Provence 2019 : Wenns uns zuviel wird, dann steigen wir aus, …

… dann steigen wir ein, in unseren Wagen, der wird uns tragen
bis in die Provence. So lautete unser diesjähriges Motto für den Familien Sommerurlaub. Klingt harmlos, aber war es nicht wirklich. Vor uns lagen mal wieder ca. 1500 Kilometer mit dem Auto.

Da wir es bereits gewohnt sind, auf unseren Reisen lange Strecken mit dem Auto zurückzulegen, benutzten wir wieder unsere üblichen Tricks.

Erstens: Wir fahren früh los. Dieses Jahr war es gegen 5 Uhr als wir ins Auto stiegen. Die Straßen waren leer. So kamen wir gut voran. Zum Frühstück waren wir so bereits im Thüringer Wald. Für eine Autobahnraststätte hatten wir sogar ein richtig gutes Frühstück. Es gab eine Scheibe Leberkäse mit Spiegelei und Bratkartoffeln.

Zweitens: Wir teilen uns die Strecke ein. Dieses Jahr lag unser Zwischenziel in Mühlhausen bzw. in Mulhouse. Wir erreichten es bereits gegen 16 Uhr. Das schlimmste, die deutsche Autobahn, lag so bereits hinter uns. So konnten wir ganz entspannt unser Zimmer im Hotel beziehen und uns anschließend auf Entdeckungstour begeben. Eine gute Mischung aus Shopping-Tour und Sightseeing. Wir waren im Urlaub angekommen, obwohl wir noch gar nicht richtig da waren.

Überrascht war ich von der Kathedrale in Mulhouse. Oberhalb des Eingangsportals stand eine deutsche Inschrift, obwohl wir ja bereits in Frankreich waren. Aus geschichtlicher Sicht ist der Grund dafür allerdings klar. Ich hatte ehrlich gesagt aber nicht damit gerechnet, das das immer noch so offen zu sehen ist. Aber klar, wer sollte die Inschrift auch austauschen…

Drittens: Wir versuchen Autobahnen zu meiden. Gerade außerhalb von Deutschland fahren wir so viel wie nur möglich auf kleineren Straßen. Auch wenn es länger dauert, so haben wir deutlich mehr zu Entdecken. Und wenn etwas tolles links oder rechts neben der Straße liegt, halten wir auch schon mal an.

Abendstimmung über Mulhouse

Auf der Fahrt von Mulhouse zum Ferienhaus in der Provence passierte allerdings etwas, was uns noch nie passiert ist. Gegen Mittag hatten wir noch etwa 400km zu fahren und das Navigationsgerät schätzte unsere Ankunftszeit auf 19 Uhr. Auch wenn es schon recht spät war, entschieden wir uns Mittag zu Essen. Nach dem Mittag standen dann plötzlich 700km auf dem Navi. Viel zu weit für den Tag. In der Übersichtskarte wurde deutlich warum. Wir sollten einen riesigen Umweg in Richtung Norden fahren. Ich versuchte mich an die Route von vor der Pause zu erinnern und fuhr in die entgegengesetzte Richtung. Nach etwa 5km korrigierte das Navi seine Route. Nun waren es nur noch 340km und wir sollten wieder gegen 19 Uhr das Ferienhaus erreichen. Über 60km gespart. 🙂

Die Zeitschätzung war nun auch fast richtig. Allerdings gönnten wir uns noch einen Zwischenstopp bei einem Supermarkt. Dort kauften wir uns Lebensmittel für die ersten beiden Urlaubstage. Ich hatte keine Lust mehr, nach dem erreichen des Ferienhauses noch einmal loszufahren. An dieser Stelle vielleicht noch ein Tipp von mir: Es ist eine schlechte Idee hungrig mit einem Auto voll Reisegepäck einkaufen zu fahren. Wir hatten echt Probleme den Einkauf im Auto zu verstauen.

Alkoholfreier Chardonnay 😀

RATN 2019: Das Gefühl im Augenblick, ich glaube das ist Glück

Ich entschied mich schnell für die Nachtfahrt. Den Beinen ging es gut. Ich war motiviert das Rennen zu Ende zu fahren und hatte auf Regen irgendwie so gar keine Lust. Zumindest nicht bei den Temperaturen. Bei einem warmen Sommerregen hätte ich sicher meinen Spaß gehabt. Aber bei 5-10 Grad mit durchnässten Sachen fahren ist nicht schön.

Maren tat sich mit der Entscheidung deutlich schwerer. In ihrem Kopf kreiste die noch viel zu große Kilometerzahl. Da ich mich quasi entschieden hatte, sagte ich ihr, dass sie nun unseren weiteren Weg festlegen müsse und dass ich, egal wie sie sich entscheiden würde, mitziehen würde. Unbeabsichtigterweise setzte ich sie damit noch mehr unter Druck. Sorry dafür, aber ehrlich gesagt sah ich auch keinen anderen Weg. Wir brauchten eine Lösung, die wir beide mittragen wollten.

Nach einigen stillen Minuten entschied sich Maren dann für die Nachtfahrt und wir schmiedeten einen Plan. Wir wollten uns unterwegs etwas Zusätzliches zum Anziehen kaufen, damit wir mit der erwarteten niedrigen Temperatur klar kommen würden. Außerdem wollten wir Lebensmittel einkaufen und in den Rucksäcken transportieren, denn es gibt in den Niederlanden keine Nachttankstellen. Und wir wollten uns die Zeit nehmen, um in einem Restaurant zu essen und dort gleichzeitig unsere Akkus laden.

Ein paar Kilometer später aber das nächste Malheur. Maren verlor eine ihrer Trinkflaschen und als sie sie wieder aufheben wollte, bemerkte sie, dass ihr Halter am Sattel gebrochen war. Zusätzlich zu den eh schon vorhandenen Zweifeln war das für Maren ein weiterer Schlag ins Gesicht. Ich versuchte die Situation so schnell wie möglich zu entschärfen. Ich packte eine meiner beiden Werkzeugboxen in den Rucksack. In den dann freien Flaschenhalter kam Marens Trinkflasche und den gebrochenen Halter band ich oben auf meiner Satteltasche fest. Es konnte weiter gehen. Im Wiegetritt konnte dann allerdings nur noch einer von uns beiden fahren. Aber die Berge lagen ja zum Glück hinter uns.

Im nächsten größeren Ort fuhren wir an einem Einkaufzentrum vorbei. Maren verschwand dort in einem Klamottenladen und ich wartete in der Passage. Bzw. ich wolle es. Denn kaum stand ich da, wurde ich vom Sicherheitspersonal rausgeschmissen. Draußen sollte es doch prima Fahrradständer geben. Ich war etwas sauer. Jeder dreckige Kinderwagen darf überall hin, aber die sauberen Rennräder, die ein halbes Vermögen kosten, sollten draußen unbewacht im Dreck stehen. Aber egal: In dem Laden gab es eh nichts.

Gleich nebenan war ein weiterer Laden und dort wurde Maren fündig. Sie kaufte 2 Oberteile. Eins in Pink und eins in Grau. Als sie wieder aus dem Laden kam, wollte sie mir das in Pink geben und ich griff ohne zu zögern zu. Ich hatte ja im Vorfeld eh gesagt, dass ich ab Tag 3 mit Marens Nagellack fahren werde. Aber schlussendlich war dann doch das Graue für mich. War aber trotzdem aus der Frauenabteilung. Ich fand es irre witzig, dass ich auf dem Zielfoto ein Frauenoberteil tragen würde.

Auch den Einkauf im Supermarkt erledigten wir gleich mit. Während Maren am Einkaufen war, checkte ich auf der Karte die größeren Ortschaften, die noch vor uns lagen. Ich war auf der Suche nach einem Restaurant, welches möglichst lange offen hatte. Wir wollten nämlich das verbleibende Tageslicht so gut wie möglich zum Radfahren nutzen. Ich fand in Roermond 2 Restaurants und einen Schnellimbiss, die jeweils bis 23 Uhr geöffnet hatten. Das sollte passen.

Als wir dann weiter fuhren hatte ich nur die verbleibenden Kilometer bis zum Essen im Sinn. Ich wollte unbedingt in eines der beiden Restaurants. Ich hatte die Befürchtung, dass sie zwar lange genug auf hatten, aber eventuell eine Stunde vorher Küchenschluss haben würden. Wir beeilten uns also. Die vor uns liegende Nachtfahrt hatte ich komplett ausgeblendet. Für mich war das Ziel Restaurant vergleichbar mit den Hotels an den Vortagen.

Wir erreichten Roermond pünktlich. Entschieden uns dann allerdings dafür, ganz wo anders zu essen. Der Laden sah, wie einer der vielen Döner Läden in Berlin aus. Es lief Fußball im TV. Maren ging als erstes in den Laden um zu fragen, wie lange sie auf hätten und ob wir unsere Akkus laden könnten. Dabei fiel ihr nicht ein, was Steckdose auf Englisch hieß. Also lief sie hinter den Tresen, um auf eine Steckdose zu zeigen. Von draußen sah es so aus, als ob sie dort ihr Essen selbst kochen wollte.

Wir konnten unsere Akkus laden und der Laden war auch noch lange genug geöffnet. Also blieben wir dort. Maren bestellte sich eine Pizza und ich entschied mich für Rippchen und einen Salat. Als ich dann mein Essen bekam war ich total begeistert. So gute Rippchen hatte ich noch nie. Im Nachhinein habe ich noch einmal bei Google Maps geschaut, wo wir dort eigentlich genau gewesen waren und dort in den Bewertungen gelesen, dass es dort die wohl besten Rippchen der Region gibt. Mittlerweile spiele ich auch mit dem Gedanken, ob man nicht mal von Berlin aus dort zum Rippchen essen hin radelt.

Während des Essens schrieb ich mit meiner Frau in einem Gruppenchat, den wir eigens für RATN angelegt hatten. Sie hatte auf der Trackingseite bereits entdeckt, wo wir aßen und wollte wissen, ob wir direkt im Hotel nebenan übernachten werden oder ob wir weiter fahren wollten. Ich teilte ihr mit, dass wir bis zum Ziel weiterfahren werden. Anschließend war im Gruppenchat die Hölle los. Alle unsere Freunde wünschten uns viel Glück und machten uns Mut. Einzig meine Frau hatte Angst, dass uns in der Nacht etwas passieren könnte. Ich versuchte sie so gut ich konnte zu beruhigen, was jedoch nicht so recht klappte. Es war aber auch nicht das erste Mal, dass ich in der Nacht Radfahren wollte.

Gegen 23 Uhr machten wir uns dann auf den Weg. Auf die letzten verbleibenden 160 Kilometer. Plötzlich hörte sich die Zahl auch nicht mehr so riesig an. Auch für Maren war nun alles okay.

Eine Nachtfahrt ist eigentlich immer etwas ganz besonderes, da man dies in der Regel nicht so häufig macht. Auch wenn man deutlich weniger Licht zur Verfügung hat, so kann man in der Nacht einiges entdecken. Am offensichtlichsten sind da natürlich die beleuchteten Städte. Vor allem die Sehenswürdigkeiten (Kirchen, Türme, Burgen, Schlösser) sind in der Nacht oft hübsch anzusehen. Zwischen den Ortschaften kann man den Sternenhimmel bewundern. Die Milchstraße, die vielen Sterne und natürlich auch den Mond. Und auch ohne Augen kann man in der Dunkelheit sehen. Zum Beispiel kann man Temperaturunterschiede fühlen, wenn man sich gerade in der Nähe eines Gewässers befindet. Städte sind dagegen immer etwas wärmer.

Nach etwa 30 Kilometern machten wir eine erste kleine Pause hinter einem Autohaus. Wir aßen und tranken etwas von unseren Sachen, die Maren im Supermarkt gekauft hatte. Wir veranstalteten quasi unser erstes Zimmerpicknick ohne Zimmer.

Meiner Frau schickte ich eine kurze Statusmeldung und bekam als Antwort einen Screenshot von der Tracking Seite zugeschickt. Darauf war zu sehen, dass Patrick nur wenige Meter weiter sein Nachtlager aufgeschlagen hatte. Wir konnten uns so gar nicht vorstellen bei den Temperaturen draußen zu schlafen.

Wir machen Pause, Patrick schläft

Ein weiterer Screenshot zeigte uns, dass sich etwa 10 Kilometer vor uns das Team befand, welches wir am Vortag nach dem Kabel gefragt hatten. Wir hatten irgendwie Lust sie einzuholen. Der Abstand war allerdings doch recht groß.

Als wir wieder weiter fuhren war uns beiden dann so richtig kalt. Es war noch viel unangenehmer als vor der Pause. Wir machten das einzig sinnvolle in der Situation. Wir fuhren einfach schneller. Da eh keine Autos mehr unterwegs waren ignorierten wir die Radwege. Dadurch wurde es dann schnell wärmer. Viel wärmer. Ich fand meinen Flow wieder. Ziel war es nun doch, das andere Team einzuholen.

