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Das Loch in der Spüle

Handwerklich bin ich ja nun nicht unbedingt unbegabt, aber bei der Montage eines Wasserhahns an einer Spüle betrat ich absolutes Neuland. In die Spüle musste ein Loch gebohrt werden. Ein etwa 10mm großes Loch sollte dort hin, wo der Wasserhahn montiert werden sollte. Anschließend sollte mit einer speziellen Schneidvorrichtung das Loch auf die richtige Größe erweitert werden.

Metallbohren ich? Bisher hatte ich es noch nie gemacht bzw. immer vermieden. Aber irgendwann ist immer das erste mal. So richtig gut lief es nicht. Insgesamt brauchte ich für das Loch gut eine halbe Stunde.  Zwei Bohrer habe ich dabei versaut … ausgeglüht. Für das nächste Mal werde ich mir also wohl deutlich bessere Bohrer kaufen müssen. Die 5 Euro Dinger vom Billigmarkt tun es jedenfalls nicht.

Aber dafür hat nun das ausgeschnittene Blech aus der Spüle einen Ehrenplatz in meinem Werkzeug-Schuppen erhalten.

Mein erstes in Metall gebohrtes Loch

Mein erstes in Metall gebohrtes Loch

My personal Everest liegt nun in Holland

Das Radsport-Jahr neigt sich nun langsam dem Ende zu. Meine Ziele, die ich erreichen wollte, habe ich erreicht. Ich war mit den fitten Jungs und Mädels am Mittelpunkt der DDR, ich war mit dem Rad beim Klassentreffen in Wismar, bin mal eben zum Mittagessen nach Stettin gefahren und mit Rafal zusammen von Berlin zum Brocken und zurück nach Berlin. Ja Rafal, der Reisebericht dazu ist immer noch in Arbeit. Die Strecke war einfach zu lang, um sie in nur ein paar Sätzen zu beschreiben. Aber trotzdem ist nun die Zeit gekommen, in der ich mir neue Ziele setzen möchte.

Ich auf dem Weg zum Brocken

Ich auf dem Weg zum Brocken

Im diesem Jahr war Rafal die treibende Kraft, die aus meinem Ziel: „Ich möchte mit meinem eigenen Rad auf dem Brocken stehen“ ein „Wir fahren zum Brocken und auch wieder zurück“ machte. Meine längste Strecke in diesem Jahr: Immerhin 642km am Stück, ohne Schlaf nur mit kleinen Pausen zum Essen und Trinken. Für das nächste Jahr bekam ich eine ähnliche Unterstützung. Maren wollte Anfang März die Transcimbrica, einmal von Hamburg nach Skagen und wieder zurück. Ich hatte meine Zweifel, wegen des Wetters und schlug im Gegenzug das „Race around the Netherlands“ vor. Es dauerte einige Tage, bis ich folgende Nachricht erhielt:

Nachricht von Maren

Nachricht von Maren

Ich fahre nun also im nächsten Jahr nach Holland.

Es wird sicherlich nicht ganz einfach werden. Die Gesamtlänge der Strecke möchte ich mir gar nicht so recht vorstellen. Trotzdem freue ich mich auf die Fahrt. Holland ist wunderschön. Ich kenne es von den ersten Urlauben mit unseren Kindern. Ich werde sicher den einen oder anderen Ort wieder erkennen und dabei an meine Frau und meine Kinder denken.

Auf jeden Fall habe ich nun etwas, was mich über den Winter motivieren wird und dabei werde ich sicherlich oft folgendes Lied im Kopf haben:

Für lecker Backfisch nach Stettin…kann man machen

Direkt nach der von Stefan organisierten Tour zum Mittelpunkt der DDR stelle ich mir die Frage: Schaffst du es auch 400km am Stück mit dem Rad zu fahren? Die Tour von Stefan war für mich 350km lang. Nur 50km mehr: Hört sich doch machbar an. Allerdings war ich nach der Tour total platt, da insgesamt sehr unruhig gefahren wurde und mir der Schnitt mit 31km/h zu schnell war. Darum die Idee: Ich organisier eine 400 km Tour. Am besten mit Fahrern, die leistungstechnisch gut zu mir passen.

