen. Dabei passierte mir ein Missgeschick, von dem ich die restliche Fahrt was hatte. Beim Überziehen der Überschuhe öffnete ich aus Versehen den Drehverschluss meines rechten Schuhs. Da ich es nicht bemerkte, fuhr ich quasi einen halben Tag lang mit offenem Schuh und dadurch scheuerte ich mir den Hacken und auch den Spann wund. Profi halt. So wird das wohl auch nichts mit meinem Vertrag.

Aber ich war soweit ein Profi, dass ich meine Regensachen deutlich vor Maren angezogen hatte. Ich war bereits fertig, da kĂ€mpfte sie noch damit, ihre Regenjacke aus der Verpackung zu befreien. FingernĂ€gel waren wohl zu kurz. Ich nutzte die Pause dann noch, um den Riegel zu essen, den Frank (ein Arbeitskollege) mir vor der Fahrt geschenkt hatte. Schönen Dank dafĂŒr. Trotz Regen war die Stimmung allerdings immer noch sehr gut. Und sie wurde schnell noch besser, da der Regen auch schnell wieder vorbei war.

Danke Frank!

Auf Facebook hatten wir gesehen, dass in der Festung Bourtange von anderen Fahrern Fotos gemacht wurden. Als wir dort ankamen, war dort allerdings keiner mehr. Also machten wir das, was wir bereits nahezu perfektioniert hatten. Wir machten unsere eigenen Bilder.

Festung Bourtange

Am spĂ€ten Nachmittag machte der Track dann einen ersten kleinen Bogen in Richtung Westen. Wir bekamen einen kleinen Vorgeschmack dessen, was uns die nĂ€chsten Tag erwarten wĂŒrde. Gegenwind. Viel Gegenwind. Sehr viel Gegenwind und wahrscheinlich noch mehr Gegenwind. Hier etwas von der KĂŒste entfernt war es noch ertrĂ€glich. Aber wir merkten schon, dass es nicht mehr so gut voran ging.

Schön, aber noch nicht das Meer

Auf einer langen Geraden sah ich dann am Horizont einen kleinen gelben Fleck. Ich vermutete, dass dies ein weiterer RATN Fahrer sein könnte. Ab dem Moment war ich dann motiviert. Ich lege mich auf die „StĂ€bchen“ und versuchte den gelben Motivationspunkt einzuholen. Was dann auch relativ schnell gelang. Und ja, es war ein RATN Fahrer.

Ich redete mit ihm. Oder vielmehr ich versuchte es. Ich wusste ja, dass mein Englisch alles andere als gut ist. Aber da versagte ich komplett. Ich wollte einfach nur sagen, dass ich an dem Tag noch gerne das Meer sehen wolle. Aber mir fiel einfach nicht ein, was Meer auf Englisch heißt. Also umschrieb ich es. Irgendwie mit HĂ€nden und FĂŒĂŸen und so wie ich mich kenne mit Vokabeln aus einer Handvoll verschiedener Sprachen. Ich Vollpfosten … aber immerhin hatte ich mich getraut ihn anzusprechen. Komfortzone erfolgreich verlassen. Ich hĂ€tte auch genauso gut schweigend an ihm vorbei fahren können.

Kurz vor Groningen buchten wir in einer kurzen Pinkelpause unser Hotel. Wieder klappte es problemlos. Wir wollten bis kurz nach Eemshaven zu dem Hotel „Dijkzicht Logies“ fahren. Und wĂ€hrend wir so am Buchen waren, ĂŒberholte uns wieder mein Motivationspunkt. Das Spielchen begann also von vorne.

Maren organisiert das Hotel fĂŒr die Nacht

Bisher verlief der Track an allen grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten vorbei. Durch Groningen mussten wir aber fast direkt durchs Zentrum. Das erste Mal hieß es fĂŒr uns Stop and Go von Ampel zu Ampel und wir erfuhren zum ersten Mal, wie viele Menschen in den Niederlanden mit dem Rad unterwegs sind.