Was wir allerdings nicht wussten war, dass die Position auf der Karte etwa 2 Stunden alt gewesen war. Sie zeigte die letzte bekannte Position des Teams, bevor ihr Tracker ausfiel. Sie hatten ja kein Kabel. Damit waren sie in Wirklichkeit etwa 50 Kilometer vor uns. Unmöglich einzuholen.

Wieder etwa 30 Kilometer später machten wir eine nächste Pause. Aßen erneut etwas. Und wieder war es nach der Pause bitterkalt. Ab dem Zeitpunkt wollten wir dann keine weiteren Pausen mehr machen, aber ohne ging es leider auch nicht. Wir waren einfach zu erschöpft um den Rest der Strecke durch zu fahren. Und außerdem musste das oben rein gefüllte Wasser auch wieder entsorgt werden. Wir mussten wohl oder übel ab und zu frieren.

Langsam machte sich zusätzlich auch die Müdigkeit breit. Sie wiederum sorgte für zusätzliche Kälte. Ein Teufelskreis. Die letzten Kilometer zum Ziel wollten einfach nicht weniger werden. Einziger Trost war, das es langsam wieder hell wurde und damit auch wieder wärmer. Wir machen eine letzte Pause. Auch wenn ich nicht sonderlich gut aussehe, ein wenig eitel bin ich dann doch. Ich zog meine Warnweste aus. Diese wollte ich auf keinn Fall auf dem Zielfoto haben. Da war es wieder mein Problem mit der Farbe Rot. Die gelbe Weste passte einfach nicht zum Rest.

Als ich dann das Ortsschild von Amerongen sehen konnte, tauchten auf meinen Schultern ein Engelchen und ein Teufelchen auf. Der Teufel fragte mich, ob ich mir jetzt nicht das Ortsschild holen sollte. Rafal hatte mir schließlich eingebläut, das die letzten Ortsschilder der Tour die wichtigsten seien. Der Engel erinnerte mich daran, dass wir eigentlich abgemacht hatten, gemeinsam und gleichzeitig in den Ort zu rollen. Und während ich mich mit dem Engelchen und Teufelchen unterhielt, passierte genau das, was man in jedem guten Film an der Stelle erwarten würde. Es überholte uns eine Oma mit ihrem E-Bike und holte sich das Ortsschild.

Kurz darauf erreichten wir das Ziel. Der Platz vor dem Cafe war total leer. Niemand war zu sehen. Als wir dichter kamen, sahen wir wie eine Person mit Fotoapparat vor die Tür kam. Ich fühlte mich leer. Konnte gar nicht verarbeiten, dass dies das Ziel unserer Tour sein sollte. Innerlich stellte ich mir den Platz vor einer Woche vor: all die Radfahrer, die Aufregung, das wilde Treiben. Alles war weg. Ich drehte noch 2 kleine einsame Runden auf dem Platz, stieg dann vom Rad und umarmte Maren. Wir hatten es geschafft.

Während dessen machte die Fotografin Fotos von uns. Sie bot uns ein Zielbier oder einen Kaffee an. Wir entschieden uns für das Bier. Anschließen saßen wir mit der Fotografin am Tisch und unterhielten uns. Naja Maren unterhielt sich. Ich war irgendwie immer noch damit beschäftigt meine Gedanken zu sortieren.

Nach und nach kamen andere Fahrer ins Cafe. Es waren die Fahrer, die in der Nacht das Ziel erreichten. Sie hatten sich wohl in dem Raum, in dem vor einer Woche das Büffet aufgebaut war, für ein paar Stunden ausgeruht. Sebastian war da und auch das Team, welches wir nach dem USB-Kabel gefragt hatten.

Als ich auf dem Weg zum WC war sprach Jack mich an: „Ihr ward am ersten Tag ganz schön schnell unterwegs. Habt aber auch sehr viele Pausen gemacht.“ Ich sagte ihm, dass wir die ganze Zeit so gefahren seien. Unser Ziel war es Spaß zu haben und ich denke, dass es uns ganz gut gelungen ist. Die Tour war toll. Direkt im Cafe war für mich klar, dass ich so etwas noch einmal machen möchte.

Wir buchten uns wieder ein Zimmer in dem Hotel, in dem wir bereits die Nacht vor dem Start verbracht hatten und fragten nach, ob wir auch gleich ins Zimmer könnten. Man versprach uns, dass dies ab 10 Uhr möglich sein sollte. Wir machten uns auf dem Weg. Kauften unterwegs noch einmal für ein letztes und zur Feier des Tages besonders üppiges Zimmerpicknick ein.

Im Hotel gab es dann die böse Überraschung. Der vorherige Gast hatte noch nicht ausgecheckt. Wir durften allerdings in eine Art Gemeinschaftsküche. Dort wollten wir essen. Maren packte erst einmal alles was sie eingekauft hatte auf den Tisch. Eine nette Dame vom Hotel brachte uns noch einen Wasserkocher und eine kleine Kaffeemaschine. Als sie den Berg Essen auf dem Tisch sah verdrehte sie die Augen.

Als ich ein klein wenig gegessen hatte, rief ich dann meine Frau an. Berichtete ihr, dass wir nun im Ziel seien und dass wir gleich schlafen gehen wollten. Während dessen aß Maren munter weiter. Mit jeder weiteren Frage meiner Frau wuchs meine Angst vom Essen nichts mehr ab zubekommen. Maren amüsierte sich darüber .

Dann konnten wir endlich ins Zimmer. Schnell duschen und dann nur noch schlafen. Am Abend gingen wir noch einmal zum Essen in ein Restaurant und danach direkt wieder schlafen.

Am nächsten Morgen fragte ich Maren wieder: „Und was machen wir heute?“ – Ihre Antwort war vorauszusehen. „Eine kleine Radtour!“ Also stiegen wir auf unsere Räder und radelten in Richtung Heimat.

Strava – Ich: https://www.strava.com/activities/2350699199

Strava – Maren: https://www.strava.com/activities/2350705936

RATN 2019: Weil ich es will, tanze Täler über Berge!

Am Morgen lief ich ganz vorsichtig und im Schongang durchs Haus, weil ich Schmerzen in den Knien erwartete. Aber da war nichts. Es ging meinen Knien zum Glück wirklich wieder besser. Ich fragte Maren, was wir denn heute schönes machen würden. Sie antwortete: „Eine kleine Radtour?“ Ich war guter Dinge. Hatte richtig Lust auf den nächsten Abschnitt.

Trotzdem ließen wir es ruhig angehen und gingen erst einmal zum Frühstück in ein benachbartes Haus. Der Tisch war nur für uns beide gedeckt und dazu ein kleines Büffet aufgebaut. Außerdem stand an jedem Platz eine kleine Schale Quark. Nach dem Dilemma mit dem Vla traute ich mich da allerdings nicht ran. Maren ließ meine Portion allerdings nicht verkommen.

Irgendwie tat es gut, nach so langer Zeit mal wieder richtig Frühstück zu essen. Wir kamen dadurch zwar etwas später los, aber die erste Pause konnte so eigentlich ganz ausfallen. Nur gepäcktechnisch hatten wir ein Problem: Durch den Rotwein vom Vorabend hatten wir unsere gekauften Getränke nicht angerührt. So wanderten die Cola und Bierdosen in meine Lenkertasche. Zusätzliches Gewicht für die Berge. Wahrscheinlich war das auch gut so, damit das Vorderrad auch in den steilen Passagen nicht den Kontakt zum Boden verlieren würde. Es warteten so richtig fiese Rampen auf uns.

Wir fuhren nicht wieder durch den Wald. Es war nun zwar hell, aber noch einmal hatten wir darauf keine Lust. Wir kehrten auf asphaltiertem Weg zum Track zurück. Allerdings verpassten wir so etwa 2 Kilometer. Irgendwie war es uns zu blöde, 2 Kilometer hin und her zu fahren, um die Lücke korrekt zu schließen. Für uns war dadurch nun zumindest ein Teil des „USB-Kabel-Umwegs“ wieder ausgeglichen.

An dem Teil der Strecke war auch nichts Besonderes. Es ging über Radwege oder kleine landwirtschaftlich genutzte Straßen in Richtung Osten. Wir fuhren sogar ein kurzes Stück in Belgien. Alles sah irgendwie gleich aus. Ein Dorf glich dem nächsten. Dazwischen die gleichen Felder. Das einzige was mir auffiel, war dass die Autofahrer hier im Süden irgendwie rasanter unterwegs waren. Nicht so gemütlich wie in den letzten Tagen.

Unsere erste Pause machten wir wieder auf so einer kleinen Brücke, die direkt neben dem Weg lag. Wie zwei Tage zuvor setzte ich mich auch wieder auf den Boden. Diesmal gab es Kekse und Cola. Ich fand es wieder mega schön dort. Nur ein paar Schritte von der Brücke entfernt hatte man einen wunderschönen Blick auf das letzte Dorf, welches wir durchquert hatten. Wären wir dort einfach nur vorbei gefahren, hätte ich die Schönheit des Ortes wohl gar nicht wahrgenommen. Schon komisch, das es manchmal nur 3 Schritte neben dem Weg total anders aussieht.

Pause

Im Vorfeld der Tour hatte eine Teilnehmerin eine Baustelle auf dem Track entdeckt. Es fehlte eine Brücke und musste daher umfahren werden. Ed Bos hatte dafür bereits einen Routenvorschlag in die Facebook Gruppe gepostet und dafür Kritik einstecken müssen. Einige Fahrer waren der Ansicht, dass dadurch das Abenteuer kaputt gemacht wird. Mir persönlich war das egal. Allerdings war ich auch zu faul, den Track noch einmal anzupassen. Also fielen wir auf die fehlende Brücke herein, fuhren in die Sackgasse, drehten um und folgten dann der ausgeschilderten Umleitung. Oh was ein Abenteuer.

Kurz darauf erreichten wir die ersten Berge. Diesmal sprach ich allerdings mit Maren ab, dass ich den ersten Berg in meinem Tempo fahren wollte. Ich wollte nicht wieder Ärger wegen irgendeiner Halb-Profimannschaft. Ich fuhr im Wiegetritt und war recht schnell alleine. Oben wartete ich dann auf Maren. Berg ab dann das umgekehrte Bild. Maren vorne weg und ich langsam wie ein Mädchen hinterher.

Wir machten unsere nächste Pause in einer kleinen Auffahrt, die ein Bauer wahrscheinlich nutzte, um auf seine Felder zu gelangen. Mir fiel sofort auf, dass dort links und rechts neben dem Weg viel Minze wuchs. Mein erster Gedanke war: „Nun nach einer Woche auf dem Rad muss ich nun endlich nicht mehr stinken.“ Ich wollte mir Minze ins Trikot stecken. Maren warnte mich davor und meinte, dass ich davon bestimmt Ausschlag bekommen würde. Da ich am Vorabend meine Dummheit mit Google Maps perfekt bewiesen hatte, hörte ich diesmal auf die weise Frau.

Die nächsten Berge, die wir erreichten waren wohl die bekanntesten der Region. Den Anfang machte der Cauberg in Valkenburg. Im steilsten Teilstück mit über 10% Steigung. Dort mussten wir mit unserem Gepäck das erste Mal richtig kämpfen.

Aber gegen den Keutenberg war der Cauberg dann doch eine leichte Kleinigkeit. Direkt vor dem Berg stand ein Verkehrsschild, das auf 22% Steigung hinwies. Wir waren so etwas steiles noch nie gefahren. Im Team fahren war hier nicht mehr möglich. Jeder musste sich in seinem Tempo irgendwie da hochkämpfen. Was uns auch beiden gelang. Keiner von uns musste an diesem Berg vom Rad steigen.

Auf dem Weg zum nächsten Anstieg trafen wir den RATN-Teilnehmer Patrick. Wir fragten wie es ihm geht und kamen direkt ins Gespräch. Maren war so richtig in das Gespräch vertieft. Ich ermahnte sie: „Achtung Maren in etwa einem Kilometer kommt der nächste Berg“ Der Gulperberg lag direkt vor uns. Noch einmal zweistellige Steigungswerte. Wie auch bei den Bergen zuvor fuhr hier jeder sein Tempo.

Ich erreichte die Kuppe als Erster. Oben wurde ich von RATN-Fahrerin Susanne begrüßt, die dort bereits seit 10 Minuten Pause machte. Nach einem kurzen „Hallo“ war dann Maren auch oben angekommen. Ich packte mein Handy aus um ein Foto zu machen. Und dann war auch Patrick da. So gab es oben auf dem Gulperberg ein spontanes RATN-Treffen von 4 Fahrern. Mit Gummibärchen zur Stärkung.

RATN-Treffen

Es folgte noch ein letzter Anstieg, dessen Namen ich leider nicht kenne. Er führte uns auf den höchsten Punkt des gesamten RATN-Tracks. Die Steigung war moderat. Wir fuhren wieder als Team. Oben wollten wir eine Pause machen, die Aussicht genießen und auch ein Hotel für die Nacht klar machen.

Allerdings war die Bergkuppe komplett bewaldet. Es gab keine Aussicht. Also fuhren wir noch ein Stückchen weiter, bis wir einen Rastplatz fanden. Dort tranken wir dann das Bier vom Vortag, welches ich tapfer über die Berge gefahren hatte.