Zuerst frage ich Maren „ich sag zu allem ja“ Ballerkowkoskaja (oder so ähnlich) und die Antwort war eigentlich absehbar: „Klar, ich bin dabei“. Als nächstes klopfe ich bei Stefan „Mike Meyers“ Meisner an. Der Mann mit dem eine lustige Ausfahrt garantiert ist. Er ist mir zwar zu schnell, aber er verbreitet beim Schnellfahren so eine Ruhe, so das ich in der Lage bin, über meinen eigenen Schatten zu springen. Außerdem kann unterwegs niemand so gut motivieren wie er. Zitat: „Nur noch 50km bis zum nächsten Supermarkt, dann noch mal 30 bis zur Tankstelle und dann haben wir Rückenwind. Easy.“ Wir drei einigen uns auf einen Termin und ich entwerfe eine erste Strecke, die bei Stefan nicht gut ankommt, da er sie in großen Teilen bereits kennt. Währenddessen frage ich, ob bei Maria „der Ruhepol“ Heimann Interesse besteht. Sie sagt zu und hat die Idee nach Polen zu fahren. Ich plane neu und entwerfe eine Strecke, die von der Länge her passt. Das Reiseziel: Stettin. Nun frage ich noch Michael „den Fotografen“ Krüger, ob er mitkommen möchte.

Die Strecke ©Mr.Komoot

Die Strecke ©Mr.Komoot

Jetzt sind die 5 M’s zusammen, die die Tour bestreiten wollen.  Maren, Michael, Maria, Marc und ups … Stefan. Wir beschließen, Stefan während der Fahrt komplett mit Mike anzusprechen. Klappt leider nicht so richtig, da in letzter Minute Christian Treml noch zur Gruppe hinzukommt. Aber wenigstens hier werde ich nun Stefan als Mike bezeichnen, da er für den lustigsten Moment der Tour sorgt. Aber dazu später mehr.

Es geht los

Genau eine Minute bevor der Wecker klingeln soll werde ich wach. Es ist 4 Uhr. Zum Glück ist das Rad bereits fertig gepackt. Also ganz in Ruhe: Kaffee und noch einen Kaffee. Auch wenn es total früh ist, auf mein Startritual kann ich nicht verzichten. Also esse ich einen Teller voll mit Erdbeermarmeladenbrot. Habe ich bisher vor jeder langen Radtour gemacht und war immer gut. So auch heute. Gegen 5 Uhr fahre ich los. Das schwierigste ist geschafft. Ich rolle ganz langsam zur Araltankstelle. Dort habe ich mich mit Mike und Michael verabredet.

Mein Rad

Mein Rad

Ich muss kurz warten. Wir begrüßen uns und schon geht es los zum eigentlichen Startpunkt nach Adlershof. Ab jetzt ist Schluss mit langsam. Wir fliegen fast über die leeren Straßen. So macht Radfahren echt Spaß. Gleichzeitig treffen wir mit Maria am Startpunkt ein. Nun haben wir etwas Zeit zum Quatschen. Kurz drauf treffen dann auch Christian und Maren ein. Nun geht es richtig los.

Der Weg nach Stettin

Als Weg aus der Stadt dient die Strecke, die ich bereits von meiner ersten 200km Radtour (Danke Christian Hoell) kannte. Ich mag den Weg über Ahrensfelde, da er auch im Berufsverkehr gut zu fahren ist. Am Wochenende,  6 Uhr morgens, ist natürlich alles komplett leer und wir kommen eigentlich gut voran. Mit einer Ausnahme: Pipi Pause in der Wuhlheide. Fängt ja gut an. Als es weitergehen sollte, zeigt Christian seine 1a Federung am Vorderrad: Reifenschaden. Also weiter warten.

Irgendwann geht es dann doch endlich weiter. Die Strecke führt teilweise weiter über mir bekannte Wege. Auch hier führte meine erste 200km Tour entlang. Ich erinnere mich an die Momente, wie ich, total naiv, mit meinem CX erfolgreich versuchte, mit 7 Rennrädern mitzuhalten. Heute läuft es irgendwie viel, viel einfacher. Wir sind schneller und trotzdem kann ich mich unterhalten. Im letzten Jahr war ich dazu überhaupt nicht fähig.

Maria und Maren ©M.Krüger

Maria und Maren ©M.Krüger

Kurz vor Eberswalde verlassen wir die mir bekannten Wege. Fahren direkt am Schiffshebewerk Finowfurt vorbei. An einer Brücke springt Mike die Kette vom Rad und zwingt uns zu einer nächsten Pause. Die Kette ist schnell wieder drauf, aber dann meldet sich Christian seine Federung zurück. Diesmal lässt sich der Schlauchreifen nicht mehr retten, da wohl Dichtmilch das Ventil verstopft hat und somit keine Luft mehr gepumpt werden kann.

Wir verabschieden uns schweren Herzens von Christian und fahren weiter nach Oderberg. Dort erkenne ich eine Kreuzung wieder, von der aus es beim Osthammer 200 an die Oder ging. Zum Glück müssen wir da heute nicht lang, denn der Weg war sehr schlecht. Mike steuert eine Spaßkasse an und zwingt uns zur nächsten Pause. Michael nutzt sie, um die wohl teuersten Batterien Deutschlands zu kaufen und der Rest der Gruppe sucht essbares bei einem Bäcker.