Maren erzĂ€hlte mir, dass Stefan (ein gemeinsamer Freund von uns) ihr den Auftrag gegeben hatte, ihm eine hĂŒbsche HollĂ€nderin mitzubringen. Von mir wollte er einfach nur ein Radtrikot in den Farben der niederlĂ€ndischen Fahne. Vermutlich weil er meinem Stil nicht traut. Jedenfalls trafen wir nur just ein paar Momente spĂ€ter auf eine leicht bekleidete HollĂ€nderin, die bestimmt was fĂŒr Stefan gewesen wĂ€re. Aber da ihr Rad fĂŒrchterlich am Quietschen war, weigerte ich mich sie mitzunehmen. Sorry Stefan. Vielleicht nĂ€chstes Mal.

Auch Traktoren wurden einfach so ĂŒberholt

Kurz darauf erreichten wir die KĂŒste. Ich fĂŒhlte mich wie in Friedrichskoog, dem Ort an der Nordsee, in dem meine Eltern ein kleines Ferienhaus besitzen. Das flache Land, die vielen KanĂ€le, die Bauernhöfe mit den SB-VerkaufsstĂ€nden vor der TĂŒr, die vielen Möwen und auch die salzige Luft. Alles kam mir sehr vertraut vor. Selbst das Wetter war sehr vertraut, denn es fing wieder an zu regnen. Es fehlten aber trotzdem 2 Dinge. Es gab keine großen Felder mit den verschiedenen Kohlsorten und ich konnte einfach kein Meer sehen. Meine letzte Hoffnung war Eemshaven. Ich vermutete, dass ich dort am Hafen endlich Wasser sehen könnte. Aber leider war auch dort alles verbaut. Ich konnte nur ein grĂ¶ĂŸeres Schiff hinter einer Lagerhalle entdecken.

Sonnenuntergang an der KĂŒste

Direkt vor unserem Hotel standen 2 Personen am Straßenrand. Einer von beiden mit einer Kamera. Wir dachten, dass uns der Veranstalter „wiedergefunden“ hatte und nun Fotos von uns macht. Es stellte sich allerdings heraus, dass dies die Eltern von Erik Venneman, einem weiteren Fahrer in unserer NĂ€he, waren. Wir unterhielten uns kurz mit der Mutter, wĂ€hrend der Vater weitere Fotos von uns machte. Genau in dem Moment kam Erik dann auch angefahren. Der Vater verpasste allerdings seinen eigenen Sohn, da er noch Bilder von uns machte. @Erik Venneman: Sorry. Wir zogen uns daraufhin höflich in unser Hotel zurĂŒck.

Die RĂ€der ĂŒbernachteten diesmal unter der Treppe. Der Weg zum Zimmer war nicht weit. Ich konnte also mehrfach laufen, bis ich alles was ich brauchte im Zimmer hatte. Da unsere Klamotten vom Regen noch nass waren, wuschen wir sie hier zum ersten Mal aus. Über Nacht drehten wir im Bad dann die Heizung voll auf und hofften darauf, dass die Kleidung am Morgen wieder trocken sein wĂŒrde. Klappte nicht. DafĂŒr hĂ€tte man fĂŒr die miefige Luft im Bad einen Waffenschein beantragen können.

Auch an diesen Abend gab es wieder ein Zimmerpicknick, da es weit und breit kein Restaurant gab, welches so spĂ€t noch geöffnet hatte. Und auch beim Picknick versuchten wir Zeit zu sparen. Maren telefonierte wĂ€hrend sie aß mit ihrem Freund. Schmiss dabei genĂŒsslich HackbĂ€llchen in ihren DoubleVla, einen Vanille-/Schokoladenpudding und aß es ohne mit der Wimper zu zucken auf. Ich dachte nur: WTF!

Zimmerpicknick Nummer 2!

Strava – Ich: https://www.strava.com/activities/2336983437

Strava – Maren: https://www.strava.com/activities/2337036554

RATN 2019: Die erfolglose Suche nach dem Hanffeld

Die erste Nacht in den Niederlanden war super. Ich konnte richtig gut schlafen, keine Aufregung und auch keine TrĂ€ume plagten mich. Irgendwie fĂŒhlte es sich auch so an, als wenn man bereits einen Tag gefahren sei. Der bevorstehende Start war eigentlich nur noch eine nebensĂ€chliche Pflichtveranstaltung.