Auch mit dem Hotel war es nicht so einfach. Der Wetterbericht sagte für den folgenden Tag Dauerregen voraus. Ich stellte die Idee in den Raum: „Lass uns die Nacht durchfahren und morgen früh ohne nasse Klamotten das Ziel erreichen.“ Wir mussten uns entscheiden.

Ausblick bei der Entscheidungsfindung

RATN 2019: Und am Horizont leuchtet immer ein Turm

An diesem Tag ging es nun einmal quer durch Zeeland. In der Nähe hatte ich meinen dritten und letzten Familienurlaub in den Niederlanden verbracht. Auch hier kannte ich mich also mehr oder weniger aus.

Das erste Highlight des Tages ließ nicht lange auf sich warten. Wir fuhren über das Oosterschelde-Sperrwerk. Links und rechts war das Meer zu sehen. Am Horizont konnte man den einen oder anderen Leuchtturm erkennen und der Wind wehte noch einmal direkt von vorne. Im Gegensatz zu den anderen Tagen war dies allerdings nicht so schlimm.

Leuchtturm voraus

Wir fuhren mit einem unwohlen Gefühl, da unser Reservemantel am Vorabend an meinem Rad montiert wurde. Also beschlossen wir, so schnell wie möglich einen neuen zu kaufen. Der erste Radladen, den ich fand, war leider ein Reinfall. Geschlossen. Bei dem nächsten hatten wir aber Glück. Wir kauften einen neuen Mantel und auch einen neuen Schlauch. Außerdem hatten wir richtig gutes Timing. Während wir einkauften, zog nämlich ein Regenschauer durch. Als wir alles verpackt hatten, war es schon wieder trocken. Da hatte unsere Panne am Vortag nun doch etwas Gutes gehabt.

In Visslingen verließen wir den Track um in das Zentrum der Stadt zu gelangen. Wir wollten dort das Ladekabel für unsere Tracker kaufen. Mein Wunschziel war der dortige HEMA, den ich aus dem Familienurlaub kannte. Ich erinnerte mich daran, dass es dort viele Kabel zu kaufen gab. Es gab auch in der Tat jede Menge Kabel, allerdings alle nur mit Micro-USB. Wir brauchten aber Mini-USB. Anschließend fragten wir noch in 3 weiteren Läden nach. Das Ergebnis war allerdings überall das gleiche. Nur Micro-USB, kein Mini-USB!

In der Zwischenzeit erhielt ich auch über den Facebook Messenger eine Nachricht vom Veranstalter: „Ladet bitte eure Akkus!“ Wir hielten noch einmal und antworteten kurz, dass wir kein Kabel hatten und auch keines mit dem nötigen Anschluss auftreiben konnten. Außerdem schrieben wir, dass wir nun erst einmal wieder Rad fahren wollten. Wir waren ja nicht zum Shoppen in Holland. Wir hatten noch immer die leise Hoffnung, dass hinter der nächsten Ecke jemand stünde um den Tracker zu tauschen.

Eigentlich hatten wir überlegt, einen kleinen Abstecher nach Yeserke zu machen, um dort Muscheln zu essen. Aber irgendwie waren wir durch den Ärger mit dem Kabel nicht in der Stimmung dazu. Stattdessen versuchten wir im nächsten größeren Ort erneut, das passende Kabel aufzutreiben. Aber auch dort hatten wir keinen Erfolg. So langsam wurde die Kabelsucherei echt nervig und drückte auf die Stimmung.

Wir gaben die Suche nach dem Kabel auf. In der nächsten Pause, in der dringende Geschäfte erledigt werden mussten, hatte ich die Idee uns helfen zu lassen. Ich rief meine Frau an und Maren ihren Vater. Beide bekamen von uns die Aufgabe in der Nähe des Tracks zu schauen, ob sie eventuell einen Laden finden würden, wo es ein Mini-USB-Kabel geben könnte.

Mein Rad von der falschen Seite

Wir waren noch am Telefonieren, da fuhr ein anderes RATN Team an uns vorbei. Ich rief zu Maren: „Beeil dich!“, denn ich wollte die beiden fragen, ob sie eventuell ein Kabel hatten und es uns leihen würden. Mittlerweile waren sie aber bereits am Horizont verschwunden. Wir fragten unsere Beine, was noch möglich war und jagten den beiden mit knapp 40kmh hinterher. 2 Dörfer später hatten wir sie dann auch eingeholt. Allerdings hatten sie auch kein Kabel. Alles umsonst. Machte aber trotzdem Spaß.

Mein Telefon klingelte. Es war meine Frau. Sie hatte einen Mediamarkt gefunden. Aber leider war dieser etwa 15 Kilometer vom Track entfernt. Wir wollten kein Risiko eingehen. Riefen dort also an und fragten, ob es das passende Kabel gab. 15 Minuten Warteschleife und Nachfragen beim Kollegen und Warteschleife und weiteres Nachfragen später erhielten wir ein klares „vielleicht“ als Antwort. Also fuhren wir weiter auf dem Track, denn das war uns dann doch zu unsicher, um einen 30 Kilometer Umweg zu riskieren.

Kurz vor Roosendaal klingelte das Telefon wieder. Diesmal war Marens Vater dran. Er hatte einen Technik-Laden gefunden, in dem es ein Mini-USB-Kabel geben sollte. Er hatte dort auch bereits angerufen und das Kabel zurücklegen lassen. Der Anruf kam genau im richtigen Moment. Der Laden war etwa 5 Kilometer von uns entfernt. Wir nahmen die 10 Kilometer in Kauf und holten das Kabel.

Neben dem Technik-Laden machten wir dann direkt im Anschluss an den erfolgreichen Einkauf unsere Mittagspause. Ich war überrascht: Eine Pommesbude, bei der die Pommes noch frisch aus Kartoffeln hergestellt wurden. Direkt im Schaufenster. Irgendwie auch witzig. Das entschädigte uns zumindest ein wenig für die ausgefallenen Muscheln. Während wir aßen, luden wir meinen Tracker auf.

Ich schrieb nochmal eine Nachricht an den Veranstalter. Teilte ihm mit, dass wir nun ein Kabel hatten. Aber auch, dass wir etwas enttäuscht waren, dass das so schlecht organisiert wurde. Und dass wir dadurch viel Zeit vertändelt hatten und die Stimmung nicht wirklich gut war. Wir waren gespannt, ob wir darauf eine Antwort erhalten würden. Kurze Zeit später kam sie dann. Der Veranstalter entschuldigte sich. Erklärte, dass die Tracker von einer externen Firma waren und dass er im nächsten Jahr einen anderen Anbieter wählen wird. Außerdem wünschte er uns ein erfolgreiches Finish.

Das legte zumindest bei mir im Kopf einen Schalter um. Ich fing an darüber nachzudenken, dass wir auf dem besten Weg waren das Rennen abzuschließen. Es lagen nur noch 2 weitere komplette Tage vor uns. Ich rechnete mit einer Zielzeit von 7 Tagen + X Stunden. Da es mittlerweile schon wieder Richtung Nachmittag ging, buchten wir unser Hotel.

Die letzte große Stadt, die wir an diesem Tag noch durchfuhren, war Baarle Hartog. Ein Kuriosum. Etwa die halbe Stadt gehört zu den Niederlanden, während die andere Hälfte in Belgien liegt. Die Stadt ist dabei aber nicht einfach in zwei Teile geteilt. Innerhalb des belgischen Teils gibt es kleine Bereiche, die zu den Niederlanden gehören. Und natürlich auch umgekehrt. Das Ganze geht soweit, dass ein Haus zu beiden Ländern gehören kann. An den Hausnummern, die neben den Türen angebracht waren, konnte man erkennen in welchem Land man gerade war.

Baarle Hartog

Da es schon recht spät war, kauften wir dort im Jumbo-Supermarkt ein. Es lag zwar noch ein weiterer Supermarkt am Track, aber wir waren uns nicht sicher, ob wir ihn noch rechtzeitig erreichen würden. Die letzten Kilometer bis zum Hotel waren dann auch mehr als zäh. Wir fuhren auf einem Radweg, direkt neben einer etwas größeren Straße. Immer geradeaus. Ab und zu nur unterbrochen von einem Kreisverkehr. Es kam uns so vor, als ob wir gar nicht vorankämen.

So richtig Dunkel war es noch nicht, aber unsere Räder leuchteten trotzdem wie Christbäume

Kurz nach 21 Uhr erreichten wir dann doch unter Hotel. Naja nicht ganz. Wir fuhren am Hotel vorbei, da ich auf dem Handy den Zielpunkt für die Navigation nicht genau genug gesetzt hatte. So fuhren wir in eine Sackgasse hinter dem Hotel. Ein normales Wohngebiet. Also fuhren wir wieder zurück.

Im Hotel waren alle Lichter aus. Die Türen verschlossen. Keiner da. Wir riefen die Telefonnummer an, die an der Tür stand: Anrufbeantworter. Maren lief noch einmal um das Hotel. Bei mir machte sich aber bereits Panik breit. Wir brauchten ein anderes Hotel. Meine Vorbereitung nützte uns nun nichts mehr, da ich nur etwa alle 20 Kilometer auf dem Track Hotels markiert hatte. Zu weit für den Abend.

Also suchte ich mit Googles Hilfe nach einer möglichst nahegelegenen Alternative. Wir riefen mehrere Hotels an. Entweder ging niemand ans Telefon oder es gab eine Absage. Die Panik wurde größer, es wurde dunkler und der Umkreis in dem ich suchte größer.

Dann klingelte mein Telefon. Es war eine nette Dame dran, die ein freies Zimmer hatte. Allerdings wussten wir nicht direkt, zu welchem der vielen Hotels, die wir probiert hatten, sie gehörte. Trotzdem sagten wir ohne zu zögern, dass wir das Zimmer nehmen werden. Anschließend fragten wir, von welchem Hotel sie überhaupt anrief. Wir mussten ja den Weg dorthin finden.

Ich weiß heute nicht, ob es die Angst war, ein weiteres Mal vor verschlossenen Türen zu stehen oder nur meine eigene Dummheit. Jedenfalls wollte ich so schnell wie möglich zu dem Hotel. Ich suchte es auf Google Maps. Klickte auf Navigation mit dem Fahrrad und dann auf los.

Bis zum Hotel sollten es in etwa 7 Kilometer sein. Das erste Stückchen der Strecke war gut. Es ging über gute Wege durch eine Ortschaft. Dann wurde es auf einmal rumpelig und keine 200 Meter weiter standen wir im Wald. Im Dunklen. Natürlich ohne befestigte Wege. Trotzdem dachten wir nicht ans Umdrehen. Wir wollten immer noch so schnell wie möglich ins Hotel.

Ich fuhr mit einer Hand am Lenker und in der anderen Hand das Handy. Einen Handschuh hatte ich ausgezogen, da das Display vom Handy immer wieder ausging und ich meinen Fingerabdruck benötigte um es wieder anzuschalten. Total bescheuert: Mit dem Rennrad nachts einhändig im Wald.

Handy Navigation im Wald 🙂

Nach etwa 3 oder 4 Kilometern im Wald konnten wir dann wieder auf Asphalt fahren. Wir atmeten auf: Keine Panne im Wald. Das hätte uns den Tag wohl vollends versaut. Wir erreichten unser Ziel, mittlerweile war es ungefähr 22:30 Uhr.

Zu unserer Überraschung erwartete uns kein Hotelzimmer. Wir durften uns über ein eigenes kleines Häuschen mit Wohnzimmer, Bad und Schlafzimmer freuen. Außerdem war Frühstück im Preis enthalten und wir erhielten auch noch eine Flasche Rotwein als Begrüßungsgeschenk.

Einzig die Räder mussten dieses Mal draußen „Schlafen“. Dies störte uns allerdings nicht, da wir mitten im Nichts waren. Wir erwarteten nicht, dass dort in der Nacht irgendwelche Leute vorbeikommen würden. Wir kramten unsere Sachen aus den Taschen und gingen ins Haus.

Dadurch, dass die Tür relativ lange offen stand, war es in dem Haus recht frisch. Oder aber es kam mir nur so vor, weil die Fahrt ohne Handschuh ihre Spuren hinterlassen hatte. Ich lief jedenfalls ziemlich kopflos durch das Ferienhaus, auf der Suche nach der Heizung. Diese fand ich aber nicht. Mein Plan B war es dann, so schnell wie möglich heiß zu duschen.

Nach dem Duschen fand ich dann doch noch das Bedienteil für die Fußbodenheizung und drehte die Temperatur etwas hoch. Anschließend verschwand ich zusammen mit dem Rotwein direkt ins Bett zum Zimmerpicknick.

Mal wieder Zimmerpicknick!

Meine Stimmung war nach dem Tag eher schlecht. Mir war immer noch kalt. Die Knie schmerzten. Ich machte mir Sorgen, wie ich den nächsten Tag überstehen sollte. Hoffte aber trotzdem, dass am Morgen alles wieder gut sein würde. Musste es ja auch, weil ich die holländischen Berge (also die richtigen) sehen und auch fahren wollte.