Frühstückspause ©M.Barkowsky

Frühstückspause ©M.Barkowsky

Dort scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Bäckerei Junge mit Tradition seit 1868. Einrichtungstechnisch sieht es hier aus, wie es in den 80er Jahren in der DDR ausgesehen hat. Sogar die Original-DDR Fliesen hängen an der Wand. Das Personal der Bäckerei ist super nett. Wir nehmen alle einen türkischen Kaffee und suchen uns jeweils eine Kleinigkeit zum Essen aus. Und wenn man schon einmal Pause macht, sollte man die Zeit auch nutzen um sich zu erleichtern. Wir fragen nach einer Toilette. Ist natürlich keine vorhanden, aber wir dürfen die Privat-Toilette in der Bäckerei nutzen. Mir fällt sofort auf, das dort auf dem Toiletten-Papier kleine Osterhasen aufgedruckt sind. Ich finde das süß und stecke mir daher ein kleines Stückchen in die Trikot-Tasche. Sorry dafür!

Weiter geht es an der Oder entlang in Richtung Schwedt. Und schon wieder schlägt der Pannenteufel zu. Diesmal trifft es mich. Pause. Mike legt sich so lasziv auf die Wiese, als wenn er sich in der Südsee an einem tollen Strand befinden würde. Für mich fällt die Pause aus: Schlauch wechseln. Aber erst einmal kippe ich den kompletten Inhalt meiner Tasche aus, da das Werkzeug natürlich ganz unten liegt. Mit neuem Schlauch geht es dann aber schnell weiter. Mike muss seinen Traumstrand leider verlassen.

Gehört leider auch dazu ©M.Krüger

Gehört leider auch dazu ©M.Krüger

Entspannung pur ©M.Krüger

Entspannung pur ©M.Krüger

Mein Rad klappert nun, relativ leise aber es klappert. Mich macht es nervös. Habe ich beim Schlauchwechsel irgendwas falsch gemacht? Ich versuche den Fehler zu lokalisieren. Gang hoch, Gang runter, kurz anbremsen … das ist es alles nicht. Vielleicht die Tasche? Nee, kann auch nicht sein. Dann nehme ich mir einen Schluck zu trinken und das Geräusch ist weg. Ok, es ist der Flaschenhalter. Also kein Problem. Später stelle ich fest, das es nur klappert, wenn sich die weiße Flasche im vorderen Halter befindet. Die beiden Flaschen tauschen ihre Plätze und alles ist wieder gut.

Auf dem Weg nach Polen ©M.Krüger

Auf dem Weg nach Polen ©M.Krüger

Der Rest des Weges nach Stettin verläuft dann endlich ohne Probleme, wir kommen gut voran. In Polen wird es etwas langsamer, da die Straße deutlich schlechter wird. Wir erreichen Stettin. Hier sieht es wieder ein wenig so wie in der ehemaligen DDR aus. Hohe Plattenbauten, Betonstraßen, … die Autos sind aber deutlich moderner. Ich wundere mich, wie man mit den schönen Autos über die Schlaglochpisten fahren kann. Teilweise sind in Stettin die Schlaglöcher so groß, das man ein ganzes Kinderfahrrad darin verstecken könnte.

Stettin ©M.Krüger

Stettin ©M.Krüger

Die Mittagspause

Wir erreichen die Altstadt und ich erkenne sofort das Restaurant, in dem ich einen Tisch reserviert hatte. Fix stelle ich mein Rad ab und kümmere mich um den Tisch. Endlich wieder sitzen. Wir bestellen uns jeder eine große Cola und sind erstaunt, als wir die Gläser dann bekommen: 0,7 Liter. Man benötigt beide Hände um aus dem Glas zu trinken. Großartig. Wir bestellen uns was zum Essen. Ich entscheide mich für den Backfisch in Bierteig mit Pommes und Krautsalat. Leider müssen wir auf das Essen recht lange Warten, da das Restaurant voll ist. Also bestellen wir uns noch eine zweite Cola.

Mega große Cola ©M.Barkowsky

Mega große Cola ©M.Barkowsky

Kurz drauf kommt dann auch das Essen. Das Warten hat sich voll gelohnt: das Essen ist richtig gut. Mike stellt fest, das er auf einen Brevet noch nie so gut gegessen hat. Ich als „Reiseleiter“ fasse das als Kompliment auf. Maria entscheidet sich noch für ein Dessert und Maren hat immer noch Hunger und ordert eine Portion Pommes nach. Insgesamt verbringen wir gut 2,5h in dem Restaurant. Ok damit kommen wir spät, sehr spät zu Hause an. Aber das ist auch egal.