Obwohl ich uns den Wecker recht zeitig gestellt hatte, wurde es am Morgen dann doch relativ stressig. FrĂŒhstĂŒck essen, Anziehen, Sachen verstauen und Trinkflaschen vorbereiten waren dann doch relativ viele Aufgaben, die erledigt werden mussten. Außerdem hatten wir noch relativ viel Essen vom Vortag ĂŒbrig, das dann schnell in einem unserer kleinen RucksĂ€cke verstaut wurde. Aber trotzdem hatte ich noch Zeit fĂŒr Blödsinn. Auf dem Flur im Hotel stand eine Mischung aus Holzfahrrad und Schaukelpferd. Da musste ich natĂŒrlich rauf.

Ich bin soweit. Das Pferd ist gesattelt!
Ich bin soweit. Das Pferd ist gesattelt!

Der Start sollte um 8 Uhr am Cafe DE PROLOOG erfolgen, also fuhren wir dort wieder hin. Unterwegs trafen wir unsere erste Entscheidung. Etwa 150km nach dem Start lag ein Nationalpark auf dem Track, fĂŒr den man 10 Euro Eintritt zahlen musste. Alternativ hatte der Veranstalter eine „Umleitung“ geplant, die um den Park herum fĂŒhrte. Diese war etwa 3 km lĂ€nger. Wir entschieden uns dafĂŒr außen herum zu fahren und wollten die gesparten 20 Euro in Essen investieren. Kuchen fĂŒr Maren … eigentlich immer die bessere Wahl.

Kurz vor dem Start am Cafe DE PROLOOG
Kurz vor dem Start am Cafe DE PROLOOG

Das Briefing an sich war leider relativ öde. Es fand draußen statt. Alle Fahrer bereits startbereit mit ihren RĂ€dern im Halbkreis um Michael Wacker, der ohne Mikrofon in den hinteren Reihen leider nur schlecht bis gar nicht zu verstehen war. Einzige Information die ich mitnahm war, dass die Tracker Strom fĂŒr 5 Tage hatten und dann mit einem Mini-USB-Kabel aufgeladen werden mĂŒssten. Aber da niemand so ein Kabel dabei hatte, sollten die Tracker unterwegs vom Orga-Team getauscht werden.

Die letzten Worte von Michael verstand ich wieder. Er wĂŒnschte uns viel GlĂŒck und schon rollten die ersten Fahrer. Es ging los. Wir starteten wie wir es uns vorgenommen hatten hinten. Gut gelaunt fuhren wir sogleich die erste kleine Steigung hoch. Die Straße war eng und voll mit den knapp 120 Radfahrern. Zum GlĂŒck verteilten sie sich relativ schnell.

Überholen ohne einzuholen :-)
Überholen ohne einzuholen 🙂

Ohne uns groß abzusprechen legten wir die Geschwindigkeit fest mit der wir durch die Landschaft dĂŒsten. Im Vergleich zu anderen Fahrern waren wir deutlich schneller unterwegs. Um es vorweg zu nehmen: das blieb auch in der restlichen Woche so. Aber gerade nach dem Start ĂŒberholten wir immer wieder Fahrer. DafĂŒr machten wir dort, wo es schön war einfach so eine kleine Pause. Machten Fotos und aßen etwas. WĂ€hrenddessen wurden wir natĂŒrlich wieder ĂŒberholt, so dass das Spielchen dann von vorne begann.

Foto Adventure Bike Raceing
Foto Adventure Bike Raceing

Das Wetter war prima. In jeder Mini-Pause zogen wir einen Teil unserer Klamotten aus, so dass wir am Ende wirklich in Kurz/Kurz fuhren. Und auch hier kann ich vorwegnehmen: Es war das einzige Mal auf der gesamten Tour.

Von Ed Bos, einem der Teilnehmer mit dem ich mich im Vorfeld schon per Chat ausgetauscht hatte, wusste ich, dass wir am ersten Tag noch einen weiteren Anstieg fahren mussten: den Posbank. Er lag in einem weiteren Nationalpark, welcher sehr schön anzusehen war. Von hinten ĂŒberholte uns eine Gruppe Rennradfahrer, alle mit gleichem Trikot. Wir ließen sie ziehen. Im oberen Teil des Anstiegs wurden sie irgendwie langsamer und es passierte was passieren musste. Ich war in Gedanken versunken und plötzlich befand ich mich in mitten der Gruppe. Aber Maren nicht. Als ich das bemerkte liess ich mich zurĂŒckfallen und durfte mir gleich einen Anschiss abholen: „Hey Marc. Ich dachte du bist der VernĂŒnftigere von uns beiden. Warum fĂ€hrst du mit der niederlĂ€ndischen Halbprofi-Mannschaft?“ Ich war zum ersten Mal sprachlos, hoffte aber insgeheim darauf, dass ich mich fĂŒr einen Profi-Vertrag empfohlen hatte. Ich war ja schließlich mit GepĂ€ck unterwegs. Um es vorweg zu nehmen: Bisher hat noch kein Sponsor bei mir angeklopft.