Strava – Ich: https://www.strava.com/activities/2347427740

Strava – Maren: https://www.strava.com/activities/2347391222

RATN 2019: Immer mehr sehn, mehr vom Meer sehn

Nachdem wir uns am letzten Tag so in Richtung Norden gekämpft hatten, ging es nun durchweg wieder in Richtung Süden. Der Wind hatte über Nacht zum Glück nicht gedreht. Wir konnten uns also über Rückenwind freuen.

Wir befreiten unsere Räder aus der noblen Tiefgarage und die ersten Kilometer liefen wie von ganz allein. Sie vergingen wie im Flug. Wie am Vorabend fuhren wir durch die Dünen direkt am Meer entlang. Immer wieder konnten wir auch das Meer sehen.

Dann erreichten wir einen Naturpark, der nur tagsüber befahren werden durfte. Für die Nachtfahrer hatte der Veranstalter dafür extra eine Umfahrung herausgegeben. Wir brauchten diese nicht. Im Park machten wir Bekanntschaft mit ein paar Kühen. Ich hielt direkt bei ihnen an, weil ich ein Foto wollte. Maren hatte Respekt und fuhr erst einmal ein Stückchen weiter. Dann wollte sie doch ein Foto und kam zurück.

Auch hier scheint der gleiche Frisör am Werk gewesen zu sein

Etwas nervig war, dass der Park nicht asphaltiert war. Das niederländische Kopfsteinpflaster ist zwar nicht vergleichbar mit den runden brandenburgischen Feldsteinen aber wenn man circa 20 km drüber fahren muss, wird es doch irgendwie nervig. Zum Glück waren meine Sitzbeschwerden vom Vortag fast weg, so dass das nicht allzu schlimm war.

Niederländisches Kopfsteinpflaster

Ich brauchte unterwegs mal wieder ein WC, obwohl ich diesmal keinen Vla zum Frühstück gegessen hatte. Wahrscheinlich lag es einfach daran, dass wir etwa eine Stunde früher losgefahren waren und ich deswegen im Hotel nicht mehr war. In der RATN Facebook Gruppe wurde uns der Tipp gegeben, immer ein 50 Cent Stück in der Tasche zu haben. An der Küste sollte es zahlreiche WC-Häuschen geben. Wir fanden aber keines. Als wir dann endlich doch eines fanden, war es sehr dreckig und es gab kein Toilettenpapier. Schlechter hätte man das Geld nicht investieren können.

Im Hafengebiet um IJmuiden gab es einige Schienen zu queren. Ich weiß nicht mehr, wer damit angefangen hatte, auf jeden Fall entwickelten wir hier die perfekte Harmonie: „Achtung Schienen, liebe Maren!“ – „Danke, lieber Marc.“ Oder halt umgekehrt. Wir erreichten die einzige Fähre, die auf dem gesamten RATN Track lag. Im Vorjahr konnten die Fahrer auch hier über mehrere Brücken fahren, aber dort wurde jetzt gebaut. Wir mussten etwa 15 Minuten auf das Schiff warten. Maren hatte die Idee, die Zeit sinnvoll zu nutzen. Also reinigten wir unsere Fahrradketten.

Kurz darauf wurden wir in Bloemendaal von einem kleinen Berg überrascht. Wir fuhren nichts Böses ahnend auf einer ebenen Straße, dann eine 90 Grad Kurve und da ging es dann berghoch. Das bin ich dann im dicken Gang gefahren, da ich es nicht mehr schaffte in einen besseren Gang zu schalten.

Anschließend kamen wir nach Zandvoort, den Ort, der für seine Autorennstrecke bekannt ist. Sogar Formel 1 Rennen haben dort einmal stattgefunden. An diesem Tag war dort aber nichts mit Rennen. Zumindest auf den öffentlichen Straßen. Die ganze Stadt glich einem riesigen Parkplatz, wahrscheinlich weil eine Veranstaltung auf der Rennstrecke stattgefunden hatte. Uns war das egal. Wir radelten fröhlich am Stau, direkt an der Strandpromenade mit Meerblick, vorbei.

In Den Haag gönnten wir uns einen kleinen Offtrack-Exkurs. Wir fuhren mit unseren Rädern auf die Mole, welche die eine Seite vom Hafen begrenzte. Auch diesen Ort kannte ich aus einem Familienurlaub. Ich zeigte Maren, dass man von diesem Ort einen wunderschönen Blick auf Den Haag hat. Wir machten Fotos und fuhren dann weiter zu Simonis. Und auch das war bereits lange geplant gewesen. Wir wollten dort Hummer essen. Hummer während eines Radrennens. Ziemlich dekadent. Wir waren uns ziemlich sicher, dass wir die einzigen RATN Teilnehmer waren, die sich dafür Zeit genommen hatten. Lustigerweise hatten wir dabei sogar noch Kettenschmiere an den Fingern.

Den Haag
Hummer während eines Radrennens – unsere Premiere

Bis Hoek van Holland hatten wir Rückenwind, dann erfolgte ein Richtungswechsel. Wir fuhren nun in Richtung Osten, in Richtung Rotterdam. Es ging vorbei an Hafenanlagen und großen Schiffen. Ich war von der Größe des Hafengebiets überrascht.

Kurz vor Rotterdam trafen wir Leo Förster, den wohl beeindruckendsten Langstreckenfahrer den ich kenne. Mit seinen über 70 Jahren kann er auf über 600.000 geradelte Kilometer zurückblicken. 24 mal Superrandonneur. 6 erfolgreiche Teilnahmen an Paris-Brest-Paris. Schaut einfach mal auf seine Homepage: http://www.mrpbp.nl/pagina40.html Einfach unglaublich was der Mann alles gefahren ist. Leider sprach er nur holländisch. Wir wünschten ihm aber trotzdem viel Glück. Am Tag darauf erfuhren wir allerdings, dass er das Rennen aufgeben musste. Ich bin mir aber sicher, dass er es im nächsten Jahr noch einmal probieren wird.

Dann erwischte uns ein weiterer kurzer, heftiger Regenschauer. Keine Chance sich irgendwo unterzustellen. Zum Glück schien bereits kurze Zeit später wieder die Sonne und trocknete unsere Klamotten. Trotzdem ist die Stadt irgendwie nervig. Es waren sehr viele Radfahrer unterwegs und zusätzlich waren die Radwege doch recht schmal. Ich war ein wenig enttäuscht, weil Rotterdam eigentlich meine holländische Lieblingsstadt war. Auf jeder meiner drei Urlaubsreisen, die in die Niederlande führten, hatte ich die Stadt besucht. An diesem Tag wollte ich einfach nur wieder ins Grüne. Ganz witzig fand ich allerdings, dass in einem Park ein Rockkonzert stattfand und davor ein Platz mit hunderten abgestellter Fahrräder zu sehen war. Die Holländer fahren also mit dem Fahrrad zum Konzert.

Eines der Highlights des RATN Tracks sollte die Passage der Erasmus Brücke in Rotterdam sein. Auch darauf hatte ich mich eigentlich total gefreut und war hinterher etwas enttäuscht. Immerhin machten wir beide eine Menge guter Fotos, während wir über die Brücke fuhren. Ein Highlight der Tour war das allerdings für uns nicht.

Direkt nach der Brücke machten wir eine weitere Pause, denn dort war ein Jumbo-Markt in Sicht. Es war Feiertag in den Niederlanden und wir hatten Angst, kurz vor dem Hotel keinen offenen Supermarkt mehr zu finden. Oder besser gesagt ich hatte Angst. Eine Maren, die nichts zu essen bekommt, wollte ich nicht erleben. Wir suchten uns also ein Hotel und gingen direkt Einkaufen. Während der Pause fuhr Leo wieder an uns vorbei.

Anschließend ging es mit vollen Rucksäcken zur Küste zurück. Auf etwa halbem Weg zur Küste überholten wir Leo ein weiteres Mal. Es regnete mal wieder. Diesmal sogar mit Hagel. Sehr unangenehm im Gesicht.

Bei der Wahl unseres Hotels waren wir dann wohl doch etwas zu optimistisch. Es war zwar nicht mehr so sonderlich weit, aber wir hatten keinen Rückenwind mehr. Ganz im Gegenteil: Von Rotterdam bis zur Küste zurück hatten wir mal wieder Gegenwind. Außerdem hatten wir nichts zu trinken gekauft. Das wollten wir uns im Hotel besorgen. Auch dafür brauchten wir zusätzliche Zeit. Wir fuhren also so schnell es irgendwie ging.

Kurz vor dem Hotel waren wir dann eigentlich genau im Zeitplan. Hatten noch etwa 5km zu fahren. Und dann passierte genau das, was einem so kurz vor dem Feierabend noch den Tag versauen kann. Ich fuhr durch eine 90 Grad Kurve. Hörte einen Knall und sofort hatte ich auch schon keine Luft mehr auf dem Hinterreifen. Mist Dreck! Bei der Demontage des Reifens sah ich dann einen etwa 1 cm langen Schnitt im Mantel. Ich entschied mich auf Nummer sicher zu gehen und montierte unseren Reservemantel. Im ersten Moment ärgerte ich mich. Hatte ich durch die Eile zu viel riskiert? Hatte ich etwas übersehen? Oder einfach nur Pech? Schlussendlich waren wir dann aber doch froh, dass das ganze so glimpflich ausging. Kein „Oh, wir kriegen den Mantel nicht von der Felge!“ oder ähnliche Horrorgeschichten.

Das Hotel erreichten wir dann etwa 20 Minuten später als geplant. Mit dreckigen Fingern. Aber egal. Hauptsache wir konnten weiterfahren. Das Hotel entpuppte sich als nobler 4 Sterne Schuppen. Und dabei war es das günstigste Hotel, welches wir auf der ganzen Tour hatten. Die Räder sollten wir draußen in einen Fahrradständer abstellen. Das wollten wir allerdings nicht, da das Hotel relativ groß war und dort doch recht viele Menschen unterwegs waren. Schlussendlich wurden wir dann auf ein anderes Zimmer umgebucht und konnten die Räder über die Terrasse mit ins Zimmer nehmen. Perfekt.

Wir verschoben unser Zimmerpicknick und gingen nach dem Duschen direkt in die Bar, denn auch diese schloss bereits um 22 Uhr. Wir bestellten uns jeder etwas zu trinken und checkten auf dem Handy die sozialen Medien. Wir hatten vom Veranstalter eine E-Mail. Wir sollten unsere Tracker aufladen. Ging nur nicht ohne passendes Kabel. Eigentlich sollten die Tracker ja getauscht werden, was allerdings nicht passiert war. Wir fragten noch an der Rezeption nach, ob sie eventuell einen Mini-USB-Kabel hätten. Hatten sie aber nicht. Also beschlossen wir uns am folgenden Tag um das Problem zu kümmern. Denn jetzt war erst einmal Zeit für das Zimmerpicknick. Ich hatte so richtig großen Hunger.

Strava – Ich: https://www.strava.com/activities/2345109458

Strava – Maren: https://www.strava.com/activities/2345095081

RATN 2019: Der Kompass dreht und Norden ist, wo Süden war

Hier kommt nun also die Auflösung für das Problem mit den nassen Handschuhen. Ich packte sie mir einfach mit ins Bett. Am Fußende unter die Bettdecke, da störten sie am wenigsten. Und siehe da, am Morgen waren sie tatsächlich trocken. Ich war begeistert. So begeistert, dass ich die Idee gleich in mein Randonneur-Handbuch aufgenommen habe.

Eine weniger gute Idee war es, direkt nach dem Aufstehen den Vla zu essen, der vom Zimmerpicknick übrig geblieben ist. Maren? Warum ist da überhaupt etwas übrig geblieben? Jedenfalls vertrage ich Milchprodukte nicht sehr gut. Gerade in Kombination mit Fett habe ich oft Probleme. Ich dachte jedenfalls, dass das schon gut gehen würde.

Der Wind hatte über Nacht gedreht und kam nun aus Richtung Norden. Also wieder Gegenwind. Von Amsterdam bis nach Den Helder. Wieder über 100km. Zusätzlich waren noch Regenschauer vorhergesagt. Wir wollten es ruhig angehen und versuchen, die kurzen Regenphasen durch geschickte Pausen zu vermeiden.

Bei dem ersten kurzen Stopp holten wir das nach, was ich auf unserer Usedom Vorbereitungstour vergessen hatte. Ich stellte mich in den Wind, hob mein Rad ein wenig an und liess von Maren ein Foto davon machen. Schon beeindruckend, wie der Wind das beladene Rad zur Seite drückte.

Mein Rad im Wind

Kurz vor Amsterdam sahen wir dann auch die erste dicke fette Regenwolke vor uns. Wir konnten deutlich sehen, wie der Regen fiel. Also machten wir eine zweite Pause. Als ich vom Sattel aufstand, bemerkte ich ein ungutes Gefühl im Bauch. Ich bat Maren kurz mein Rad zu halten und verschwand hinter den Deich. Als ich wieder kam sagte ich nur: „Da wächst nun kein Gras mehr!“ Maren grinste. Blöder Vla am Morgen.