Futter fassen :-) ©M.Krüger

Futter fassen 🙂 ©M.Krüger

Auf geht es nach Hause

Nach dem Essen startet ein interessantes Experiment: Kann man mit 1,4 l Cola im Bauch noch Fahrrad fahren? Brauchen wir alle Nase lang einen Baum um die Blase zu erleichtern? Schlägt dort wieder der Pannenteufel zu? Ich mach es kurz: Ja man kann fahren. Wir kommen aber nur recht träge in Fahrt. Stettin macht bei der Ausfahrt in Richtung Süden nur wenig Spaß. Die Schlaglöcher werden größer. Nun passen fast ganze Autos hinein. Wo sich mal ein Stückchen Asphalt befindet schlägt er Wellen, wie auf der Ostsee bei Windstärke 5. Ich bereite mich seelisch auf 70km Schotterpiste vor. Es folgt aber erst einmal ein Stückchen hässliche Bundesstraße. Zumindest ohne Schlaglöcher.

Anschließend geht es überraschender Weise über schöne Nebenstraßen mit gutem bis sehr gutem Asphalt. Nur innerhalb von Ortschaften wird es schlechter … Schlaglöcher. Die Straßen sind hügelig. Es geht immer leicht rauf und runter. Wir machen Pause an einem Supermarkt. Hier sorgt Mike für die Slapstick-Einlage des Tages. Er setzt sich auf einen Fahrradständer neben einen kleinen Hund. Wir machen ein Selfi und bemerken, das er da sitzt als würde er gerade kacken. Eine Scene die so in jedem Austin Powers Spielfilm hätte vorkommen können. Dann erzählt er auch noch, wie ihn ein paar Tage zuvor auf einem Konzert der Reißverschluss der Hose geplatzt ist. Wir können nicht mehr vor lachen. Kommen kaum wieder aufs Rad.

Austin Powers Teil 5 ©M.Heimann

Austin Powers Teil 5 ©M.Heimann

Christian der Held des Tages

Kurz vor der deutsch-polnischen Grenze treffen wir wieder auf Christian. Der verrückte Kerl ist doch tatsächlich mit der Bahn nach Hause gefahren, hat sich einen neuen Reifen montiert und ist uns auf den Track entgegen gefahren. Für mich ist er damit der Held des Tages. Ich weiß nicht, ob ich an seiner Stelle von zu Hause noch ein zweites Mal losgefahren wäre. Hut ab! Nun sind wir jedenfalls wieder vollzählig.

Christian ist wieder da! ©M.Krüger

Christian ist wieder da! ©M.Krüger

An der Grenze machen wir noch einmal Pause bei McDonalds. Dort lerne ich, das man sich dort schlecht die Trinkflaschen auffüllen kann. Ich nehme aber trotzdem eine Flasche voll mit warmen Wasser mit. Habe die Hoffnung, das der Fahrtwind sie kühlt. Ab nun geht es in der Dunkelheit weiter. Für mich das erste mal. Klar bin ich schon in der Nacht Rad gefahren, aber noch nie in der Gruppe. Ich experimentiere mit 2 Frontlampen. Fahre ich vorne in der Gruppe habe ich beide Lampen an, während ich in der Gruppe eine ausschalte. Strom sparen, kann nicht schaden.

Und wir fahr'n mit deinem Rad durch die Nacht. ©M.Krüger

Und wir fahr’n mit deinem Rad durch die Nacht. ©M.Krüger

Wir sind müde und haben kaum noch Wasser in den Flaschen. Daher planen wir einen weiteren Stop an der Tankstelle in Lichenow. Mittlerweile sehe ich Dinge, die nicht da sind. Sehne mich nach einer Pause. Plötzlich raschelt es im Gebüsch und ein Dachs rennt Maren fast ins Rad. Kurz vorher dreht er bei und läuft etwa 100 Meter mit uns mit. Da wir den Dachs alle gesehen haben, war er wohl wirklich da.

Was wir dann auch alle sehen ist, das die Tankstelle leider geschlossen hat. Wir überlegen, wie es weiter gehen soll! Unser Problem heißt Wasser. Mike sucht auf dem Handy nach offenen Tankstellen. Alles nicht erreichbar. Michael und ich machen uns mit einem Arm voll Trinkflaschen auf dem Weg zu einem Wohnhaus, in dem noch Licht brennt. An der Tür gut ein Duzend Namen: Wo klingeln? Wir probieren, im Flur geht Licht an, an der Sprechanlage der Tür verstehen wir aber kein Wort. Wir probieren nochmal. Diesmal passiert gar nichts. Also klingeln wir noch an einer dritten Klingel. Dann finden wir im Garten einen Wasserhahn und füllen schnell unsere Flaschen. Als wir dann weiter wollen stehen gefühlt alle Bewohner des Hauses an den Fenstern. Wir entschuldigen uns und fahren weiter.