Eine der ersten WindmĂŒhlen
Eine der ersten WindmĂŒhlen

Am Nachmittag entschieden wir, uns ein Hotel fĂŒr den Abend zu suchen. Die Wahl fiel auf das Hotel Jachtlust, welches nach etwa 280km am Track lag. Wir riefen an und fragten ob sie ein Zimmer fĂŒr uns haben und erhielten direkt eine Zusage. Ich war erstaunt, wie einfach das doch war. So konnte es ruhig weitergehen.

Ich hatte relativ viel Arbeit in unsere RATN Vorbereitung investiert. Ich hatte den Track bei Google-Maps hochgeladen und mich dann StĂŒck fĂŒr StĂŒck an dem Track entlang gescrollt. Dabei hatte ich Hotels, Imbisse, SupermĂ€rkte und auch SehenswĂŒrdigkeiten markiert. Bei den Hotels hatte ich sogar davor geschrieben, bei welchem Kilometer diese am Track lagen. Das machte uns die Hotelwahl total einfach, da wir immer wussten, wie weit es noch bis zum nĂ€chsten Hotel war.

Oft war ich bei der Vorbereitung so in Vorfreude, dass ich mir auch den einen oder anderen Ort auf Streetview angeschaut habe. Dabei stieß ich auf ein Hanffeld, welches ich natĂŒrlich sofort Maren zeigte. Wir ĂŒberlegten uns schon, wie wir dort am besten dumme Selfies machen könnten. Allerdings sind wir dann fĂŒr Drogen doch zu dumm. Hanf vertrĂ€gt keinen Frost und ist daher Anfang Mai noch nicht draußen zu finden. Somit war unsere Suche erfolglos, also mĂŒssen wir wohl im Sommer noch einmal fahren.

Kurz vor Enschede passiert nochmal etwas total Unerwartetes. Uns kam ein Rennradfahrer entgegen. Der dann auch noch grĂŒĂŸt. Wir hatten den ganzen Tag ĂŒber jeden Radfahrer gegrĂŒĂŸt, wie wir es aus Berlin gewohnt sind. Außer Citybikeler grĂŒĂŸte niemand zurĂŒck. Jetzt aber rief der Rennradfahrer sogar noch meinen Namen.

Es war Mark Humme, der uns entgegen gekommen war. WTF. In falscher Richtung!? Wir waren durcheinander. Meine Theorie, das Mark von seiner eigenen Leistung so beeindruckt war, das er sie lieber nach unten korrigieren musste, fand bei Maren keinen Zuspruch. Sie meinte, dass er vielleicht aufgegeben habe. So richtig verstehen konnten wir es zu dem Zeitpunkt allerdings nicht.

Kurz darauf erreichten wir Enschede. Da der Track direkt durch das Zentrum ging, entschieden wir uns spontan noch etwas zu essen. Da das Hotel bereits reserviert war, war es ab dem Zeitpunkt völlig egal wie schnell oder langsam wir fahren wĂŒrden. Der Endpunkt fĂŒr den Tag war festgelegt. Nach dem Essen fĂŒllten wir unsere RucksĂ€cke in einem Supermarkt mit Lebensmitteln, da uns klar war, dass wir das Hotel erst nach KĂŒchenschluss des Restaurants erreichen wĂŒrden. Außerdem hatten wir ja bereits eine Kleinigkeit warm gegessen.

Der restliche Weg bis zum Hotel verlief unspektakulĂ€r. Nach 250km mussten wir einen neuen Track laden. Ich hatte uns den Gesamttrack in 250km Abschnitte eingeteilt, damit wir nie auf die mega große Gesamtzahl gucken mussten. FĂŒr den Kopf waren die letzten Kilometer so sehr angenehm. Wahrscheinlich waren wir deswegen auch wieder zu schnell unterwegs. Aber der Gedanke an einen baldigen „Feierabend“ war verlockend.