Amsterdam selbst gefiel mir nicht so recht. Wir fuhren über schmale Wege auf Deichkronen in Richtung der Stadt. Die Wege waren nicht sehr gut und durch den Regen lag dort eine Menge aufgeweichter Schafskot. Als die Wege dann endlich besser wurden, erwischte uns dann doch ein kleiner Regenschauer. Zum Glück mussten wir nicht ins Stadtzentrum. Der Track führte uns über Radwege an großen Straßen am Zentrum vorbei. Zum Fahren okay, aber nichts zum Gucken. Kurz hinter dem Ortsausgangsschild von Amsterdam wurde es dann wieder richtig schön.

Es ging über weitläufige Polderflächen, auf kleinen landwirtschaftlichen Wegen, weiter in Richtung Norden. Das war wieder wunderschön anzusehen. In Monnickendam war Markt. Dort konnten wir zwar nicht fahren, aber dafür konnten wir an einem Stand Brot mit verschiedenen Dips probieren. Lecker.

Unser nächstes Ziel, was ich auf der „Hier müssen wir unbedingt anhalten“-Liste hatte, war Irene Hoeve. Ein Hofladen bzw. Souvenirgeschäft, den ich bereits kannte. Dort machte ich vielleicht etwas kitschige Urlaubsfotos von Maren. Maren im Holzschuh, Maren mit Holzschuhen, Maren beim Holzschuh aussuchen … naja so typische Holland-Motive halt. Anschließend kauften wir uns dort noch 2 Sorten Käse und einen Hanf-Lutscher.

Keine 10km später dann schon die nächste Pause in Volendam. Dort verlief der Track direkt durch das Zentrum mit entsprechendem Trubel. Ich wusste, dass es dort voll werden würde, da in Amsterdam viele Tagestouren mit Bussen in diese berühmte Käsestadt angeboten werden. Wir wollten dort Mittag essen. Es gab wieder Fisch: holländischer Matjes im Brötchen und eine riesige Portion Kibbeling. Anschließend gönnten wir uns zum Nachtisch noch eine Portion Poffertjes. Damit waren zwei weitere kulinarische Highlights abgehakt. Als wir weiter wollten kam leider die nächste Regenwolke. Also verlängerten wir die Pause und Maren besuchte die Cheese Factory.

Fischbrötchen machen glücklich!

Der Track ging nun zu 100 Prozent nach Richtung Norden. Genau gegen den Wind. Wir kamen nur noch langsam voran, aber trotzdem war die Stimmung gut. Wir wussten ja, dass es ab Den Helder wieder nach Süden gehen würde. Das Ende des Gegenwindes war quasi absehbar.

Wir entdecken einen schönen kleinen Strand, den wir für eine weitere kleine Pause nutzten. Maren machte ein Panorama Foto und das brachte mich auf eine Idee. Sie sollte ein zweites machen und wunderte sich warum. Während sie die Aufnahme machte, rannte ich dann ein paar Mal hinter ihrem Rücken lang, so dass ich dann mehrfach auf dem Foto drauf war.

Schwachkopf hoch 3

Einen Moment später schepperte es. Der Wind hatte mein Rad umgeweht. Schaltwerk verbogen. Ich Depp hatte das Rad quer zum Wind abgestellt und dann auch noch die Schaltwerkseite nach außen. Anfängerfehler. Zum Glück ließ sich aber alles wieder richten und es ging weiter.

Es folgte ein letzter Regenschauer, bei dem wir uns bei einem Touristen-Informationszentrum unterstellten. Wir nutzen die Zwangspause und entschieden uns, bis wo wir fahren wollten. Sprich, wir reservierten unser Hotel. Wir wollten nach dem ganzen Gegenwind früher Schluss machen und am Abend etwas die „Halbzeit“ feiern. Zum ersten Mal waren wir beide innerhalb weniger Tage über 1000km mit dem Rad gefahren.

Als wir das IJsselmeer verliessen und in Richtung Den Helder fuhren bemerkte ich, dass mein Hintern etwas schmerzte. Nicht schlimm, aber so richtig lange in einer Position im Sattel bleiben ging nicht wirklich. Ich sagte Maren davon nichts. Aber sie wird es sicher bemerkt haben, denn meine Führungsarbeit wurde deutlich kürzer. Ich forderte sie öfters zum Wechsel auf.

Tulpenfeld kurz vor Den Helder

In einer letzten Pinkelpause quoll in meinem Kopf der Dummfug mal wieder über. Ich beschwerte mich bei Maren: „Wir könnten RATN gewinnen, da du wie ein Kerl Fahrrad fahren kannst. Verlieren aber trotzdem, da du wie ein Mädchen pinkelst.“ Auch darüber konnte Maren lachen. Sie versprach mir daran zu arbeiten und ich versprach ihr, bei unserem nächsten Bike Packing Adventure ebenfalls wie ein Mädchen zu pinkeln. Ich weiß jetzt zwar nicht wie Maren schneller werden will, aber bei mir wird das sicher lustig aussehen.

Kurz vor Den Helder war mir dann alles egal. Gegenwind, Regen, Sitzprobleme … alles egal. Wir waren nun genau dort, wo ich meinen ersten Familienurlaub in den Niederlanden verbracht hatte. Mir kam jede Straße, jede Kreuzung bekannt vor. Ich erinnerte mich an die Momente zurück, wie ich meine kleine Tochter dort mit dem Kinderwagen lang geschoben hatte. Wie sie sich an ihren ersten Worten versuchte. Das motivierte mich, ich ließ keinen Wechsel mehr zu und fuhr die restlichen Kilometer vorne im Wind.

Es folgte ein wunderschöner Abschnitt vorne am Meer. Kein Deich mehr, der den Blick versperrte. Wir konnten die beiden Texelfähren und natürlich auch die Insel sehen. Der Wind war dort natürlich noch einmal richtig heftig, aber trotzdem machten wir gefühlt etwa 3 Millionen Bilder.

Olaf, der hässliches Hund der Welt, war auch mit in NL

Und dann ging es Richtung Süden. Wir rollten mit über 30kmh durch die Landschaft, die sich komplett verändert hatte. Wir sahen nun große und kleine Dünen. Aus den Schafen vom Deich waren nun wildlebende Hasen geworden. Wir hatten nur noch wenige Kilometer bis zum Hotel.

Da die Stimmung so gut war und wir auch gut in der Zeit lagen, entschieden wir uns für eine weitere Pause. Wenn man weiß, wo man übernachten wird, ist es ja komplett egal wie schnell man dorthin fährt. Wir machten genau dort Pause, wo ich öfters mit meiner Familie an den Strand gegangen bin: einem Imbiss in Julianadorp. Dort aßen wir jeder eine Frikandel und eine „Van Dobben-Krokette“. Noch einmal zwei kulinarische Highlights abgearbeitet.

Direkt in dem Ort, in dem unser Hotel lag, kauften wir im Supermarkt für unser Zimmerpicknick ein. Zur Feier des Tages wegen der erreichten 1000 Kilometer diesmal mit einer Flasche Rotwein. Neben den üblichen Sachen gab es dazu Brot und den Käse von Irene Hoeve. Durch Zufall durften unsere Räder mitfeiern, denn sie bekamen einen luxuriösen Stellplatz in einer Tiefgarage. Einzig die Anwesenheit von so Rädern mit Motor, die mit Kabeln an der Wand befestigt waren, war unseren Rennrädern nicht ganz geheuer.

Vielleicht lag es am Rotwein, ich fühlte mich an dem Abend jedenfalls merklich befreit. Der Druck irgendetwas erreichen zu wollen war weg. Klar wollte ich immer noch ins Ziel kommen, aber die erreichten 1000 Kilometer waren etwas worauf ich stolz sein konnte. Gerade jetzt wo wir bemerkten, das einige Fahrer mit denen wir mehr oder weniger Kontakt hatten, aufgeben mussten.

Beim Zimmerpicknick versuchte ich mich, wie Maren es mit dem Hackbällchen Vla vorgemacht hatte, auch an komischen Essenskombinationen. Schokolade mit Senf. Ananas mit Filet American-Dip. Irgendwie schmeckte das dann doch alles.

Zimmerpicknick

Strava – Ich: https://www.strava.com/activities/2341913752

Strava – Maren: https://www.strava.com/activities/2341892797

RATN 2019: Wellen Wind und Wolken

Nachdem ich nach RATN wieder zu Hause war, wurde ich von vielen Leuten gefragt, wie man sich motiviert jeden Tag wieder aufs Rad zu steigen. Die Antwort auf diese Frage entwickelte sich an unserem dritten Tag. Wir wachten beide auf und ich stellte Maren die rhetorische Frage: „Was machen wir heute?“ Sie lächelte mich an und antwortete: „Wie wäre es mit einer kleinen Radtour?“ Genau mit diesem Dialog begann ab Tag 3 jeder weitere Tag. Wir motivierten uns also gegenseitig, zogen uns quasi an den eigenen Haaren aus dem Sumpf. Wer Maren kennt, sollte auch wissen, dass das mit ihren Haaren sehr gut funktionieren muss.

Wir wussten, dass der dritte Tag hart werden würde. Wir waren in den holländischen Alpen angekommen. Der Wind wehte aus Nordwesten, im Durchschnitt mit 30 kmh, mit Böen bis zu 50 kmh. Das entspricht Windstärke 4 und 6, also irgendwas zwischen mäßige Brise und starker Wind. Die ersten 115 Kilometer des Tages ging es gegen den Wind.

Da ich mir ein Fischrestaurant auf der Karte markiert hatte, wo ich unbedingt hin wollte, starteten wir erst relativ spät in den Tag. Das Restaurant lag nur etwa 40 Kilometer von unserem Hotel entfernt. Es öffnete um 9:30. Dort wollten wir Frühstück essen. Lecker Backfisch zum Frühstück: Was gibt es Besseres?

Noch bevor wir uns auf den Weg machten, reinigten wir die Ketten unserer Fahrräder und spendierten ihnen auch neues Öl. Wir hatten ja Zeit. Aber dann, gleich nach den ersten Metern, bekamen wir den Wind zu spüren. Mit nur knapp 22-23 kmh ging es in Richtung Fischrestaurant. Auch fuhren wir zum ersten Mal nicht mehr quatschend nebeneinander. Ich war ganz froh, dass wir bei unseren „Blind Trust“-Touren das Windschatten fahren geübt hatten. Hier nutzte es uns ungemein.

Ohne Unterhaltung war ich während der Fahrt mit meinen Gedanken allein. Die ersten 15 Minuten dachte ich noch an das Frühstück, aber kurz darauf war der Kopf einfach nur leer. Ich fing an, eines meiner Lieblingslieder in Gedanken zu singen. Immer und immer wieder. Eigentlich die kompletten 115 Kilometer lang. Danke Sven für dieses tolle Lied. Am Abend im Hotel habe ich es mir dann auch nicht nehmen lassen und das Video einmal geschaut.

Etwa auf halbem Weg zum Fischrestaurant bemerkte ich, dass wir zu schnell waren. Ich empfand es als sinnlos, dort unnötig Kräfte zu verpulvern, um dann vor dem verschlossenen Restaurant zu stehen. Also fuhren wir noch langsamer. Kurze Zeit später erreichten wir einen Aussichtspunkt auf dem Deich. Dort hielten wir, um Fotos zu machen. Ich konnte das Meer sehen. Ich war glücklich. Mega glücklich. Ich hätte zu dem Zeitpunkt an keinem anderen Ort der Welt sein wollen. Alles war perfekt.

Endlich das Meer sehen!

Kurze Zeit später erreichten wir unser Restaurant und stellten die Räder dort direkt auf die Terrasse. So früh am Morgen war ja sonst keiner da. Wir machten noch schnell ein Selfie in einem Strandkorb und gingen dann in das Restaurant.

Strandkorb-Selfie

Kleiner Einschub: Für uns beide heißt Team, das man versucht, möglichst alles auf dem unkompliziertesten Weg zu klären. So machten wir zum Beispiel in Pausen nie getrennte Kassen. Wir entschieden einfach aus dem Bauch heraus, wer mit bezahlen dran war, so das am Ende der Fahrt jeder in etwa die Hälfte bezahlt hatte. Ein netter Nebeneffekt davon: Wir sparten auch viel Zeit, da immer nur einer einkaufen musste.

Diesmal war ich jedenfalls mit Bezahlen und auch mit Aussuchen an der Reihe, während Maren bereits einen Tisch mit Sicht auf die Räder in Beschlag nahm. Ich bestellte mehrere frittierte Fischgerichte:
Schollenfilet, Kibbeling, Muscheln und dazu eine Portion Pommes. Ein perfektes Frühstück. Mit jedem weiteren Gericht, welches ich bestellte entgleiste das Gesicht des Kellners immer weiter. Er schaute jedes Mal nach hinten in die Küche. Wahrscheinlich um zu checken, ob die Fritteuse schon heiß war.