Unser nächstes Ziel: Die Aral Tankstelle in Schmöckwitz. Mike ist sich sicher das sie offen hat, naja fast, er vermutet, das sie bei unserem Glück heute Nacht Inventur machen. Der Weg dorthin ist zäh. Die Müdigkeit wird immer schlimmer. Die Abstände zwischen den Rädern wachsen und jeder ist voll konzentriert um unfallfrei um die Kurven zu kommen. Zum Glück ist es nicht weit und die Tankstelle hat offen. Kaffee und Cola laufen jetzt gut. Als es weitergehen soll meldet sich Christian: Hinterrad hat wenig Luft. Ach bitte nicht schon wieder. Er meint aber das er weiterfahren kann. Wir fahren das letzte Ende bis Adlershof und trinken in einem Dönerladen unser wohlverdientes Zielbier.

Gute Laune am Ziel ©M.Barkowsky

Gute Laune am Ziel ©M.Barkowsky

 

Warum Langstrecke mit dem Fahrrad?

Als ich mir im Herbst 2016 mein Cannondale Caadx kaufte, konnte ich in keinster Weise erahnen, wohin der Weg führen würde. Mein Plan war, einige der stumpfsinnigen Fahrten auf dem Heimtrainer, durch echte Radtouren zu ersetzen. Aber bereits die erste Ausfahrt lief komplett aus dem Ruder.

Ich setzte mich in Alltagskleidung auf das Rad und fuhr einfach der Nase nach und ehe ich mich versah, war ich über 50km von zu Hause entfernt. Es war einfach zu schön, aber ich hatte nichts zu Essen, nichts zu Trinken, ja nicht einmal Geld dabei. Auf dem Rückweg kam dann direkt der Mann mit dem Hammer. Ich war kraftlos, der Hintern tat weh und ich hatte absolut keine Lust mehr weiterzufahren. Trotzdem musste ich weiter. Ich biss die Zähne zusammen und vollendete meine erste Tour über eine Distanz von 100km.

Direkt wiederholen wollte ich die Tour nicht. Aber bereits 5 Tage später wollte ich es erneut wissen. Diesmal nahm ich aber Geld, einen halben Liter Saft und eine Packung Kekse mit. Und siehe da, ich fuhr die gleiche Strecke ohne Probleme. Ich war sogar 20 Minuten schneller und brauchte für die 100km ziemlich genau 4 Stunden.

Ab dem Tag fuhr ich immer mehr mit dem Rad. Erst täglich zur Arbeit, dann mit einem kleinen Umweg zurück. Als auch das zu kurz wurde, kam wöchentlich einmal ein 20km Umweg hinzu. Aus einmal wöchentlich wurde ein dreimal die Woche und schlussendlich ein täglich. So gut es ging versuchte ich dabei die Strecken zu variieren. Dadurch lernte ich die Schönheit meiner näheren Umgebung kennen. Konnte anfangs nicht glauben, das ich nur 20km fahren muss um an Orte zu gelangen, die ich normalerweise im Urlaub besuche.

Brandenburgische Landschaft

Brandenburgische Landschaft

Im Juni letzten Jahres las ich in einer Facebook Gruppe eine Ausschreibung zu einer Tour über 200 km, die an die Oder gehen sollte. Ich war sehr lange am Zweifeln. Habe ich genug Ausdauer für so eine lange Fahrt? Bin ich überhaupt in der Lage, die angegebene Geschwindigkeit zu fahren? Schlussendlich bin ich dann mitgefahren, so schnell und so weit wie nie zu zuvor. Wie der Tageskilometerzähler von 199 auf 200 wechselte war ich mega glücklich. Und nicht nur das, durch gemeinsame Ausfahrten fand ich eine Menge neuer Freunde. Man fährt zusammen, man leidet zusammen, man hat zusammen Spaß.

Mittlerweile bin ich immer wieder auf der Suche nach Orten, die ich noch nicht kenne. Die dabei zurückgelegten Distanzen werden immer länger und es bereitet mir immer weniger Probleme sie zu fahren. Vor einigen Wochen bin ich sogar allein von Berlin bis an die Ostsee gefahren und auch wieder zurück. Kaum zu Hause angekommen ging es direkt an die Planung für die nächste längere Tour.

Mein Rad am Strand

Mein Rad am Strand

 

Schluss mit Totentanz? Verschiebung von Prioritäten

Seit dem letzten Artikel in diesem Blog ist mittlerweile jede Menge Zeit vergangen. Eigentlich wollte ich hier ja ausführlich über unsere Reise durch Skandinavien berichten, aber irgendwie fehlte mir einfach die Motivation dazu. Aus einem morgen fange ich an, wurde ein übermorgen, wurde ein überübermorgen usw. Irgendwann verlor ich das Vorhaben dann komplett aus den Augen.