Der Track verlief ĂŒber wunderschöne Wirtschaftswege
Der Track verlief ĂŒber wunderschöne Wirtschaftswege

Im Hotel konnten wir unsere RĂ€der in einer Garage unterstellen. Wir mussten also sofort alles was wir fĂŒr die Nacht brauchen wĂŒrden vom Rad mitnehmen. Nachdem die Garage zu war kamen wir nicht mehr an die RĂ€der. Da zeigte sich mir, dass Maren beim Packen weiter gedacht hatte als ich. Ich hatte alles thematisch sortiert in kleine TĂŒtchen gepackt und dann Probleme alles mit 2 HĂ€nden zu tragen. Maren hatte eine einfache MĂŒlltĂŒte dabei, in die sie ihre einzelnen Beutel verstaute … clever.

Im Zimmer entwickelten wir direkt eine Tradition, die wir die ganze Woche ĂŒber zelebrieren sollten. Maren ging als erstes duschen und ich packte in der Zwischenzeit unsere RucksĂ€cke aus. Anschließend machte ich ein Foto von dem Lebensmittel-Berg. Nachdem ich dann auch duschen war, war das Zimmerpicknick dann freigegeben. Mega schön!

Zimmerpicknick Nummer 1

Strava – Ich: https://www.strava.com/activities/2334591525

Strava – Maren: https://www.strava.com/activities/2334536903

RATN 2019: Man muss etwas Neues machen, um etwas Neues zu sehen

Das Race around the Netherlands (RATN) 2019 ist vorbei. Was bleibt sind die schönen Erinnerungen an eine tolle Zeit. Noch immer schaue ich unglĂ€ubig auf unser Zielfoto. Wir, Maren Barkowsky und ich, haben es tatsĂ€chlich getan, wir sind einmal um die gesamte Niederlande geradelt und hatten dabei auch noch jede Menge Spaß. Das Wetter (viel Gegenwind, unangenehme KĂ€lte und auch noch Regen) war zwar nicht so, wie wir es uns vorgestellt hatten, aber Spaß hatten wir trotzdem. Jetzt ist es an der Zeit, meine Erinnerungen in Worte zu fassen. Also fange ich am besten am Anfang an…

Bisher war es oft so, das ich in der Nacht vor einer grĂ¶ĂŸeren Radtour nicht so gut schlafen konnte. Einen Wecker brauche ich eigentlich nie, da ich immer genau 15 Minuten vor dem Wecker aufwache. Egal, ob die Fahrt um 7 Uhr oder um 2 Uhr nachts losgeht. Irgendwo habe ich immer noch Hoffnung, das dieses mal besser wird, wenn sich eine gewisse Routine einstellt. Vor RATN wurde es jedenfalls noch einmal deutlich schlimmer.

Bereits eine Woche vor Start fing ich an, in den NĂ€chten ĂŒbers Radfahren zu trĂ€umen. Von RATN auf dem Einrad, bis zum nicht Bestehen des Rad-Checks war alles dabei. Oft wachte ich schweißgebadet auf und konnte dann nicht mehr einschlafen. Ich versuchte mir einzureden, das wir nur ein paar kleine 250km Radtouren fahren wollen. Also eigentlich nichts ungewöhnliches. Geholfen hat das trotzdem nicht. Dazu kam noch das unschöne GefĂŒhl, irgendetwas vergessen zu haben. Hatte ich alles bedacht und alles eingepackt? In Gedanken ging ich immer und immer wieder die Packliste durch.

Am 30.4, ganz frĂŒh am Morgen, machte ich mich dann auf den Weg nach Holland. Die Anspannung war direkt beim Schließen der HaustĂŒr wie weggeblasen. Egal was nun kommen sollte, ich musste mit den Dingen, die ich bei mir trug bzw. am Rad hatte, klar kommen. Ich hatte quasi das schwerste geschafft. Ich war unterwegs.

Mein Kuota am S-Bahnhof Eichwalde

Ich entschied mich dafĂŒr, direkt ab Eichwalde mit der S-Bahn zu fahren. Wer mich kennt weiß, das das eine ungewöhnliche Entscheidung ist. Normalerweise hĂ€tte man sicher von mir erwartet wenigstens bis zum Ostbahnhof mit dem Rad zu fahren. Aber irgendwie hatte ich so gar keinen Nerv darauf nochmal in Berlin Rad zu fahren.