Das perfekte Frühstück

Als wir beim Essen waren, hielt auch unser gelber Motivationspunkt vom Vortag an dem Restaurant. Auch er bestellte sich ein warmes Frühstück mit frittiertem Fisch und Pommes. Er setzte sich zu uns an den Tisch und wir unterhielten uns kurz.

Der nächste Teil vom Track wurde dann etwas angenehmer. Es ging zwar immer noch gegen den Wind, aber dieser war nicht mehr ganz so stark, da wir direkt hinter dem Deich fuhren. Schneller waren wir aber trotzdem nicht. Wie auch in Ostfriesland waren auf dem Deich Schafe und wir mussten durch gefühlt 100 Schafstüren fahren. Also die Form von Gattern, die man meist nur schwer öffnen kann und wenn man sie loslässt sofort wieder zufallen. Und zwar so schnell, das ich immer Angst hatte mir das Teil direkt gegen das Hinterrad zu ballern.

Hinterm Deich ging es weiter

Ganz lustig waren allerdings die Schafe. Die kleinen Lämmer hatten vor uns Radfahrern Angst. Die Elterntiere dagegen waren durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Oft blieben sie auch einfach auf dem Weg sitzen. Im Nachhinein erfuhren wir, dass einer der Fahrer kurz vor Harlingen mit einem Schaf kollidiert war und sich dabei die Nase mehrfach brach. Uns passierte zum Glück nichts. Aber ich fragte auch fast jedes Schaf ganz nett, ob es uns vorbeilassen könnte. Auf ein „Määähhh“ von mir wurde immer mit mehreren „Määääähhhs“ von den Schafen geantwortet. Witzig.

Määähhh

Wenn ich mit meinen Gedanken alleine bin, komme ich oft auf sehr komische Dinge. Naja, eigentlich immer. Meine Frau kann da mittlerweile ein Lied von singen und Maren kennt das nun auch sehr gut. Jedenfalls wie ich so hinter Maren her fuhr, fiel mir auf das sie und die Schafe auf dem Deich wahrscheinlich zum gleichen Frisör gehen. Und da ich ein Trampel bin, sprach ich diesen Gedanken natürlich auch laut aus. Maren fand das zum Glück witzig.

Kurze Zeit später fing es an, ein klein wenig zu regnen. Wir konnten uns nicht entscheiden, ob wir die Regenjacken anziehen sollten oder nicht. Schlussendlich entschieden wir uns doch dafür. Wir nutzten den Moment dann auch gleich für eine kleine Pause. Direkt neben so einem Touristen-Info-Schild. Ganz verstanden hatte ich die holländische Infotafel nicht, aber ich glaubte, dass er eine verlängerte Version des bekannten Jakobsweges zeigte, der eben im holländischen Ort: „Sint Jacobiparochie“ startete. Aber auch egal: Wir scherzten beide und fragten uns, ob dies nicht ein Projekt für das nächste Jahr wäre.

Projekt für das nächste Jahr?

In Harlingen wollten wir schon wieder Pause machen. Nach dem ganzen Gegenwind hatten wir Bock auf ein Eis. Kurz davor gab es aber noch einen wichtigen Ortsschildsprint zu gewinnen. Zumindest für mich. Maren hatte das entweder nicht auf dem Plan oder keine Lust. Aber egal, ich wollte als erster in dem Zürich ohne Berge und ohne Ü-Striche ankommen. Auch wenn das nur ein kleines Dorf mit einem Hotel, 2 Restaurants und einem Nachtclub war. Für letzteres war es noch zu früh, also ging es weiter in Richtung Eis.

Zürich ohne Berge und ohne Ü-Striche

Dummerweise fanden wir in Harlingen dann keine Eisdiele. Wir entschieden uns dann einfach, ein Eis aus dem Supermarkt zu holen, denn vor dem Eingang stand ein Werbeschild: 4 Magnum für 3 Euro. Ich war wieder dran mit aussuchen und bezahlen. Ging dann also in den Laden und rief Maren noch zu: „Das kaufe ich aber nicht. Das ist zu viel für uns. Ich suche einzelne Eis.“ Quasi im Vorbeigehen verfing sich eine Packung Donuts und eine Packung geschnittene Mango in meinen Händen. Einzeln verpacktes Eis fand ich nicht. Auch nicht die Packung mit den 4 Magnum. Dafür aber eine Packung mit 6 Mini Magnum für nicht einmal 2 Euro. Also nahm ich die. Draußen durfte ich mir dann anhören: „Ach und 4 Eis waren zu viel?“ – „Klar, 6 sind doch viel besser.“ Das war dann ein Argument, gegen das Maren auch nichts mehr sagen konnte.

Nach Harlingen ging es auf die „kleine“ Umleitung. Eigentlich sollte es über den Abschlussdeich gehen, aber da dieser in den nächsten 3 Jahren erneuert wird und dadurch für Radfahrer gesperrt ist, entschied sich der Veranstalter für eine Umfahrung des Deiches. Mal eben locker um das IJssel- und das Markermeer. Schlappe 200km Umleitung. Heftig, aber auch wunderschön.

Wunderschön für uns: Der Track ging nun nicht mehr Richtung Westen, sondern nach Süden. Rückenwind. Viel Rückenwind. Wir fuhren wieder mit über 30kmh. Und wie sollte es anders sein: Genau auf diesem Abschnitt fuhren wir auf einen anderen RATN-Fahrer auf. Wir grüßten, erhielten aber nur eine mürrische Antwort. Im nächsten Ort, an dem wir für ein Foto hielten, überholte er uns wieder.

Als wir ihn dann wieder eingeholt hatten, versuchten wir nicht erneut ein Gespräch anzufangen. Maren setzte mit ordentlich Schwung an um ihn zu überholen. Ich setzte nochmal einen drauf und wir knallten mit knapp unter 40kmh an ihm vorbei. Einmal auf dicke Hose machen. Das fühlte sich gut an. Sehr gut sogar. Nachdem wir den ganzen Vormittag nur mit um 20kmh unterwegs waren, war das fast wie fliegen.

Kurze Zeit später drückte schon wieder eine Blase. Also suchten wir uns einen schönen Platz zum Pausieren. Wir fanden eine schöne kleine Brücke, auf der ich es mir sogleich bequem machte. Dort gab es dann die Mango und die Donuts. Das war für mich auch wieder einer dieser Momente, der ewig hätte andauern können. Und das war wohl in der Tat auch wirklich so, denn wir wurden von 3 RATN Fahrer überholt. Einzige Aktion unsererseits: Wir machten Fotos von ihnen.

Die Mango Pause

Als wir weiter fuhren trafen wir Christian Timmer, einen deutschen Teilnehmer. Er war angetan, sich mal wieder auf Deutsch mit jemandem unterhalten zu können. Wir kannten uns bereits vom Start wo wir uns auch schon etwas unterhielten und er von seinem Plan erzählt hatte, jeden Tag etwa 400km fahren zu wollen. Daher war gleich unsere erste Frage an ihn, warum er erst „hier“ war. Er erzählte uns dann, dass er gesundheitliche Probleme und auch auch Probleme mit dem Rad hatte. Seine Zeit verbrachte er beim Arzt bzw. beim Mechaniker. Uns leuchtete ein, dass man so keine 400km am Tag fahren kann.

Am IJsselmeer

Kurze Zeit später verließ er uns wieder. Er fuhr schneller als wir, wollte sein Glück versuchen und möglichst viel Strecke machen. Wir entschieden uns ein Hotel für die Nacht zu suchen und die Wahl fiel diesmal auf Lelystad. Außerdem gingen wir auch gleich in den nächsten Supermarkt und kauften für unser nun bereits obligatorisches Zimmerpicknick ein. Restaurant gab es nämlich wieder nicht.

Wir fuhren nun wieder am Deich. Jetzt allerdings auf der Wasserseite. Der Wind kam ebenfalls von der Seite. Das war dann leider nicht mehr ganz so angenehm. Außerdem konnten wir sehen, was für ein Wetter auf uns zukam. Regen. Genug davon um unsere Kleidung komplett zu wässern.

Am Horizont sah ich dann eine Brücke und erinnerte mich an unseren Familienurlaub, in dem ich schon einmal in Lelystad gewesen bin. Damals war ich mit dem Auto über den Damm zwischen IJsselmeer und Markermeer gefahren. Am Ende, kurz vor Lelystad kam dann eine Brücke. Ich ordnete die Brücke dann fälschlicherweise dem Damm zu und sagte Maren, dass wir es gleich geschafft haben. War dann allerdings nicht so. Wir mussten über diese Brücke.

Anschließend kam das wohl schwerste Teilstück des Tages. Es waren nur noch 15 Kilometer bis zum Hotel. Aber wenn man aufgrund des Gegenwindes nur 15kmh fahren kann, dann dauert das eben. Schlecht für den Kopf, vor allem, wenn dieser gedanklich bereits im Hotel war. Neben der Strecke standen im Wasser Windkraftanlagen. Vielleicht so 40 Stück. Ich begann sie zu zählen. Ganz langsam wurden es weniger. Ganz, ganz langsam.

Dazu kam auch noch, dass Maren einen weiteren WC Stop benötigte: 5km vor dem Hotel. Sie haderte lange: Anhalten? Weiterfahren? Doch anhalten? Der Druck wurde dann aber doch zu groß und wir hielten an. So mitten im Nichts. Nur Deich, Weg und Windräder. Nicht gerade der beste Ort für eine Frau, die gerade muss. Ich hielt ihr Rad und zählte die verbleibenden Windräder noch einmal durch. Es waren immer noch viel zu viele. Im Nachhinein war die Entscheidung anzuhalten aber wieder goldrichtig.

Endlich erreichten wir dann doch unser Hotel in Lelystad. Wir wollten nur noch schnell in unser Zimmer: Duschen, Essen, Bett wie immer. Wir hatten unseren Plan allerdings nicht mit der Besitzerin des Hotels gemacht. Sie war nämlich sehr gesprächig. Erklärung hier, Erklärung da. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis wir dann endlich in unserem Zimmer waren.

Dort gab es dann das nächste Problem. Das Zimmer war zwar schön warm, die Heizung an, aber trotzdem war sie kalt. Das war sehr schlecht für unsere vom Regen durchnässten Klamotten. Vor allem für meine Handschuhe. Es waren nämlich beide Paare nass. Da musste ich mir was einfallen lassen. Aber trotzdem ließen wir uns erst einmal das Zimmerpicknick schmecken.

Zimmerpicknick Nummer 3

Strava – Ich: https://www.strava.com/activities/2339254209

Strava – Maren: https://www.strava.com/activities/2339276125

RATN 2019: Ein Schritt nur, vor uns ist die See

Wie immer vor Radtouren wachte ich auch an diesem Tag genau 10 Minuten vor dem Wecker auf. Nach einem kurzen Check auf dem Handy stand ich auf und machte mich über die Reste des Zimmerpicknicks her. Was zum Abendbrot geht, kann als Frühstück auch nicht schlecht sein. Eigentlich schon komisch, dass es Reste gab. Aber egal, gegessen wurde es ja trotzdem.

Maren erhielt von Mark Humme Sprachnachrichten über WhatsApp, die sein komisches Verhalten am vorherigen Abend erklärten. Er fuhr bis Enschede und suchte sich dort ein Hotel. Er wurde nicht so recht fündig und entschied sich für ein B&B, welches er quasi bereits vor 15km passiert hatte. @Mark: Ist vielleicht ein überheblicher Pro-Tipp, aber mit etwas besserer Vorbereitung hättest du unnötige Fahrerei vermeiden können.

Mit unseren 280km, die wir am ersten Tag fuhren, waren wir richtig zufrieden. So hatten wir uns bereits einen kleinen Puffer rausgefahren, falls etwas Unerwartetes passieren sollte. Trotzdem entschieden wir uns, am zweiten Tag etwa eine Stunde früher loszufahren, um etwas mehr Fahrzeit zur Verfügung zu haben. Wie weit uns das bringen sollte, war eigentlich egal. Ich hatte mir allerdings vorgenommen, an diesem Tag bereits das Meer zu sehen.

Wir verließen kurz vor 7 Uhr unser Hotelzimmer. Maren wieder mit ihrem modischen Mülltütchen und ich mit vollgepackten Armen. Wir befreiten unsere Räder aus der Garage und packten unsere Taschen und schon waren wir wieder unterwegs. Und kurze Zeit später überholten wir direkt ein anderes Team. Die Stimmung war sehr gut.

Meine Frau schickte mir währenddessen immer mal wieder Screenshots von der Tracking-Seite. Aber nicht weil uns unsere Position in der Teamwertung interessierte. Wir wollten wissen, ob sich bei uns in der Nähe andere RATN-Fahrer aufhielten, denen man mal „Hallo“ sagen konnte. @AdventureBikeRacecing: Die Bedienung der Trackingseite auf dem Handy ist alles andere als gut. Da besteht Potential zur Verbesserung.