Mittlerweile ist aber trotzdem echt viel passiert. Ich habe meiner kleinen Tochter in wochenlanger Arbeit ein Hochbett gebaut. Ich habe meiner großen Tochter eine Europakarte an die Wand gezeichnet. Ich habe im Garten einen zweiten Schuppen gebaut, da ich von meinem Opa die Werkbank geerbt habe. Und zum Schluss noch das, was aktuell meine meiste Zeit frisst: Aus mir ist ein Langstrecken-Radfahrer geworden.

Unterwegs in Brandenburg

Unterwegs in Brandenburg

Ich hoffe, das mit diesem Blog hier nun Schluss mit dem Totentanz ist. Irgendwie möchte ich immer noch von unseren Reisen berichten, aber auch von aktuellen Ereignissen berichten. Ich hoffe, das ich diesmal die dazu notwendige Motivation finde.

Gartengrill: Angrillen

Auch wenn ich in letzter Zeit hier wenig über mein Gartengrill-Projekt geschrieben habe, so habe ich in diesem Jahr schon einiges gemacht. Vor ungefähr 3 Wochen war es dann soweit und ich konnte das erste mal den neuen Grill benutzen. Da ich bisher immer auf einem Schwenkgrill gegrillt habe, ist der neue Grill nun eine komplette Umstellung. Noch nie konnte ich Grillen, ohne das ich mich dabei bücken musste. Auch das zurechtschneiden der Zutaten macht jetzt soviel mehr Spaß. Vorbei die Zeiten, in der man ständig in die Küche rennen musste. Vorbei die Zeit, in der man die Grillwerkzeuge mehr oder weniger kreativ auf den Boden legte.

Teil 09 - Anzündkamin auf dem neuen Grill Teil 09 - Anzündkamin auf dem neuen Grill Teil 09 - Das erste Fleisch - Der erste Fisch Teil 09 - Das erste Fleisch - Der erste Fisch Teil 09 - Die bepflanze Rückseite Teil 09 - Die bepflanze Rückseite

Leider steht die Arbeit aktuell komplett still, denn ich hatte vor 2 Wochen einen Fahrradunfall und bin noch nicht wieder in der Lage, den Trennschleifer zu halten. Diesen brauche ich nämlich um die Naturstein-Fliesen, mit denen die Arbeitsplatte belegt werden soll, zu zuschneiden. Ich hoffe, das ich nun bald wieder weiter machen kann, denn so viel fehlt ja nun nicht mehr …

Zeeland – Tag 15 – Heimreise – Baarle-Nassau – Baarle-Hertog – Fazit

Obwohl an diesem Tag eine knapp 800 Kilometer lange Heimreise vor uns lag, nutzten wir auch diesen Tag nochmal, um uns etwas anzusehen. Etwa 150 Kilometer von Breskens, an der Grenze zwischen Holland und Belgien lag der Ort, der uns interessierte. Es ging nach Baarle-Nassau bzw. nach Baarle-Hertog. Die Orte ist bekannt für ihre komplizierte Grenzziehung, obwohl sie eigentlich ein paar Kilometer von der Grenze entfernt liegen. Der holländische Ort heißt Baarle-Nassau, während Baarle-Hertog in Belgien liegt. Insgesamt gibt es in Baarle-Nassau 20 kleine Gebiete die zu Belgien gehören, welche wiederum 7 Gebiete beinhalten, die zu Holland gehören. Der Grenzverlauf ist zum Teil so verzwickt, das die Grenze mitten durch ein Haus verläuft.

Grenzverlauf auf einer Straße in Baarle-Nassau bzw. Baarle-Hertog Grenzverlauf auf einer Straße in Baarle-Nassau bzw. Baarle-Hertog

Zur Orientierung im Ort gibt es ein einfaches System, so das man bei jedem Haus sehen kann zu welchem Land es gehört. Neben der Hausnummer ist immer die Landesfahne abgebildet und auf den Straßen ist der Grenzverlauf immer durch weiße Pflastersteine gekennzeichnet. Es ist auf jeden Fall lustig, das man auf einen kurzen Spaziergang mehrfach die Grenze zwischen Holland und Belgien queren kann.

Hinweisschild auf dem Grenzverlauf Hinweisschild auf dem Grenzverlauf

Nach dem Besuch des Ortes fuhren wir die restliche Strecke ohne weitere größere Zwischenstopps durch. Zu Hause stellten wir dann fest, das wir in den letzten 14 Tagen knapp über 4000 Kilometer zurückgelegt hatten. Wobei die Kilometer mit dem Schnellzug und mit der Fähre da noch nicht mit eingerechnet waren. Insgesamt waren wir in 4 verschiedenen Ländern. Wir schauten uns Holland, Belgien, Frankreich und ein ganz klein wenig England an.