Bis OsnabrĂŒck saß ich alleine im Zug. Dort stieg dann Maren dazu. Sie hatte ein paar Tage bei ihrer Familie verbracht. Direkt nach der BegrĂŒĂŸung schauten wir uns unglĂ€ubig an, bis einer von uns beiden fragte: „Machen wir das jetzt wirklich?“ Obwohl die Antwort offensichtlich war, stellten wir uns die Frage wĂ€hrend der Zugfahrt noch einige Male.

Eigentlich war unser Plan, mit der Bahn bis Amersfoort zu fahren und von dort aus auf kĂŒrzestem Weg zum Startort. Aber ein Blick auf den Wetterbericht offenbarte, das Maren zu sommerliche Kleidung eingepackt hatte. Also fuhren wir noch zu 2 oder 3 FahrradgeschĂ€ften. Maren kaufte sich einen Langarm-Winter-Base-Layer und ein Paar Handschuhe. Naja eigentlich 2 Paar. Die pinken Sommerhandschuhe mussten auch noch mit. Aber shoppende Frauen soll man ja nicht aufhalten.

In Amerongen fuhren wir direkt zum Cafe DE PROLOOG. Unsere Stimmung war zwar ziemlich gut, aber trotzdem sorgte der bevorstehende Bike-Check fĂŒr Stress. Vor allem beschĂ€ftigte uns die Frage, ob wir genug reflektierendes Klebeband verklebt hatten. Daher wollten wir den Check nun so schnell wie möglich hinter uns haben.

DE PROLOOG

Direkt vor dem Check trafen wir auf Mark Humme aus MĂŒnster. Wir hatten uns im Vorfeld schon etwas ĂŒber Facebook unterhalten, so das wir gleich so quatschen konnten, als wenn man sich bereits ewig kennt. So ĂŒberbrĂŒckten wir die Wartezeit mit dummen Scherzen ĂŒber meine weibliche Seite und ĂŒber Mark’s nicht vorhandene KörpergrĂ¶ĂŸe.

An unseren RÀdern wurde nichts beanstandet. Alle Aufkleber klebten an den richtigen Stellen. Wir bekamen unser Race Cap ausgehÀndigt und den Tracker ans Rad montiert. Dabei musste ich noch einmal intervenieren, da die Tracker alle mit blauem Klebeband an die FahrrÀder befestigt wurden. Ich wollte aber unbedingt rotes Klebeband, welches ich dann auch bekam.

Anschließend begann der schöne Teil des Tages. Wir gingen im Jumbo-Markt uns etwas zu Essen kaufen. Mark Humme im Schlepptau. Da wir alle Hunger hatten, kauften wir natĂŒrlich viel zu viel Zeug ein. Und dann auch noch ziemlich wild durcheinander. Alles was lecker erschien, wanderte in den Einkaufskorb. Mark machte sich ĂŒber uns lustig und meinte: „Ihr werdet in den nĂ€chsten Tagen viel Zeit in SupermĂ€rkten verbringen“

Als nĂ€chstes ging es ins Hotel. Unsere RĂ€der konnten wir im Flur unter der Treppe anschließen. Im Zimmer zogen wir unsere Alltagskleidung an, aßen etwas und machten uns dann ohne RĂ€der wieder auf zum Cafe DE PROLOOG. Dort setzten wir uns, wieder mit Mark Humme, an einen Tisch und quatschten uns die Seele aus dem Leib.

Race Cap 80 und Race Cap 42

Nach und nach kamen auch alle anderen Fahrer dorthin, denn um 20 Uhr sollte es Pasta geben. Obwohl wir an einem Tisch saßen, an dem sich fast alle deutschen Fahrer versammelten, fĂŒhlte ich mich dort nicht so richtig wohl. FĂŒr mich waren das einfach zu viele Leute auf einem Haufen. Trotzdem wechselte ich mit dem einen oder anderen ein paar Worte.

Pasta im Cafe DE PROLOOG
Pasta im Cafe DE PROLOOG

Nach der Pasta gingen wir zusammen mit Mark Humme auf unser Hotelzimmer. Dort blödelten wir noch etwas rum und tranken Bier. Naja fĂŒr mich nur „Frauenbier“, natĂŒrlich wegen meiner weiblichen Seite. So endete der Tag völlig entspannt.

Ein wenig Heimat: Das Brandenburger Tor in den Niederlanden