Bereits am Vormittag entdeckten wir in einem Dorf einen riesigen Holzschuh, den wir bereits von RATN Fotos aus dem Vorjahr kannten. Hier mussten wir natürlich auch anhalten. Ich war noch nicht einmal richtig vom Rad runter, da war Maren auch schon auf bzw. in den Holzschuh geklettert. Ich packte die Kamera aus, stellte den Selbstauslöser ein und machte ein paar lustige Fotos. Da es wohl nicht so gut ausgesehen hätte, wenn wir RATN hätten abbrechen müssen, weil ich vom Holzschuh gefallen bin, blieb ich lieber einfach davor stehen. Und während wir da so rumalberten, überholte uns das andere Team wieder. Dabei lachten sie uns an oder aus. Wir winkten und dachten: „Ach wir haben euch eh gleich wieder.“

Holzschuh-Zwangspause

Kurz darauf überholten wir eine lustige Rentnergruppe, teils mit normalen Rädern, teils mit E-Bikes. Maren erinnerte mich an meinem Profi-Vertrag und fragte, ob die Gruppe nicht was für mich sei. Ich wollte mich dann direkt dort anschließen und natürlich auch ein Foto davon machen. Da sie aber kaum in der Lage waren geradeaus zu fahren, gelang mir nur dieses schlechte Bild. Auch hier klappte es also nicht mit meinem Vertrag. Schade.

Die niederländische Rentner-Nationalmannschaft

Gegen Mittag sprachen wir davon, uns langsam aber sicher irgendwas zu suchen, wo wir uns was zu Essen gönnen könnten. Ich vermutete, dass dies in den Dörfern eher schwierig werden würde. Aber nur ein paar Kilometer später standen wir vor einer Dorfbäckerei. Laut Schildern an der Tür bereits 100 Jahre da. Für mich fühlte es sich aber so an, als wenn sie gerade erst extra für uns dort „hingestellt“ wurde.

Wir nahmen die 20 Euro in die Hand, die wir am ersten Tag durch den Umweg gespart hatten und deckten uns mit Kuchen und Brötchen ein. Dazu noch für jeden einen Kaffee. Vor der Tür, unter einem Baum, war eine Bank zum Sitzen. Dort machten wir es uns gemütlich und vernichteten die eben gekauften Lebensmittel. Als der Kaffee leer war, kam die Bäckerin und schenkte uns nach. Wenn es nicht so kalt gewesen wäre, dann würden wir wohl immer noch da sitzen. So schön war es dort.

Bäckerei Slatman mit Dorfhund

Plötzlich wurde das Wetter dann deutlich schlechter und es fing an zu regnen. Als der Regen immer stärker wurde entschieden wir uns dafür, unter einem Baum unsere Regensachen anzuziehen. Dabei passierte mir ein Missgeschick, von dem ich die restliche Fahrt was hatte. Beim Überziehen der Überschuhe öffnete ich aus Versehen den Drehverschluss meines rechten Schuhs. Da ich es nicht bemerkte, fuhr ich quasi einen halben Tag lang mit offenem Schuh und dadurch scheuerte ich mir den Hacken und auch den Spann wund. Profi halt. So wird das wohl auch nichts mit meinem Vertrag.

Aber ich war soweit ein Profi, dass ich meine Regensachen deutlich vor Maren angezogen hatte. Ich war bereits fertig, da kämpfte sie noch damit, ihre Regenjacke aus der Verpackung zu befreien. Fingernägel waren wohl zu kurz. Ich nutzte die Pause dann noch, um den Riegel zu essen, den Frank (ein Arbeitskollege) mir vor der Fahrt geschenkt hatte. Schönen Dank dafür. Trotz Regen war die Stimmung allerdings immer noch sehr gut. Und sie wurde schnell noch besser, da der Regen auch schnell wieder vorbei war.

Danke Frank!

Auf Facebook hatten wir gesehen, dass in der Festung Bourtange von anderen Fahrern Fotos gemacht wurden. Als wir dort ankamen, war dort allerdings keiner mehr. Also machten wir das, was wir bereits nahezu perfektioniert hatten. Wir machten unsere eigenen Bilder.

Festung Bourtange

Am späten Nachmittag machte der Track dann einen ersten kleinen Bogen in Richtung Westen. Wir bekamen einen kleinen Vorgeschmack dessen, was uns die nächsten Tag erwarten würde. Gegenwind. Viel Gegenwind. Sehr viel Gegenwind und wahrscheinlich noch mehr Gegenwind. Hier etwas von der Küste entfernt war es noch erträglich. Aber wir merkten schon, dass es nicht mehr so gut voran ging.

Schön, aber noch nicht das Meer

Auf einer langen Geraden sah ich dann am Horizont einen kleinen gelben Fleck. Ich vermutete, dass dies ein weiterer RATN Fahrer sein könnte. Ab dem Moment war ich dann motiviert. Ich lege mich auf die „Stäbchen“ und versuchte den gelben Motivationspunkt einzuholen. Was dann auch relativ schnell gelang. Und ja, es war ein RATN Fahrer.

Ich redete mit ihm. Oder vielmehr ich versuchte es. Ich wusste ja, dass mein Englisch alles andere als gut ist. Aber da versagte ich komplett. Ich wollte einfach nur sagen, dass ich an dem Tag noch gerne das Meer sehen wolle. Aber mir fiel einfach nicht ein, was Meer auf Englisch heißt. Also umschrieb ich es. Irgendwie mit Händen und Füßen und so wie ich mich kenne mit Vokabeln aus einer Handvoll verschiedener Sprachen. Ich Vollpfosten … aber immerhin hatte ich mich getraut ihn anzusprechen. Komfortzone erfolgreich verlassen. Ich hätte auch genauso gut schweigend an ihm vorbei fahren können.

Kurz vor Groningen buchten wir in einer kurzen Pinkelpause unser Hotel. Wieder klappte es problemlos. Wir wollten bis kurz nach Eemshaven zu dem Hotel „Dijkzicht Logies“ fahren. Und während wir so am Buchen waren, überholte uns wieder mein Motivationspunkt. Das Spielchen begann also von vorne.

Maren organisiert das Hotel für die Nacht

Bisher verlief der Track an allen größeren Städten vorbei. Durch Groningen mussten wir aber fast direkt durchs Zentrum. Das erste Mal hieß es für uns Stop and Go von Ampel zu Ampel und wir erfuhren zum ersten Mal, wie viele Menschen in den Niederlanden mit dem Rad unterwegs sind.

Maren erzählte mir, dass Stefan (ein gemeinsamer Freund von uns) ihr den Auftrag gegeben hatte, ihm eine hübsche Holländerin mitzubringen. Von mir wollte er einfach nur ein Radtrikot in den Farben der niederländischen Fahne. Vermutlich weil er meinem Stil nicht traut. Jedenfalls trafen wir nur just ein paar Momente später auf eine leicht bekleidete Holländerin, die bestimmt was für Stefan gewesen wäre. Aber da ihr Rad fürchterlich am Quietschen war, weigerte ich mich sie mitzunehmen. Sorry Stefan. Vielleicht nächstes Mal.

Auch Traktoren wurden einfach so überholt

Kurz darauf erreichten wir die Küste. Ich fühlte mich wie in Friedrichskoog, dem Ort an der Nordsee, in dem meine Eltern ein kleines Ferienhaus besitzen. Das flache Land, die vielen Kanäle, die Bauernhöfe mit den SB-Verkaufsständen vor der Tür, die vielen Möwen und auch die salzige Luft. Alles kam mir sehr vertraut vor. Selbst das Wetter war sehr vertraut, denn es fing wieder an zu regnen. Es fehlten aber trotzdem 2 Dinge. Es gab keine großen Felder mit den verschiedenen Kohlsorten und ich konnte einfach kein Meer sehen. Meine letzte Hoffnung war Eemshaven. Ich vermutete, dass ich dort am Hafen endlich Wasser sehen könnte. Aber leider war auch dort alles verbaut. Ich konnte nur ein größeres Schiff hinter einer Lagerhalle entdecken.

Sonnenuntergang an der Küste

Direkt vor unserem Hotel standen 2 Personen am Straßenrand. Einer von beiden mit einer Kamera. Wir dachten, dass uns der Veranstalter „wiedergefunden“ hatte und nun Fotos von uns macht. Es stellte sich allerdings heraus, dass dies die Eltern von Erik Venneman, einem weiteren Fahrer in unserer Nähe, waren. Wir unterhielten uns kurz mit der Mutter, während der Vater weitere Fotos von uns machte. Genau in dem Moment kam Erik dann auch angefahren. Der Vater verpasste allerdings seinen eigenen Sohn, da er noch Bilder von uns machte. @Erik Venneman: Sorry. Wir zogen uns daraufhin höflich in unser Hotel zurück.

Die Räder übernachteten diesmal unter der Treppe. Der Weg zum Zimmer war nicht weit. Ich konnte also mehrfach laufen, bis ich alles was ich brauchte im Zimmer hatte. Da unsere Klamotten vom Regen noch nass waren, wuschen wir sie hier zum ersten Mal aus. Über Nacht drehten wir im Bad dann die Heizung voll auf und hofften darauf, dass die Kleidung am Morgen wieder trocken sein würde. Klappte nicht. Dafür hätte man für die miefige Luft im Bad einen Waffenschein beantragen können.

Auch an diesen Abend gab es wieder ein Zimmerpicknick, da es weit und breit kein Restaurant gab, welches so spät noch geöffnet hatte. Und auch beim Picknick versuchten wir Zeit zu sparen. Maren telefonierte während sie aß mit ihrem Freund. Schmiss dabei genüsslich Hackbällchen in ihren DoubleVla, einen Vanille-/Schokoladenpudding und aß es ohne mit der Wimper zu zucken auf. Ich dachte nur: WTF!

Zimmerpicknick Nummer 2!

Strava – Ich: https://www.strava.com/activities/2336983437

Strava – Maren: https://www.strava.com/activities/2337036554

RATN 2019: Die erfolglose Suche nach dem Hanffeld

Die erste Nacht in den Niederlanden war super. Ich konnte richtig gut schlafen, keine Aufregung und auch keine Träume plagten mich. Irgendwie fühlte es sich auch so an, als wenn man bereits einen Tag gefahren sei. Der bevorstehende Start war eigentlich nur noch eine nebensächliche Pflichtveranstaltung.

Obwohl ich uns den Wecker recht zeitig gestellt hatte, wurde es am Morgen dann doch relativ stressig. Frühstück essen, Anziehen, Sachen verstauen und Trinkflaschen vorbereiten waren dann doch relativ viele Aufgaben, die erledigt werden mussten. Außerdem hatten wir noch relativ viel Essen vom Vortag übrig, das dann schnell in einem unserer kleinen Rucksäcke verstaut wurde. Aber trotzdem hatte ich noch Zeit für Blödsinn. Auf dem Flur im Hotel stand eine Mischung aus Holzfahrrad und Schaukelpferd. Da musste ich natürlich rauf.

Ich bin soweit. Das Pferd ist gesattelt!
Ich bin soweit. Das Pferd ist gesattelt!

Der Start sollte um 8 Uhr am Cafe DE PROLOOG erfolgen, also fuhren wir dort wieder hin. Unterwegs trafen wir unsere erste Entscheidung. Etwa 150km nach dem Start lag ein Nationalpark auf dem Track, für den man 10 Euro Eintritt zahlen musste. Alternativ hatte der Veranstalter eine „Umleitung“ geplant, die um den Park herum führte. Diese war etwa 3 km länger. Wir entschieden uns dafür außen herum zu fahren und wollten die gesparten 20 Euro in Essen investieren. Kuchen für Maren … eigentlich immer die bessere Wahl.

Kurz vor dem Start am Cafe DE PROLOOG
Kurz vor dem Start am Cafe DE PROLOOG

Das Briefing an sich war leider relativ öde. Es fand draußen statt. Alle Fahrer bereits startbereit mit ihren Rädern im Halbkreis um Michael Wacker, der ohne Mikrofon in den hinteren Reihen leider nur schlecht bis gar nicht zu verstehen war. Einzige Information die ich mitnahm war, dass die Tracker Strom für 5 Tage hatten und dann mit einem Mini-USB-Kabel aufgeladen werden müssten. Aber da niemand so ein Kabel dabei hatte, sollten die Tracker unterwegs vom Orga-Team getauscht werden.

Die letzten Worte von Michael verstand ich wieder. Er wünschte uns viel Glück und schon rollten die ersten Fahrer. Es ging los. Wir starteten wie wir es uns vorgenommen hatten hinten. Gut gelaunt fuhren wir sogleich die erste kleine Steigung hoch. Die Straße war eng und voll mit den knapp 120 Radfahrern. Zum Glück verteilten sie sich relativ schnell.

Überholen ohne einzuholen :-)
Überholen ohne einzuholen 🙂

Ohne uns groß abzusprechen legten wir die Geschwindigkeit fest mit der wir durch die Landschaft düsten. Im Vergleich zu anderen Fahrern waren wir deutlich schneller unterwegs. Um es vorweg zu nehmen: das blieb auch in der restlichen Woche so. Aber gerade nach dem Start überholten wir immer wieder Fahrer. Dafür machten wir dort, wo es schön war einfach so eine kleine Pause. Machten Fotos und aßen etwas. Währenddessen wurden wir natürlich wieder überholt, so dass das Spielchen dann von vorne begann.