Gerade von England war ich angenehm überrascht. Der kleine Ort am Meer bei den weißen Klippen von Dover hatte mir sehr gut gefallen. Und der Linksverkehr war auch nicht ganz so schlimm wie anfangs befürchtet. Zu Frankreich habe ich eher ein durchwachsendes Verhältnis, da man in Holland und auch in Belgien als Ausländer freundlicher behandelt wurde. Landschaftlich war Frankreich aber unglaublich toll.

Zu Holland und auch zu Belgien fällt mein Fazit positiv aus. Wir haben uns dort wieder viele schöne Sachen angesehen, wurden immer freundlich behandelt und konnten die eine oder andere Spezialität probieren. Etwas enttäuscht war ich über die Suche nach den versteinerten Haifischzähnen. Ich habe wirklich lange gesucht und nur 3 kleine Zähnchen gefunden. Ich dachte eigentlich, das die Zähne etwas für die Kinder sein würde, aber sie verloren sehr schnell ihren Spaß daran.

Ein bisschen traurig sind wir nun aber, da wir nach 3 Jahren Holland Urlaub, die gesamte Küste abgearbeitet haben. Für dieses Jahr müssen wir uns also nach einem anderen Urlaubsziel umsehen. Mal schauen was es wird …

Zeeland – Tag 14 – Strand Breskens – Straußenfarm Monnikenwerve

Pünktlich zum letzten Urlaubstag hatten wir endlich wieder gutes Wetter. Dies nutzten wir sogleich aus und verbrachten den gesamten Vormittag am Strand. Ich versuchte nochmal, versteinerte Haifischzähne zu finden und hatte damit sogar Erfolg. Ich fand 2 kleine Zähne und jede Menge Zeug, welches für die Kinder interessant gewesen ist. Schlussendlich hatten wir also wieder eine kleine Tüte voll mit Muscheln und Steinen. Kurz bevor wir weiterwollten, war ich mit dem Kindern sogar noch einmal Baden, wobei es durch den Wind dafür eigentlich doch kalt war.

Die Nordsee bei Breskens Die Nordsee bei Breskens Die Westerschelde mit Dünengräsern Die Westerschelde mit Dünengräsern Haifischzahn-Suchequipment und durchsuchter Muschelhaufen Haifischzahn-Suchequipment und durchsuchter Muschelhaufen

Beim zusammenräumen hatte ich dann noch das Glück eines der größten Containerschiffe der Welt zu sehen: die Emma Maersk. Sie war wohl auf dem Weg nach Antwerpen und erstaunlicher Weise fast leer.

Fast leere Emma Maersk auf dem Weg nach Antwerpen Fast leere Emma Maersk auf dem Weg nach Antwerpen

Nach dem Strand fuhren wir zur Straußenfarm Monnikenwerve, welche sich ganz in der Nähe befand. Dort nahmen wir an einer Führung über die Farm teil. Dabei passierte meiner Frau ein lustiges Missgeschick. Sie sah einen jungen Spatz, der fast im Schnabel eines Strauß landete. Bei einem Rettungsversuch entwendete der Strauß ihr dann ihr Basecap und ehe sie realisierte was passiert war, reichten die Tiere ihre Mütze immer weiter. Es bestand keine Chance das Cap wieder zurück zu holen, aber wenigstens der Spatz war für den Moment gerettet. Um die Mütze wieder zubekommen musste meine Frau sich an den Bauern wenden. Er ging in das Gehege und holte das Basecap suverän recht schnell wieder zurück. Es war noch heil, allerdings nicht mehr ganz so sauber.

Junger Strauß auf der Straußenfarm Junger Strauß auf der Straußenfarm Straußenportrait Straußenportrait

Anschließend aßen wir auf der Straußenfarm ein Stück Straußenkuchen und tranken eine Tasse Kaffee. Anschließend ging es diesmal bereits recht früh zur Ferienwohnung, da wir unsere Taschen packen mussten. Zum Abend hatten wir uns im Restaurant „De Deining“ einen Tisch reserviert. Mittlerweile ist es bei uns Tradition, am letzten Urlaubstag einmal richtig gut Essen zu gehen.

Vorspeise im Restaurant Vorspeise im Restaurant

Nach dem Restaurantbesuch fuhren wir einen klitzekleinen Umweg, denn durch eine Baustelle konnte man direkt am Leuchtturm von Breskens vorbeifahren. Es war zwar nur ein kurzer Moment, in dem wir am Turm vorbeigefahren sind, aber für mich war es ein ganz besonderer Moment. Ich mag es nämlich sehr gerne, einen Leuchtturm in Aktion zu sehen, wo ihre Bedeutung in Zeiten von Satellitennavigation stark zurückgegangen ist.

Die Kinder waren total fertig und ließen sich relativ schnell ins Bett bringen. Meine Frau packte noch die letzten Sachen zusammen und ich ging draußen auf der Terrasse die letzten Momente des Urlaubs genießen. Im Gegensatz zum Moment am Leuchtturm hatte ich nun wieder die Zeit, ein wenig mit der Kamera zu spielen. In der sternenklaren Nacht entstanden so folgende Fotos:

Der Vollmond über Breskens Der Vollmond über Breskens Das Sternbild Das Sternbild

Anschließend packte ich auch meine Sachen zusammen und ging ins Bett. Schließlich erwartete uns eine lange Heimreise.

Zeeland – Tag 13 – Vogelpark Utropia Middelburg – Indoorspielplatz

Heute war der letzte Regentag, den wir in diesem Urlaub hatten. Daher fuhren wir wieder durch den Westerscheldetunnel nach Middelburg. Dort besuchten wir den, leider mittlerweile geschlossenen, Vogelpark Utropia. In einer kleinen ehemaligen Halle einer Autowerkstatt hatte ein Holländer seinen Traum verwirklicht und einen kleinen Vogelpark eröffnet.

Hornvogel im Utropia Middelburg Hornvogel im Utropia Middelburg

Zu sehen gab es hauptsächlich Papageien und andere exotische Vögel. Außerdem gab es in der Mitte noch einen künstlichen Fluss, in dem sich Koikarpfen und einige kleine Schildkröten befanden. Das Highlight für die Kinder waren allerdings die Knabberfische, die man an seinen Händen knabbern lassen konnte. Dort wollten sie mehrfach hin und waren auch nur schwer wieder von dort weg zubekommen.  Auch sehr schön war es, das man wieder Loris füttern konnte. Im Gegensatz zum letzten Jahr im Avifauna, trauten sich die Kinder dieses Jahr auch. Es lag wahrscheinlich daran, das es im Utropia Park deutlich weniger Tiere waren.

Gouldamadine im Utropia-Vogelpark Gouldamadine im Utropia-Vogelpark Ein Knabberfisch an meiner Hand Ein Knabberfisch an meiner Hand

Nachdem wir alles gesehen hatten, hofften wir darauf, das sich das Wetter gebessert hatte. Wir wollten uns eine Spielmühle anschauen, bei der es auch ein Labyrinth mit mehreren Hüpfburgen gab. Als wir dort ankamen regnete es aber dermaßen, das überall riesige Pfützen standen. So konnten wir nur kurz die Mühle besichtigen und brauchten dingend einen Plan B. Knapp 5 Minuten später waren wir auf dem Weg nach Goes zu einem Indoorspielplatz. Dort konnten sich die Kinder so richtig austoben bevor es wieder zurück zur Ferienwohnung ging.

 

Zeeland – Tag 12 – Brügge – Schokoladengeschäfte ohne Ende

Wie bereits nach dem Paris-Ausflug, ließen wir es auch nach der Fahrt nach Dover total ruhig angehen. Wir stellten fest, das wir bereits 4 oder 5 mal durch Brügge gefahren sind, ohne uns die Stadt anzusehen. Meine Erwartungshaltung war relativ gering, da ich einen Shopping Tag erwartete.

Altstadt von Brügge Altstadt von Brügge

Wir parkten fast genau auf dem gleichen Parkplatz, den wir nutzten als in Brügge am Hauptbahnhof unsere Fahrt nach Paris begann. Von dort aus nutzen wir ein kostenlosen Shuttle-Bus in die Innenstadt. Bereits der erste Eindruck änderte meine Erwartung komplett. Es gab quasi keine Fußgängerzone wie man es aus allen anderen Städten kennt. Durch die Altstadt führten viele kleine, sehr enge, aber trotzdem mit einem PKW befahrbare Gassen. Links und rechts davon standen fast überall kleine alte Gebäude, in denen sehr häufig Schokoladenläden zu finden waren.

Belfried Brügge Belfried Brügge Blick auf den Kanal am Jan van Eyckplein Blick auf den Kanal am Jan van Eyckplein

Für die Kinder war der Besuch der Stadt ein Paradies. Wir durften keinen einzigen Schokoladenladen auslassen, denn in einigen gab es etwas zum Probieren. Das wollten sich die Kinder natürlich nicht entgehen lassen.

Auslage in einem Schokoladengeschäft Auslage in einem Schokoladengeschäft

Auf dem Rückweg zum Auto hatten wir mal wieder etwas Pech mit dem Wetter, denn es fing an zu Regnen. Zum wiederholten Male erreichten wir das Auto komplett durchnässt und machten uns fix auf den Weg ins warme Ferienhaus.