Foto Adventure Bike Raceing
Foto Adventure Bike Raceing

Das Wetter war prima. In jeder Mini-Pause zogen wir einen Teil unserer Klamotten aus, so dass wir am Ende wirklich in Kurz/Kurz fuhren. Und auch hier kann ich vorwegnehmen: Es war das einzige Mal auf der gesamten Tour.

Von Ed Bos, einem der Teilnehmer mit dem ich mich im Vorfeld schon per Chat ausgetauscht hatte, wusste ich, dass wir am ersten Tag noch einen weiteren Anstieg fahren mussten: den Posbank. Er lag in einem weiteren Nationalpark, welcher sehr schön anzusehen war. Von hinten überholte uns eine Gruppe Rennradfahrer, alle mit gleichem Trikot. Wir ließen sie ziehen. Im oberen Teil des Anstiegs wurden sie irgendwie langsamer und es passierte was passieren musste. Ich war in Gedanken versunken und plötzlich befand ich mich in mitten der Gruppe. Aber Maren nicht. Als ich das bemerkte liess ich mich zurückfallen und durfte mir gleich einen Anschiss abholen: „Hey Marc. Ich dachte du bist der Vernünftigere von uns beiden. Warum fährst du mit der niederländischen Halbprofi-Mannschaft?“ Ich war zum ersten Mal sprachlos, hoffte aber insgeheim darauf, dass ich mich für einen Profi-Vertrag empfohlen hatte. Ich war ja schließlich mit Gepäck unterwegs. Um es vorweg zu nehmen: Bisher hat noch kein Sponsor bei mir angeklopft.

Eine der ersten Windmühlen
Eine der ersten Windmühlen

Am Nachmittag entschieden wir, uns ein Hotel für den Abend zu suchen. Die Wahl fiel auf das Hotel Jachtlust, welches nach etwa 280km am Track lag. Wir riefen an und fragten ob sie ein Zimmer für uns haben und erhielten direkt eine Zusage. Ich war erstaunt, wie einfach das doch war. So konnte es ruhig weitergehen.

Ich hatte relativ viel Arbeit in unsere RATN Vorbereitung investiert. Ich hatte den Track bei Google-Maps hochgeladen und mich dann Stück für Stück an dem Track entlang gescrollt. Dabei hatte ich Hotels, Imbisse, Supermärkte und auch Sehenswürdigkeiten markiert. Bei den Hotels hatte ich sogar davor geschrieben, bei welchem Kilometer diese am Track lagen. Das machte uns die Hotelwahl total einfach, da wir immer wussten, wie weit es noch bis zum nächsten Hotel war.

Oft war ich bei der Vorbereitung so in Vorfreude, dass ich mir auch den einen oder anderen Ort auf Streetview angeschaut habe. Dabei stieß ich auf ein Hanffeld, welches ich natürlich sofort Maren zeigte. Wir überlegten uns schon, wie wir dort am besten dumme Selfies machen könnten. Allerdings sind wir dann für Drogen doch zu dumm. Hanf verträgt keinen Frost und ist daher Anfang Mai noch nicht draußen zu finden. Somit war unsere Suche erfolglos, also müssen wir wohl im Sommer noch einmal fahren.

Kurz vor Enschede passiert nochmal etwas total Unerwartetes. Uns kam ein Rennradfahrer entgegen. Der dann auch noch grüßt. Wir hatten den ganzen Tag über jeden Radfahrer gegrüßt, wie wir es aus Berlin gewohnt sind. Außer Citybikeler grüßte niemand zurück. Jetzt aber rief der Rennradfahrer sogar noch meinen Namen.

Es war Mark Humme, der uns entgegen gekommen war. WTF. In falscher Richtung!? Wir waren durcheinander. Meine Theorie, das Mark von seiner eigenen Leistung so beeindruckt war, das er sie lieber nach unten korrigieren musste, fand bei Maren keinen Zuspruch. Sie meinte, dass er vielleicht aufgegeben habe. So richtig verstehen konnten wir es zu dem Zeitpunkt allerdings nicht.

Kurz darauf erreichten wir Enschede. Da der Track direkt durch das Zentrum ging, entschieden wir uns spontan noch etwas zu essen. Da das Hotel bereits reserviert war, war es ab dem Zeitpunkt völlig egal wie schnell oder langsam wir fahren würden. Der Endpunkt für den Tag war festgelegt. Nach dem Essen füllten wir unsere Rucksäcke in einem Supermarkt mit Lebensmitteln, da uns klar war, dass wir das Hotel erst nach Küchenschluss des Restaurants erreichen würden. Außerdem hatten wir ja bereits eine Kleinigkeit warm gegessen.

Der restliche Weg bis zum Hotel verlief unspektakulär. Nach 250km mussten wir einen neuen Track laden. Ich hatte uns den Gesamttrack in 250km Abschnitte eingeteilt, damit wir nie auf die mega große Gesamtzahl gucken mussten. Für den Kopf waren die letzten Kilometer so sehr angenehm. Wahrscheinlich waren wir deswegen auch wieder zu schnell unterwegs. Aber der Gedanke an einen baldigen „Feierabend“ war verlockend.

Der Track verlief über wunderschöne Wirtschaftswege
Der Track verlief über wunderschöne Wirtschaftswege

Im Hotel konnten wir unsere Räder in einer Garage unterstellen. Wir mussten also sofort alles was wir für die Nacht brauchen würden vom Rad mitnehmen. Nachdem die Garage zu war kamen wir nicht mehr an die Räder. Da zeigte sich mir, dass Maren beim Packen weiter gedacht hatte als ich. Ich hatte alles thematisch sortiert in kleine Tütchen gepackt und dann Probleme alles mit 2 Händen zu tragen. Maren hatte eine einfache Mülltüte dabei, in die sie ihre einzelnen Beutel verstaute … clever.

Im Zimmer entwickelten wir direkt eine Tradition, die wir die ganze Woche über zelebrieren sollten. Maren ging als erstes duschen und ich packte in der Zwischenzeit unsere Rucksäcke aus. Anschließend machte ich ein Foto von dem Lebensmittel-Berg. Nachdem ich dann auch duschen war, war das Zimmerpicknick dann freigegeben. Mega schön!

Zimmerpicknick Nummer 1

Strava – Ich: https://www.strava.com/activities/2334591525

Strava – Maren: https://www.strava.com/activities/2334536903

RATN 2019: Man muss etwas Neues machen, um etwas Neues zu sehen

Das Race around the Netherlands (RATN) 2019 ist vorbei. Was bleibt sind die schönen Erinnerungen an eine tolle Zeit. Noch immer schaue ich ungläubig auf unser Zielfoto. Wir, Maren Barkowsky und ich, haben es tatsächlich getan, wir sind einmal um die gesamte Niederlande geradelt und hatten dabei auch noch jede Menge Spaß. Das Wetter (viel Gegenwind, unangenehme Kälte und auch noch Regen) war zwar nicht so, wie wir es uns vorgestellt hatten, aber Spaß hatten wir trotzdem. Jetzt ist es an der Zeit, meine Erinnerungen in Worte zu fassen. Also fange ich am besten am Anfang an…

Bisher war es oft so, das ich in der Nacht vor einer größeren Radtour nicht so gut schlafen konnte. Einen Wecker brauche ich eigentlich nie, da ich immer genau 15 Minuten vor dem Wecker aufwache. Egal, ob die Fahrt um 7 Uhr oder um 2 Uhr nachts losgeht. Irgendwo habe ich immer noch Hoffnung, das dieses mal besser wird, wenn sich eine gewisse Routine einstellt. Vor RATN wurde es jedenfalls noch einmal deutlich schlimmer.

Bereits eine Woche vor Start fing ich an, in den Nächten übers Radfahren zu träumen. Von RATN auf dem Einrad, bis zum nicht Bestehen des Rad-Checks war alles dabei. Oft wachte ich schweißgebadet auf und konnte dann nicht mehr einschlafen. Ich versuchte mir einzureden, das wir nur ein paar kleine 250km Radtouren fahren wollen. Also eigentlich nichts ungewöhnliches. Geholfen hat das trotzdem nicht. Dazu kam noch das unschöne Gefühl, irgendetwas vergessen zu haben. Hatte ich alles bedacht und alles eingepackt? In Gedanken ging ich immer und immer wieder die Packliste durch.

Am 30.4, ganz früh am Morgen, machte ich mich dann auf den Weg nach Holland. Die Anspannung war direkt beim Schließen der Haustür wie weggeblasen. Egal was nun kommen sollte, ich musste mit den Dingen, die ich bei mir trug bzw. am Rad hatte, klar kommen. Ich hatte quasi das schwerste geschafft. Ich war unterwegs.

Mein Kuota am S-Bahnhof Eichwalde

Ich entschied mich dafür, direkt ab Eichwalde mit der S-Bahn zu fahren. Wer mich kennt weiß, das das eine ungewöhnliche Entscheidung ist. Normalerweise hätte man sicher von mir erwartet wenigstens bis zum Ostbahnhof mit dem Rad zu fahren. Aber irgendwie hatte ich so gar keinen Nerv darauf nochmal in Berlin Rad zu fahren.

Bis Osnabrück saß ich alleine im Zug. Dort stieg dann Maren dazu. Sie hatte ein paar Tage bei ihrer Familie verbracht. Direkt nach der Begrüßung schauten wir uns ungläubig an, bis einer von uns beiden fragte: „Machen wir das jetzt wirklich?“ Obwohl die Antwort offensichtlich war, stellten wir uns die Frage während der Zugfahrt noch einige Male.

Eigentlich war unser Plan, mit der Bahn bis Amersfoort zu fahren und von dort aus auf kürzestem Weg zum Startort. Aber ein Blick auf den Wetterbericht offenbarte, das Maren zu sommerliche Kleidung eingepackt hatte. Also fuhren wir noch zu 2 oder 3 Fahrradgeschäften. Maren kaufte sich einen Langarm-Winter-Base-Layer und ein Paar Handschuhe. Naja eigentlich 2 Paar. Die pinken Sommerhandschuhe mussten auch noch mit. Aber shoppende Frauen soll man ja nicht aufhalten.

In Amerongen fuhren wir direkt zum Cafe DE PROLOOG. Unsere Stimmung war zwar ziemlich gut, aber trotzdem sorgte der bevorstehende Bike-Check für Stress. Vor allem beschäftigte uns die Frage, ob wir genug reflektierendes Klebeband verklebt hatten. Daher wollten wir den Check nun so schnell wie möglich hinter uns haben.

DE PROLOOG

Direkt vor dem Check trafen wir auf Mark Humme aus Münster. Wir hatten uns im Vorfeld schon etwas über Facebook unterhalten, so das wir gleich so quatschen konnten, als wenn man sich bereits ewig kennt. So überbrückten wir die Wartezeit mit dummen Scherzen über meine weibliche Seite und über Mark’s nicht vorhandene Körpergröße.

An unseren Rädern wurde nichts beanstandet. Alle Aufkleber klebten an den richtigen Stellen. Wir bekamen unser Race Cap ausgehändigt und den Tracker ans Rad montiert. Dabei musste ich noch einmal intervenieren, da die Tracker alle mit blauem Klebeband an die Fahrräder befestigt wurden. Ich wollte aber unbedingt rotes Klebeband, welches ich dann auch bekam.

Anschließend begann der schöne Teil des Tages. Wir gingen im Jumbo-Markt uns etwas zu Essen kaufen. Mark Humme im Schlepptau. Da wir alle Hunger hatten, kauften wir natürlich viel zu viel Zeug ein. Und dann auch noch ziemlich wild durcheinander. Alles was lecker erschien, wanderte in den Einkaufskorb. Mark machte sich über uns lustig und meinte: „Ihr werdet in den nächsten Tagen viel Zeit in Supermärkten verbringen“

Als nächstes ging es ins Hotel. Unsere Räder konnten wir im Flur unter der Treppe anschließen. Im Zimmer zogen wir unsere Alltagskleidung an, aßen etwas und machten uns dann ohne Räder wieder auf zum Cafe DE PROLOOG. Dort setzten wir uns, wieder mit Mark Humme, an einen Tisch und quatschten uns die Seele aus dem Leib.

Race Cap 80 und Race Cap 42

Nach und nach kamen auch alle anderen Fahrer dorthin, denn um 20 Uhr sollte es Pasta geben. Obwohl wir an einem Tisch saßen, an dem sich fast alle deutschen Fahrer versammelten, fühlte ich mich dort nicht so richtig wohl. Für mich waren das einfach zu viele Leute auf einem Haufen. Trotzdem wechselte ich mit dem einen oder anderen ein paar Worte.

Pasta im Cafe DE PROLOOG
Pasta im Cafe DE PROLOOG

Nach der Pasta gingen wir zusammen mit Mark Humme auf unser Hotelzimmer. Dort blödelten wir noch etwas rum und tranken Bier. Naja für mich nur „Frauenbier“, natürlich wegen meiner weiblichen Seite. So endete der Tag völlig entspannt.

Ein wenig Heimat: Das Brandenburger Tor in den Niederlanden